Home ArchitectureZwischen Historie und Gegenwart: Eine Villa in Budapest

Zwischen Historie und Gegenwart: Eine Villa in Budapest

von Sebastian Zerlach
In Budapester Bestlage setzt ein Neubau mit kubischem Flachdach aus Aluminium einen Kontrapunkt zu den Villen der Jahrhundertwende. © PREFA/Croce & Wir

Im traditionsreichen Budapester Bezirk Hegyvidék, wo Villen der Jahrhundertwende das Stadtbild prägen, setzt ein Neubau einen starken Kontrapunkt. Das Budapester Büro A Fiúk Építész Stúdió entwarf hier eine Mehrgenerationen-Villa, die sich an ihre historische Umgebung nicht anpasst, sondern mit ihr in Dialog tritt – über architektonische Epochen, Materialien und Maßstäbe.

Die Architekten Zoltán Kabdebó und Dániel N. Varga entwickelten das Gebäude für ein gewachsenes Familiengrundstück. Zwei getrennte Wohneinheiten strukturieren den Baukörper, der sich aus einem massiven Sockel und einem klar gefassten, kubischen Aufbau zusammensetzt. „Wir arbeiten prinzipiell mit wenigen Materialien“, erklärt Kabdebó, „und setzen diese gezielt in Kontrast zueinander.“ Dieser Ansatz übersetzt sich in eine Architektur, die nicht dekorativ wirkt, sondern aus der Spannung ihrer Elemente lebt.

Der Sockel aus Stahlbeton und Backstein verankert das Haus im Gelände, während der darüber liegende Aufbau mit präziser Geometrie eine fast grafische Klarheit entfaltet. Horizontale und vertikale Linien treten dabei in ein Wechselspiel, das die Fassaden rhythmisiert. Technische Details wie die innen liegende Entwässerung unterstreichen die formale Konsequenz des Entwurfs.

Auch im Inneren folgen die Architekten einem klaren Prinzip: Die untere Wohnung öffnet sich direkt zum Garten, während die obere Einheit über zwei Ebenen hinweg mit Balkon und Dachterrasse auf Weite und Ausblick setzt. Rücksprünge, Einschnitte und Überhänge erzeugen geschützte Außenräume und differenzierte Übergänge zwischen Innen und Außen. „Uns interessierte, wie sich aus einfachen Volumen komplexe Raumfolgen entwickeln lassen“, so Varga.

Die Budapester Architekten Zoltán Kabdebó und Dániel N. Varga entwarfen das prägnante Gebäude im Budapester Villenviertel. © PREFA/Croce & Wir

Der Ausbau bleibt zurückhaltend: Naturstein und helle Hölzer definieren eine reduzierte Materialpalette, die den räumlichen Qualitäten den Vortritt lässt. Erst im Detail zeigt sich die Präzision der Umsetzung – etwa in der Ausbildung von Kanten und Übergängen, die hohe handwerkliche Sorgfalt erfordern.

So entsteht ein Gebäude, das sich weder der historischen Umgebung unterordnet noch sie ignoriert, sondern eine eigenständige Haltung formuliert. Die verwendeten Aluminiumprofile stammen von PREFA. (PREFALZ-Dach P. 10 Anthrazit)


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