Als John Williams 1973 in London vor einem gebrauchten Aston Martin DB5 stand, ahnte er nicht, dass dieses Auto ihn ein Leben lang begleiten würde. Der damals 19-jährige Schweißer und Garagenbesitzer aus Nordwales hatte mehr als ein Jahr lang jeden Penny gespart, den sein Lehrlingslohn hergab. 900 Pfund Sterling – umgerechnet etwa 15.000 Pfund heute – reichten für einen DB5 von 1965, ausgestattet mit Vantage-Motor, Weber-Vergasern und der begehrten Farbe Silver Birch. Ein seltener Fang, auch wenn der Wagen schon damals Patina trug.
Vier Jahre lang war der Aston Williams’ täglicher Begleiter, bis ein Job im Nahen Osten 1977 das Leben des jungen Handwerkers veränderte. Der DB5 blieb zurück – abgestellt, vergessen und über Jahrzehnte Wind, Regen und spielenden Nachbarskindern ausgesetzt. Angebote, das Auto zu verkaufen, gab es immer wieder. Doch Williams blieb standhaft. „Man bekommt so einen nicht noch einmal“, sagte seine Frau Sue – und behielt recht.
2022 brachte die Familie den Wagen dorthin zurück, wo er einst gebaut wurde: nach Newport Pagnell, in die Werkstätten von Aston Martin Works. Mehr als 13.000 Fahrzeuge entstanden hier über fünf Jahrzehnte. Heute zählt dieses Werk zu den wenigen Orten weltweit, an denen ein DB5 mit originalgetreuer Handwerkskunst neu aufgebaut werden kann.
Über drei Jahre lang verwandelten Spezialisten das Wrack in einen automobilen Zeitkapseltraum. Im Panel Shop wurde das Superleggera-Gerüst freigelegt, instandgesetzt und jedes Aluminiumteil neu gedengelt. Lack, Interieur, Technik – jeder Bereich wurde bis ins Detail restauriert. Rund 2.500 Arbeitsstunden flossen in das Projekt, unterstützt vom hauseigenen Teilearchiv, das Nachfertigungen selbst seltenster Komponenten ermöglicht.
Das Ergebnis ist nicht nur ein perfektes Exemplar des legendären Bond-Autos (Goldfinger), sondern auch ein äußerst rares. Von 1.022 gebauten DB5 entstanden 887 als Saloon; nur 39 davon in genau dieser Kombination aus Silver Birch, Vantage-Spezifikation und Rechtslenkung. Williams’ Wagen besitzt zudem eine interessante Historie: Der Erstbesitzer stammte aus St George’s Hill, jener prominenten Gegend, in der damals auch John Lennon und Ringo Starr wohnten.
Paul Spires, Präsident von Aston Martin Works, spricht von einem „besonders schönen Auftrag“. Der Wagen sei in einem „erschütternden“ Zustand angekommen, aber das Team habe die Herausforderung angenommen, wissend, dass sich die Arbeit lohnen würde. Heute könne man bei einem Verkauf einen Wert von bis zu einer Million Pfund ansetzen – eine bemerkenswerte Wertentwicklung für ein Auto, das einst kaum mehr als ein durchschnittlicher Gebrauchtwagen kostete.

Doch für John Williams zählt weniger der mögliche Marktwert als das Gefühl, nach fast fünf Jahrzehnten wieder hinter dem Lenkrad seines DB5 zu sitzen. Ohne Pathos, aber mit freudiger Erleichterung sagt er: „Es hat lange gedauert, aber es hat sich gelohnt. Der Wagen fährt sich wie neu. Unglaublich.“