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Balkrishna Doshi erhält RIBA Royal Gold Medal

von Markus Schraml
Royal Gold Medal Balkrishna Doshi

Wie das Royal Institute of British Architects (RIBA) bekannt gibt, wird der indische Architekt Balkrishna Doshi mit der Royal Gold Medal 2022 ausgezeichnet. Der 94-jährige Doshi kann auf ein Lebenswerk zurückblicken, das sich über eine Zeitspanne von sieben Jahrzehnten erstreckt. Mit seinen über 100 gebauten Projekten, aber auch durch seine Lehre hat er die Architektur in Indien und den angrenzenden Regionen maßgeblich beeinflusst. In seinen Gebäuden verschmilzt Doshi wegweisende Moderne mit einer Volksnähe, die auf ein tiefes Verständnis der indischen Kultur, Architektur und des Klimas zurückzuführen ist.

Zu seinen Projekten zählen Verwaltungsgebäude, Kultureinrichtungen und Wohnsiedlungen. Mit visionären Stadtplanungs- und sozialen Wohnbauprojekten sowie seiner Arbeit im Bildungsbereich ist er nicht nur in Indien, sondern auch international bekannt geworden und hielt weltweit Vorträge an renommierten Universitäten. Zu seinen wichtigsten Bauwerken gehören: der Shreyas Comprehensive School Campus (1958-63) in Ahmedabad (Indien), das Institut für Indologie (1962) ebenfalls in Ahmedabad, ein Gebäude zur Unterbringung seltener Dokumente, die Ahmedabad School of Architecture (1966, mit Ergänzungen bis 2012) – 2002 in CEPT University umbenannt – die sich auf die Schaffung von Räumen konzentrierte, die kollaboratives Lernen fördern, das Tagore Hall & Memorial Theatre (1967), ein brutalistisches Auditorium mit 700 Sitzplätzen in Ahmedabad, die Premabhai Hall (1976) in Ahmedabad, ein ehemaliges Theater und Auditorium, das Indian Institute of Management in Bangalore (1977 – 1992), eine Handelshochschule, Sangath (1981), das Studio seines Architekturbüros Vastu Shilpa sowie das Aranya Low Cost Housing Projekt (1989), Indore (Indien), das 1995 den Aga Khan Award for Architecture gewann.

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Mein Guru Le Corbusier

Als erste Reaktion auf den Erhalt der RIBA Royal Gold Medal 2022 sagte Balkrishna Doshi: „Ich bin angenehm überrascht und zutiefst demütig, die Royal Gold Medal der Königin von England zu erhalten. Was für eine große Ehre! Die Nachricht von dieser Auszeichnung weckte Erinnerungen an meine Zeit bei Le Corbusier, als er im Jahr 1953 die Nachricht von der Royal Gold Medal erhielt. Ich erinnere mich lebhaft an seine Aufregung, diese Ehre von Ihrer Majestät zu erhalten. Er sagte metaphorisch zu mir: Ich frage mich, wie groß und schwer diese Medaille sein wird. Heute, sechs Jahrzehnte später, fühle ich mich wirklich überwältigt, die gleiche Auszeichnung wie mein Guru Le Corbusier zu erhalten. Ich möchte meiner Frau, meinen Töchtern und vor allem meinem Team, den Mitarbeitern meines Studios Sangath meinen herzlichen Dank aussprechen.“

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Balkrishna Doshi wurde 1927 in Pune (Indien) als Sohn einer großen Möbelherstellerfamilie geboren und studierte an der J.J. School of Architecture, Bombay (heute Mumbai), bevor er vier Jahre lang bei Le Corbusier als Senior Designer (1951-54) in Paris und vier weitere Jahre in Indien arbeitete, um Projekte in Ahmedabad zu betreuen. Mit Louis Kahn kooperierte er über ein Jahrzehnt unter anderem als Associate beim Aufbau des Indian Institute of Management in Ahmedabad. 1956 gründete er mit zwei Architekten sein eigenes Büro Vastu Shilpa. Heute ist es ein multidisziplinäres Büro mit fünf Partnern aus drei Generationen und 60 Mitarbeitern. Das Office lädt zum Dialog ein – gemäß ihrer Philosophie der proaktiven Beteiligung. Deshalb stehen die Türen der Büroräume auch Passanten offen.

Indisches Klima und Traditionen

RIBA-Präsident Simon Allford sagte, Doshi habe Generationen von Architekten inspiriert: „Beeinflusst von seiner Zeit bei Le Corbusier ist seine Arbeit dennoch die eines originellen, unabhängigen Denkers – der rückgängig machen, wiederholen und weiterentwickeln kann. Im 20. Jahrhundert, als die Technologie vielen Architekten ermöglichte, unabhängig vom lokalen Klima und Traditionen zu bauen, blieb Balkrishna eng mit seinem Hinterland verbunden, seinem Klima, neuen und alten Technologien sowie dem Handwerk“.

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Balkrishna Doshi ist Foreign Honorary Member der American Academy of Arts and Letters (2021). Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten: den Padma Bhushan, Government of India (2020), den Pritzker Prize (2018); den französischen Ordre des Arts et des Lettres (2011), den Global Award for Lifetime Achievement for Sustainable Architecture, des Instituts Francais d’Architecture, Paris (2007), den National Award for Excellence in Urban Planning and Design des Premierministers, Indien (2000), den Aga Khan Award for Architecture (1993-1995) und die Goldmedaille der Academy of Architecture of France (1988).

Als Anerkennung für ein Lebenswerk wird die Royal Gold Medal von Ihrer Majestät der Königin persönlich genehmigt und an eine Person oder Gruppe von Personen verliehen, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Weiterentwicklung der Architektur ausgeübt haben. Der seit 1848 verliehene Preis wird Balkrishna Doshi nächstes Jahr im Rahmen einer speziellen Zeremonie überreicht.


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