Design Miami feiert in diesem Jahr (3. – 7. Dezember) ihr 20-jähriges Jubiläum – ein bemerkenswerter Meilenstein für eine Messe, die sich wie kaum ein anderes Format als Seismograf der internationalen Collectible-Designszene etabliert hat. Was 2005 als Treffpunkt für Sammler und Galerien begann, ist heute ein globales Forum für experimentelle Materialforschung, handwerkliche Exzellenz und spekulative Gestaltung. Kurator Glenn Adamson betont die besondere Rolle des Jubiläums: „Es ist eine seltene Gelegenheit, über das Vermächtnis der Messe nachzudenken und zugleich neue Wege aufzuzeigen. Design Miami war immer ein Ort, an dem sich Handwerk und Imagination gegenseitig befeuerten.“
Passend dazu steht die diesjährige Ausgabe unter dem Motto Make. Believe. – eine Einladung, Gestaltung als Möglichkeitsraum zu begreifen, in dem Fantasie und Material gleichermaßen ernst genommen werden. Inmitten von über 70 Ausstellerpräsentationen haben wir zehn Werke ausgewählt, die diesen Geist besonders prägnant verkörpern.
Die Top 10 Must-see Objekte der Design Miami 2025:
1. Desert Rose – KAMEH
Ein skulpturales Objekt, das die kristallinen Formationen der Wüstenrose interpretiert. Aus verkohltem Holz gefertigt und auf Spiegeln inszeniert, entsteht ein atmosphärisches Spiel aus Licht, Masse und Illusion.

2. Folded Jar with Dragon – Steven Young Lee (Duane Reed Gallery)
Ein handgedrehtes Gefäß, dessen bewusst kollabierte Form den traditionellen Perfektionsanspruch der Keramik unterläuft. Der Drache erscheint als humorvolle, fast subversive Verbeugung vor ostasiatischer Ornamentik.

3. Hydra Cabinet – Studio Furthermore (Charles Burnand Gallery)
Ein schrankartiges Objekt, dessen poröse, nahezu vulkanisch anmutende Oberfläche aus experimentellen Werkstoffprozessen resultiert. Funktional, aber von einer fremdartigen Materialpoetik geprägt.

4. Yoshino Wall Mirror IV – Kenta Hirai (Ippodo Gallery)
Ein Wandspiegel, dessen organisch gerippter Rahmen in Holz und Lack gefertigt ist. Das Objekt verbindet japanische Präzision mit einer subtilen, „atmenden“ Plastizität.

5. Rock Chair – Studio Job (Mass Modern Design)
Ein skulpturaler Sitz, der eher wie ein ironischer Kommentar auf die Designgeschichte wirkt als wie ein Möbelstück. Der Stuhl (Design 2004) oszilliert zwischen Popkultur, Absurdität und Sammlerobjekt. Wurde u.a. in die Kollektion des Stedelijk Museum Amsterdam aufgenommen.

6. Alligator Stool – Erin Sullivan (Wexler Gallery)
Der Hocker verfügt über lebhafte, texturierte Flächen, was ihm eine irgendwie animalische Präsenz verleiht. Ein Objekt zwischen Humor und streng kontrollierter Materialbeherrschung.

7. Bloom Chandelier – Scott Daniel (Galerie SCENE OUVERTE)
Eine leuchtende, blütenartige Glasstruktur, die mit Transparenzen spielt und den Raum in weiche, bewegliche Lichtzonen taucht.

8. The Lost Cloth Object – ALPI x Stephen Burks (Friedman Benda)
Ein Projekt, das die Mustertraditionen des historischen Kuba-Königreichs (Zentralafrika) in Holzfurniere überträgt. Handwerk, kulturelle Referenz und Industriepräzision ergeben eine attraktive Objektfamilie.

9. Muravey Chair – Mehdi Dakhli
Ein Stuhl aus Pink Ivory und Bouclé, inspiriert von nordafrikanischen Typologien. Er verbindet strukturelle Klarheit mit rituellem Charakter und hochwertiger Materialbearbeitung.

10. Lithic Bloom – Sten Studio
Ein poetisches Ensemble aus steinernen Blütenformen. Die Arbeit übersetzt botanische Fragilität in mineralische Dauerhaftigkeit.

Auch zwanzig Jahre nach ihrer Gründung demonstriert Design Miami eindrucksvoll, wie lebendig, ungezügelt und zugleich reflektiert Collectible Design heute sein kann. Die diesjährigen Positionen zeigen: Gestaltung bleibt ein Labor – für Erinnerung, für Experiment und für die Vorstellung dessen, was kommen könnte.