An weltweit sechs Standorten gleichzeitig gab die Japan Art Association die diesjährigen Preisträger des Praemium Imperiale bekannt. Dieser Preis gilt als der „Nobelpreis der Künste“ und steht unter der Schirmherrschaft des japanischen Kaiserhauses. Er wird 2025 zum 36. Mal in fünf Kategorien verliehen. Auf dem Gebiet der Architektur erhält Eduardo Souto de Moura die Auszeichnung, die mit jeweils 15 Millionen Yen (rund 90.000 Euro) dotiert ist.
Die Einflüsse von Souto de Moura finden sich in der Architektur des frühen 20. Jahrhunderts. Auf dieser Basis kreierte er eine zeitgenössische Gestaltungssprache, die er auf unterschiedlichste Projekte anwendet: vom Einfamilienhaus bis zu großen öffentlichen Gebäuden. Der portugiesische Architekt hat sich modischen Strömungen stets verwehrt und folgte stattdessen seiner ganz eigenen kreativen Vision. Er meint, dass nach über 40 Jahren Diktatur in Portugal, in welcher post-modernistische Architektur angesagt war, sich ein gewisser Minimalismus herausgebildet habe, als ein Akt der architektonischen Reinigung. Souto de Mouras Herangehensweise zum Beispiel in puncto Farben ist stark von den eingesetzten Materialien bestimmt, die die Farbe diktieren. „Ich versuche in meiner Arbeit eine stimmige Sprache für die Beziehung der verwendeten Materialien zur Konstruktionsmethode zu finden“ betont der Architekt und definiert seinen Ansatz als ein verbindendes Dreieck von Konstruktion, Material und Sprache.
Als Souto de Moura 2011 mit dem renommierten Pritzker-Architekturpreis ausgezeichnet wurde, lag bereits ein Karriereweg hinter ihm, der vor allem die Architekturszene in Portugal bestimmte. Mitte der 1970er-Jahre lernte er den portugiesischen Architekten und späteren Pritzker- sowie Praemium Imperiale-Preisträger Álvaro Siza kennen und arbeitete rund fünf Jahre mit ihm, bevor er 1980 sein eigenes Architekturbüro gründete. Als Professor für Architektur an der Universität Porto führte er gemeinsam mit Siza die portugiesische Architekturszene an.
Architektur für den jeweiligen Ort
Zu seinen wichtigsten Werken gehört das für die UEFA-Fußball-Europameisterschaft 2004 entworfene Estádio Municipal de Braga. In einen ehemaligen Steinbruch hineingebaut, bieten die steilen Felswände einen beeindruckenden Dialog zwischen Natur und Mensch. Mit der Umgestaltung des Klosters Santa Maria do Bouro in Nordportugal gab Souto de Moura dem Gebäude einerseits seinen ursprünglichen Charakter zurück, andererseits sah er neue Nutzungsmöglichkeiten vor. Die Kombination zeitgenössischer Elemente mit der Ruine aus dem 12. Jahrhundert gaben dem ehemaligen Kloster das richtige Flair, um sich als staatliches Hotel Pousada Mosteiro de Amares neu zu positionieren. Am bekanntesten ist wohl das Casa das Histórias Paula Rego in der Nähe von Lissabon (2008). Die roten, teilweise pyramidenartigen Dächer hinterlassen beim Betrachter einen bleibenden Eindruck.
Die Kategorie-Sieger
Das Ziel des Praemium Imperiale, mit dem bisher 180 Persönlichkeiten ausgezeichnet wurden, ist es, weltweit Künstler zu ehren, die einen herausragenden Beitrag zur Kultur geleistet haben und deren Schaffen die Welt in besonderem Maße bereichert hat. Die anderen Preisträger des Jahres 2025 sind Peter Doig (Malerei), Marina Abramović (Skulptur), András Schiff (Musik) sowie Anne Teresa De Keersmaeker (Theater/Film). Seit 1997 wird zusätzlich der „Grant For Young Artists“ verliehen (Dotierung: 5 Millionen Yen, ca. 30.000 Euro). Der Preis geht 2025 an das National Youth Theatre in Großbritannien.
Videoporträts zu allen Preisträgern finden Sie unter diesem LINK.
Die feierliche Preisverleihung findet im Oktober in der Meiji-Gedenkhalle in Tokio statt.