Home Industrial DesignDyson CameraJet: Die Zahnbürste, die sehen kann

Dyson CameraJet: Die Zahnbürste, die sehen kann

von Markus Schraml
James Dyson, ein lösungsorientierter Erfinder, der die Produkte des Alltags neu definiert. © David Vintiner

Eine Zahnbürste, die nicht nur putzt, sondern sieht, wo sie putzen muss: Mit der CameraJet überträgt Dyson sein Prinzip, Alltagsprodukte technisch zu hinterfragen, auf die Mundpflege. Das Ergebnis ist ein erstaunlich komplexes Zusammenspiel aus Kamera, künstlicher Intelligenz, Schalltechnologie und präziser Fluiddynamik.

Zähneputzen gehört zu den Routinen des Alltags – doch bleibt dabei ein wichtiger Bereich häufig außen vor: die Zahnzwischenräume. Zahnseide wird nur selten konsequent verwendet, gleichzeitig dauert das durchschnittliche Zähneputzen laut Dyson gerade einmal 45 Sekunden. In den Zwischenräumen kann sich dadurch Plaque festsetzen, verhärten und langfristig Zahnstein, Zahnfleischreizungen oder Karies begünstigen.

Eine Zahnbürste, die nicht nur putzt, sondern sieht, wo sie putzen muss. © Dyson

Genau hier setzt die neue Dyson CameraJet an. Das Prinzip klingt zunächst futuristisch. Eine integrierte 100.000-Pixel-Makrokamera beobachtet während des Putzens die Zahnoberfläche. Der eigens entwickelte Algorithmus „Gap Optical Targeting“ erkennt dadurch Zahnzwischenräume und berechnet voraus, wohin sich der Bürstenkopf bewegen soll. Wird eine relevante Stelle erkannt, aktiviert das System innerhalb von 100 Millisekunden einen gezielten Strahl Mundspülung.

Was nach einem kleinen technischen Kunststück klingt, war ein Großprojekt. Sechs Jahre Entwicklungszeit, 661 beteiligte Dyson-Ingenieure, 38 angemeldete Patente und 16 Millionen Codezeilen stehen hinter der CameraJet. Für das maschinelle Lernen wurden mehr als 470.000 Zahnbilder verwendet. Zusätzlich arbeitete Dyson mit 30 Zahnmedizinern weltweit zusammen.

Besonders interessant ist die Entwicklung des Reinigungsstrahls. Gemeinsam mit der Fakultät für Zahnmedizin der National University of Singapore entwickelte Dyson über fünf Jahre eine künstliche Plaque, an der unterschiedliche Strahlformen getestet werden konnten. Während klassische Mundduschen häufig mit einem schmalen, nadelförmigen Strahl arbeiten, setzt Dyson auf einen breiteren konischen Strahl. Er soll Plaque lösen und entfernen, gleichzeitig aber mit geringerem Druck auskommen.

Die ausgefeilte Technik der CameraJet soll effizientere und gleichzeitig schonendere Zahnreinigung ermöglichen. © Dyson

Auch die Zahnbürste selbst wurde neu gedacht. Variable Schallbewegungen halten die Borsten kontinuierlich in Bewegung, während ein speziell geformter Doppelborstenkopf unterschiedliche Bereiche der Zähne adressiert. Selbst das 12,5 Milliliter kleine Mundspülungsreservoir wurde zum Ingenieursprojekt. Eine Membranpumpe und eine Druckkammer sollen unabhängig von der Haltung der Bürste für einen konstanten Strahl sorgen.

Hier zeigt sich einmal mehr der typische Erfindergeist von James Dyson: Nicht das Produkt an sich ist das Problem, sondern die ungelöste technische Frage dahinter. Was passiert, wenn eine Zahnbürste sehen kann? Wie lässt sich ein Strahl präzise steuern? Und wie bringt man all diese Komponenten in einem handhabbaren Gerät zusammen? Die CameraJet ist damit weniger eine evolutionäre Weiterentwicklung der elektrischen Zahnbürste als ein Versuch, deren Funktionsprinzip neu zu definieren.

Das Dyson Dentalsystem ist für 479 Euro erhältlich. Zum Paket gehören neben der CameraJet eine Ladestation, ein Reiseetui sowie speziell abgestimmte Zahnpasta und Mundspülung.


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