Der Praemium Imperiale gehört zu den weltweit renommiertesten Kunstpreisen. Gestiftet wurde er von der Japan Art Association anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens, mit dem Ziel, herausragende Leistungen in Kunst und Kultur international zu würdigen. Seit 1989 wird die Auszeichnung jährlich in den fünf Kategorien Malerei, Skulptur, Architektur, Musik sowie Theater/Film vergeben. Jeder Preisträger erhält eine Goldmedaille und 15 Millionen Yen. Die feierliche Verleihung durch das japanische Kaiserhaus findet im Oktober in Tokio statt.
Theorie und Geste
2026 geht der Praemium Imperiale für Architektur an Daniel Libeskind. Der 1946 im polnischen Łódź geborene Architekt zählt zu den prägendsten und zugleich eigenwilligsten Vertretern der zeitgenössischen Architektur. Als Jugendlicher emigrierte er mit seiner Familie in die USA. Zunächst verfolgte Libeskind eine musikalische Laufbahn, ehe er an der Cooper Union in New York Architektur und später an der University of Essex Architekturgeschichte und -theorie studierte.
Seinen internationalen Durchbruch brachte der Wettbewerb für das Jüdische Museum Berlin. Nach diesem Sieg im Jahr 1989 gründete Libeskind sein Büro in der deutschen Hauptstadt. Der 2001 eröffnete Bau wurde mit seinen scharf geschnittenen Formen, Brüchen und bewusst gesetzten Leerräumen zu einem Schlüsselwerk seines Schaffens. Architektur ist für Libeskind nie nur gebaute Form, sondern auch Träger von Geschichte, Erinnerung und gesellschaftlicher Erfahrung. „Architektur muss an Orten sprechen, an denen Schweigen herrscht“, beschreibt er selbst diesen Anspruch.
Gebaute Symbole
2003 wurde Libeskind mit dem Masterplan für die Neugestaltung des World-Trade-Center-Areals in New York beauftragt. Studio Libeskind verlegte daraufhin seinen Hauptsitz nach Manhattan. Das Spektrum des Büros reicht heute von Museen und Konzerthäusern über Universitäts- und Kongressbauten bis hin zu Hotels und Wohnhochhäusern. Aktuell entsteht nach seinen Plänen das Albert Einstein Discovery Center in Ulm. In Einsteins Geburtsstadt soll der Bau dessen wissenschaftliches Vermächtnis und pazifistisches Engagement vermitteln.

Neben Libeskind werden 2026 Jenny Holzer in der Kategorie Malerei, Andy Goldsworthy für Skulptur, Dirigent Herbert Blomstedt für Musik sowie Cate Blanchett in der Kategorie Theater/Film mit dem Praemium Imperiale ausgezeichnet. Der mit fünf Millionen Yen dotierte „Grant for Young Artists“ geht an die französische Kunstinitiative La Source Garouste.