Home HistoryEin Refugium der Kreativität: Sir Henry Royce an der Riviera

Ein Refugium der Kreativität: Sir Henry Royce an der Riviera

von Uwe Prenner
Le Canadel ist einer der Orte, die die Geschichte von Rolls-Royce mitgeprägt haben. © SIX:TRENTE PRODUCTION, Ugo Missana

Die jüngste Mitteilung von Rolls-Royce Motor Cars zeichnet ein differenziertes Bild der späten Jahre von Sir Henry Royce an der französischen Riviera. Im Zentrum steht „Le Rossignol“, jenes Haus, das Royce für sein engstes Team aus Designern und Ingenieuren errichten ließ – als funktionaler Gegenpol zur vermeintlichen Muße des Südens.

Nach intensiven Jahren des Fabrikaufbaus in Derby zog es Royce ab 1911 regelmäßig an die Côte d’Azur, wo er oberhalb von Le Canadel seine Villa „La Mimosa“ bezog. Ergänzt wurde das Ensemble durch „Le Bureau“ als Atelier sowie „Le Rossignol“ als gemeinschaftliche Unterkunft für seine Mitarbeiter. Die räumliche Nähe war Teil eines klaren Arbeitsverständnisses: Ideen sollten ohne große Verzögerung entwickelt, geprüft und umgesetzt werden.

Die Villa „La Mimosa“ war der Rückzugsort von Henry Royce in Südfrankreich. © SIX:TRENTE PRODUCTION, Ugo Missana

Der Name „Le Rossignol“ – französisch für Nachtigall – verweist zugleich auf die Wurzeln des Unternehmens in der Nightingale Road in Derby, wo Royce die Produktionsstätte selbst konzipiert hatte. Auch an der Riviera blieb sein Arbeitsstil von Disziplin geprägt. Zeit verstand er als Ressource, die konsequent zu nutzen sei – selbst in Momenten, die andere als Freizeit interpretiert hätten.

Trotz dieses scheinbar allumfassenden Arbeitsdrangs verführte die südfranzösische Landschaft doch zu vereinzelten Szenen persönlicher Leichtigkeit: musikalische Momente auf der Terrasse oder Testfahrten entlang der kurvenreichen Küstenstraßen. Sie stellen einen leichten Kontrast zu Royces kontinuierlicher Präzisionshaltung dar, die selbst auf Reisen keine Nachlässigkeit duldete.

Alles in allem erscheint „Le Rossignol“ weniger als idyllischer Rückzugsort denn als gezielt gestaltete Arbeitsumgebung – ein Ort, an dem sich Royces Anspruch an Effizienz und Qualität auch fernab der Fabrik fortsetzte.


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