Home ArchitectureVom Parkhaus zum Wohngebäude: Umnutzung als präziser Eingriff im Bestand

Vom Parkhaus zum Wohngebäude: Umnutzung als präziser Eingriff im Bestand

von Sebastian Zerlach
Der neu angelegte, begrünte Innenhof bildet das räumliche Zentrum der Anlage und sorgt für Licht und Orientierung im Blockinneren. Foto © Frederic Delangle

Im 17. Arrondissement von Paris haben NZI Architectes ein Parkhaus aus den 1930er-Jahren in eine soziale Wohnanlage mit 83 Einheiten umgewandelt. Das Projekt an der Rue Nollet, Ende 2025 für die Régie Immobilière de la Ville de Paris (RIVP) fertiggestellt, zeigt exemplarisch, wie sich bestehende Tragwerke für neue Wohnprogramme nutzbar machen lassen, ohne zusätzliche bauliche Verdichtung zu erzeugen.

Konstruktion und Raumhöhe

Der Bestandsbau war als mehrgeschossige Stahlbeton-Skelettkonstruktion entlang der Grundstücksgrenzen ausgeführt. Die unteren Ebenen befanden sich in gutem Zustand, während die oberen Geschosse eine leichtere Stahlkonstruktion mit vergleichsweise großzügigen Höhen aufwiesen. Typische Probleme von Parkhausumnutzungen – insbesondere begrenzte Raumhöhen – wurden durch eine präzise Eingriffstrategie adressiert. Entlang einer Nord-Süd-Achse entfernte NZI einen kompletten Konstruktionsabschnitt. Dadurch entstanden zwei eigenständige Baukörper mit verbesserter Belichtung und nutzbaren Raumhöhen, ohne das bestehende Volumen zu überschreiten.

Die Wohnfläche ist in 56 Einheiten mit durchschnittlich 21 m², 21 Einheiten mit durchschnittlich 18 m² sowie 6 Einheiten mit durchschnittlich 33 m² aufgeteilt.

Transformation im aktuellen Diskurs

Die beiden neu eingefügten Gebäude sind keine Aufstockung, sondern eine Reorganisation innerhalb des vorhandenen Baukörpers. Sie orientieren sich an der Logik des Bestands und öffnen das zuvor vollständig umschlossene Grundstück zu einem begrünten Innenhof. Alle Wohnungen sind ost- oder westorientiert, Erschließungs- und Gemeinschaftsflächen werden natürlich belichtet.

Große Fensterflächen sowie der Blickbezug zum Innenhof erfüllen die Wohnungen mit viel Licht. Foto © Frederic Delangle

Im Kontext aktueller architektonischer Debatten um Umbaukultur und Wohnraummangel positioniert sich das Projekt als pragmatische Alternative zum Abriss. Die Kombination aus konstruktiver Zurückhaltung, dem Einsatz von CLT-Holzbauteilen im straßenseitigen Neubau und der Weiterverwendung bestehender Bauteile zeigt, wie soziale Wohnbauten durch gezielte Eingriffe qualitätsvoll entwickelt werden können – als Teil eines dichten, gewachsenen Stadtkörpers.


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