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Vienna Design Week 2020 – dezentral und virtuell

von Markus Schraml
VDW 2020, Stadtarbeit

Die Vienna Design Week weitet ihre Aktivitäten aus aktuellem Anlass in den virtuellen Raum aus. Das verkündeten VDW-Direktorin Lilli Hollein und Vize-Direktor Gabriel Roland während der Programmpräsentation 2020, die in Form einer Online-Pressekonferenz stattfand. Die erste und größte Neuigkeit dabei war, dass das Festival überhaupt stattfindet. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen sogar eine Mailänder Designwoche oder die Light + Building (trotz Verschiebung auf Ende September) abgesagt werden. Ein Grund liegt darin, dass Designfestivals im Unterschied zu Messen, dezentraler organisiert sind und die einzelnen Events an unterschiedlichen Orten und mit entsprechend weniger Publikumszulauf im Einzelnen stattfinden. Auch die Helsinki Design Week soll stattfinden.

Der virtuelle Raum

Die Vienna Design Week wird anders sein. Und sich mit der Einführung eines virtuellen Raums weiterentwickeln. Gabriel Roland betonte, dass es das Bestreben und den Plan gebe, nicht nur das Physische ins Digitale zu bringen, sondern eigene Inhalte und Zusatzangebote explizit für die digitale Plattform zu produzieren. Ein definierter, virtueller Raum ist dafür der Ort, ein Ort für digitale Ausstellungen, der Begegnung und für Experimente. Auf dem Boden der physischen Realität zieht die VDW im Jahr 2020 nach Meidling. Die Festivalzentrale im Fokusbezirk wird sich im Amtshaus Meidling (Theresienbadgasse) befinden und dort zwei Stockwerke einnehmen. Diese im Vergleich zum Vorjahr sehr viel kleinere Fläche passt ins Konzept einer bewussten und verstärkten Dezentralisierung des Programms. Auch eine Maßnahme dafür, das Festival auf alle Fälle durchführen zu können, und schon im Vorfeld auf möglicherweise wieder strengere Richtlinien des Gesetzgebers vorbereitet zu sein.

VDW 2020

Die diesjährige Festivalgrafik der VDW kommt wieder von Bueronardin und trägt die Farben hellrosa, marsorange, achatgrau und tintenblau. © Bueronardin

Gastland Schweiz

Als Gastland 2020 konnte die VDW das Nachbarland Schweiz gewinnen. Kompetenter Kooperationspartner ist Design Switzerland / Pro Helvetia. Sylvain Gardel hob in seinem Statement die traditionell engen Kontakte zwischen österreichischen und Schweizer Designern hervor. Von Schweizer Seite wird eine Ausstellung organisiert werden, die vor allem ein Forum für junge Talente sein soll. Laut Ankündigung werden viele der Programmpunkte dem Aufzeigen neuer Kooperationsmöglichkeiten gewidmet sein. Ein weiterer Programmfixpunkt ist das Format „Urban Food & Design“, das in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsagentur Wien zum dritten Mal gestaltet wird und wo es um Themen wie lokale Lebensmittelproduktion oder intelligente Verpackung gehen wird. Eine neue Kooperation konnte mit dem British Council an Land (den Kontinent) gezogen werden. Dabei sollen in Großbritannien lebende Kurator*innen eingeladen werden, zu erforschen, inwieweit Designfestivals als „Agents of Change“, als Vermittler für Veränderung fungieren können. Es soll auch darum gehen, die Vienna Design Week in einem internationalen Eventumfeld zu verorten. Die VDW ist Teil des British Council Design Connection Programms und strebt an, Großbritannien im Jahr 2021 als Gastland zu gewinnen.

Passionswege – Passionsweg

Ein Designfestival wie die VDW ist nur durch das Engagement zahlreicher Sponsoren möglich. Aufgrund der Pandemie-Krise sind einige davon abgesprungen. Deshalb verzichtet die VDW im Jahr 2020 darauf, einen Festival-Guide in Buchform zu publizieren. Auch das Eröffnungsfest wird in der gewohnten Form nicht stattfinden, sondern als gestaffelter Eröffnungstag organisiert werden. Der schmerzlichste Ausfall ist der Rückzug der Wiener Wirtschaftskammer, die bisher den Programmpunkt „Passionswege“ unterstützt hat. Aus diesem Grund können 2020 keine neuen Kooperationen zwischen Designer*innen und Handwerksbetrieben beauftragt werden und die Organisatoren präsentieren stattdessen aus Anlass des 15. Jubiläums (die Passionswege sind ein Jahr älter als die VDW selbst) eine Rückschau auf die Ergebnisse dieses zentralen Programmpunkts der VDW unter dem Ausstellungstitel „15 Years of Passionswege“. Während die einen abspringen, sind andere nach wie vor von der Wichtigkeit des Themas Design und der Promotion dafür überzeugt. So sponsert die Erste Bank weiterhin die „Stadtarbeit“ und gab im Rahmen der Programmpräsentation die Preisträger des 2015 eingeführten Wettbewerbs bekannt. Ruth Goubran vom MehrWERT Sponsoringprogramm der Erste Bank konnte für dieses Jahr statt einem drei Designpreise vergeben. Die Gewinner*innen setzten sich mit den Themen Brachen, Baulücken in der Stadt und neue Ansätze für die Zwischennutzung auseinander. Die Sieger heißen „Institut für Wertschätzung“ vom Kollektiv Raumstation, die sich mit dem Wert der Brache beschäftigten, „Arche“ (Vegetation in Baulücken) und „Wohnlabor“, die mit dem Vorschlag „Stadtbühne“, Baulücken zu temporären Spielstätten machen wollen. Gerade das Nachdenken über den öffentlichen Raum und wie er angesichts der derzeitigen Krise in Zukunft verantwortungsvoll genutzt werden kann, ist höchst aktuell.

 

Auf der Suche nach Programmpartnern – A City full of Design

Ein wichtiger Punkt, der zur Vielfalt des Programms beiträgt, ist die Teilnahme von Programmpartnern. Auch heuer sind Unternehmen, Institutionen, Museen, Galerien und Designbüros eingeladen, sich mit Beiträgen zu präsentieren. Einerseits wird das Festival dadurch farbenfroher, andererseits profitieren die Programmpartner von der starken Medienpräsenz der VDW. Jetzt Programmpartner werden!

Die 14. Ausgabe der Vienna Design Week findet vom 25. September bis 4. Oktober 2020 in Wien und im virtuellen Raum statt.

VDW 2020

Die 14. Ausgabe der Vienna Design Week findet vom 25. September bis 4. Oktober 2020 in Wien und im virtuellen Raum statt. © Vienna Design Week / Bueronardin

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