Designleuchten sind mehr als Lichtquellen – sie vereinen Ästhetik, Technik und Funktion. Durch attraktive Formen, hochwertige Materialien und innovative Technologien beeinflussen sie das Ambiente eines Raumes entscheidend. Intelligente Lichtsteuerungen, dimmbare LEDs und Farbtemperaturanpassung ermöglichen sogar individuelles Lichtdesign. Dadurch wird Beleuchtung zum Gestaltungsfaktor für besondere Stimmungen, mit denen Raumpotenziale betont werden und modernes Wohnen ästhetischen Anspruch erhält. Aktuelle Designleuchten füllen in technologischer Hinsicht alle Rollen aus, sind aber vor allem eines – wunderschön anzusehen.
Seit der Einführung von LED sind der Wahl der Materialien bei Leuchten kaum mehr Grenzen gesetzt. So präsentiert NEUTRA mit „Lente“ und „Strobilo“ eine Kombination aus Stein und Glas. Das Design von Migliore+Servetto verleiht dem Marmor unerwartete Leichtigkeit. Diese skulpturalen Objekte sind vor allem in ästhetischer Hinsicht atemberaubend. Der Dialog zwischen Raum, Licht und Material wird hier ganz neu geführt. Der britische Designer Lee Broom zeigte während des jüngsten London Design Festivals im eigenen Showroom unter anderem seine Kooperation mit Lladró, dem spanischen Spezialisten für künstlerische Porzellanfiguren. Die Leuchtenkollektion „Cascade“ verbindet handwerkliche Tradition mit zeitgenössischer Formensprache und ist von Papierlaternen inspiriert. Die Idee kam Broom beim Besuch der Lladró-Fabrik: „Ich war fasziniert von der Transparenz des Porzellans und den Nuancen, die durch Texturen und Muster entstehen. Sie erinnerten mich an Papierlaternen, die von Kerzen beleuchtet werden, und so beschloss ich, Formen zu schaffen, die diese Eigenschaften auf moderne Weise integrieren.“
Das Spiel mit Glas
Ein Dauerbrenner in Bezug auf das Material für Beleuchtungsobjekte ist mundgeblasenes Glas, mit dem besonders beim tschechischen Hersteller Brokis fasziniernd umgegangen wird. Für „Comet“ hat das Unternehmen mit Designerin Simona Sbordone kooperiert und eine Kollektion von Pendelleuchten geschaffen, die moderne Technologie mit mundgeblasenem Glas verbindet. Sie besteht aus Leuchten, inspiriert vom Schweif eines Kometen am Nachthimmel. Sie erinnern tatsächlich an Sternenstaub. „Scilla“ heißt Warlis neue Kollektion von Innen- und Außenleuchten. Die tragbare, elegante Leuchte besteht aus satiniertem, geblasenem Glas. Griff und Sockel bestehen aus gebürstetem oder pulverbeschichtetem Edelstahl. Designer Paolo Zani erklärt: „Die reichhaltigen Gravuren, die umhüllende Textur des Glases und der sanfte Schein des Lichts machen diese Laterne zu einem kostbaren und faszinierenden Objekt, das Funktionalität mit visueller Poesie verbindet.“ Tragbar ist auch die neue Leuchte „Solae“, die Cecilie Manz für Fritz Hansen kreiert hat. Das klare, architektonische Design zeichnet sich durch einen durchdacht gestalteten ovalen Sockel aus, der von einer flachen, kreisförmigen Scheibe gekrönt wird. „Ich habe viel Wert auf die Funktionalität gelegt – auf das Licht selbst und wie es den Raum erhellt. Es war entscheidend, dass die Leuchte mehr kann, als nur eine stimmungsvolle Atmosphäre zu schaffen. Sie sollte etwas sein, auf das man sich verlassen kann – eine echte Lichtquelle. Ich wollte, dass sie in der Mitte eines Tisches funktioniert, damit man sieht, was man isst, sich wohlfühlt und nicht geblendet wird“, erläutert Manz.
Licht und Arbeit
Smart Working ist zu einer immer gängigeren Praxis geworden und hat unsere Lebens- und Arbeitsweise radikal verändert. Ausgehend davon entstand „Avro“, eine Pendelleuchte, deren Stecker sich an der Unterseite des Diffusors verbirgt. Es ist ein Projekt, das nicht nur die Arbeit zu Hause, im Büro oder in öffentlichen Räumen vereinfachen, sondern auch die Nutzung von Geräten erleichtern soll, die Strom benötigen. Es verwandelt jeden Tisch in einen praktikablen Arbeitsplatz. Äußerst praktisch ist auch Marc Sadlers „Overfly“-Stehleuchte, die der renommierte Designer für OLEV entworfen hat. Der schlanke Stiel reckt sich vertikal in die Höhe wie ein Stamm und gipfelt in einer leuchtenden Spitze mit rundem Diffusor. Auf dem Weg dorthin, biegt eine Verstrebung ab, wie ein Zweig, und bildet eine praktische Ablagefläche.
„Plint“ von Ilti luce (Design: Massimo Colagrande) wurde entwickelt, um auch in Kontexten, in denen Wand- oder Schienenlösungen nicht möglich sind, Licht positionieren zu können. Historische Wohnhäuser, Museen und Galerien sind nur einige der Bereiche, in denen es eine leistungsstarke und leicht zu handhabende Akzentbeleuchtung braucht und von „Plint“ garantiert wird. Das System ist mit einem Gelenk ausgestattet, das eine 90°-Ausrichtung des Spots ermöglicht. In Kombination mit der Positionierung der Leuchte kann jeder gewünschte Winkel abgedeckt werden.
Leuchtenklassiker neu interpretiert
Anlässlich der Paris Design Week präsentierte die französische Kristallmarke Baccarat die neue „Zénith Nomade“-Kollektion, entworfen von Controvento unter der kreativen Leitung von Gabriele Chiave. Getreu der DNS des ursprünglichen Kronleuchters mit seinen Achtecken, Prismen und Bobèches wird er um eine moderne Struktur aus vergoldetem oder verchromtem Metall ergänzt. „Zénith Nomade entstand aus einer Vision: den Kronleuchter von der Decke zu nehmen und ihn an einen Ast zu hängen, das sanfte Licht des Mondes gegen die blendende Brillanz von Zénith einzutauschen und unter einem neu erdachten Himmel zu speisen“, erklärt Chiave. Controvento hat ebenfalls für Contardi Lighting eine Neuheit kreiert. In „Alma“ werden zwei zeitlose Klassiker kombiniert: der Stoffschirm und die geblasene Glaskugel, in die er sozusagen eingetaucht ist, wodurch ein schwebender Effekt entsteht.
Noch einmal Glas: „Ondine“ ist das neue Modell der Trilli-Kollektion von Casarialto, entworfen von Catherine Urban: kleine, kabellose und wiederaufladbare LED-Tischleuchten, vollständig in Italien hergestellt. Sie vereinen die Meisterleistung des mundgeblasenen Borosilikatglases mit fortschrittlichen technologischen Lösungen. Der von Casarialtos Forschungs- und Entwicklungsabteilung entwickelte Sockel besteht aus Keramik. Der 2500-mA-Akku bietet eine Akkulaufzeit von bis zu 5 Stunden und lässt sich per USB-Kabel aufladen. Über einen diskreten Mikroschalter können passende Atmosphären geschaffen werden. Dafür stehen drei Lichtmodi zur Wahl: kaltes Licht, warmes Licht sowie der Kerzeneffekt.

Mode und Licht
Eine Leuchte, die während der letzten Mailänder Designwoche erstmals vorgestellt wurde, erfährt nun einen neuen Look. Es handelt sich um „Huf“, eine Kooperation des österreichischen Modeschöpfers Arthur Arbesser mit dem italienischen Studio Servomuto. Die Leuchten werden jetzt mit Stoffen und Mustern aus der aktuellen Herbst/Winter-Kollektion von Arbesser angeboten. „Wir wollten eine unprätentiöse Leuchte mit schlichtem, mühelosem Charme schaffen“, sagt Arbesser. „Ich liebe es, mit Design zu spielen und mit einem bewusst naiven Touch von industriellen Konventionen abzuweichen. Schönheit liegt für mich in der Essenz. Und mit Huf hatte ich die Möglichkeit, meine beiden kreativen Welten – Mode und Design – durch individuell anpassbare Lampenschirme mit meinen eigenen Grafiken zu vereinen.“

Aktuelle Designleuchten sind Ausdruck von Lebensgefühl, Innovationsträger und Kunstwerke zugleich. Die Vielfalt der Entwürfe zeigt eindrucksvoll, wie eng Technik, Handwerk, Materialvielfalt und gestalterischer Anspruch miteinander verflochten sind. Ob durch filigranes mundgeblasenes Glas, edles Porzellan oder den mutigen Einsatz neuer Werkstoffe: Jede Leuchte erzählt eine eigene Geschichte – von handwerklicher Perfektion, kultureller Verwurzelung oder visionärer Gestaltungskraft. Gleichzeitig stehen Designleuchten sinnbildlich für unsere sich wandelnden Lebenswelten. Mobile Lichtquellen, integrierte Techniklösungen und smarte Steuerungen machen Beleuchtung flexibler denn je.