Mit Open Monuments enthüllt das London Design Festival (LDF) zum Jahresende eine Installation der Künstlerin / Designerin Melek Zeynep Bulut, die den Vorplatz des Design Museum in eine poetische Topografie aus geometrischen Grundformen verwandelt. Für zwei Wochen wird der öffentliche Raum zur Bühne – nicht für ein voraussehbares Spektakel, sondern für ein leises, stetiges Spiel aus Begegnung, Bewegung und Veränderungen, das von den Besuchern selbst kontinuierlich fortgeschrieben wird.
„Bauklötze“ aus Stampflehm
Die monolithischen Objekte – Linie, Kreis und Quadrat – changieren zwischen dem Übergang von Skulptur und urbanem Möbel. Sie wollen nicht nur betrachtet, sondern aktiv erlebt werden. Bulut begreift ihre Arbeiten nicht bloß als Objekte, sondern als „Performer“ im Stadtraum, die auf Wetter, Körper, Verhalten und Stimmung reagieren. Jede Berührung, jede Nutzung hinterlässt Spuren auf den verdichteten Lehmschichten, aus denen die Formen gefertigt sind. Dazu wurde eine der ältesten Baumethoden der Menschheit verwendet: Stampflehm. Diese Technik verleiht den Stücken eine archaische Materialität, die zugleich ein starkes Narrativ vermittelt: Schicht um Schicht entsteht ein kollektives Gedächtnis, das sich über die Dauer der Installation sichtbar fortschreibt.
Die Kraft dieser Materialwahl liegt in ihrer Einfachheit. Die erdige Textur lädt zur Entschleunigung ein und fördert eine bewusstere Wahrnehmung der eigenen Präsenz im Raum. So entstehen Zwischenzonen für Ruhe, Austausch oder beiläufiges Verweilen – Orte, die sich im Fluss der Stadt neu ordnen. Die Installation integriert sich in ihr Umfeld, ohne es zu dominieren und schafft eine abstrakte Landschaft, die offen und verbindend wirkt.

LDF im öffentlichen Raum
Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum sind längst ein Markenzeichen des London Design Festival, das gezielt Orte jenseits der Museen bespielt. Auch nach Festivalende bleiben zentrale Projekte sichtbar. Paul Cocksedges What Nelson Sees, eine großformatige Arbeit in Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture, verändert weiterhin die Perspektive auf den Trafalgar Square. Und Beacon, die leuchtende Installation von Lee Broom am Southbank Centre, setzt bis Januar 2026 ein markantes Zeichen für die Rolle von Design im urbanen Alltag. Open Monuments fügt sich in diese Reihe ein – als Einladung, die Stadt als offenen, wandelbaren Resonanzraum zu begreifen.