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Women in Architecture and Construction Awards 2019

Frauen in der Architektur – Tamayouz Excellence Award

Der Women in Architecture and Conctruction Award prämiert Leistungen von Architektinnen im Nahen Osten und Nordafrika. Der Preis wird in zwei Kategorien verliehen: Rising Star und Woman of Outstanding Achivement. Die Siegerinnen der Ausgabe 2019 sind die saudische Architektin Dana Al-Amri in der Rising Star-Kategorie und Zeynep Çelik für ihre herausragenden Leistungen im Feld der Baugeschichte. Außerdem sprach die Jury eine Empfehlung für die ägyptische Architektin Shahira Fahmy aus.

Architektin in Saudi-Arabien

Dana Al-Amri ist Co-Gründerin des saudischen Architekturbüros Watad Studio mit Sitz in Djeddah. Die Arbeiten des Büros basieren auf kontextbezogenen Entwürfen, die auf die jeweils lokalen Bedürfnisse eingehen. Al-Amri repräsentiert eine aufstrebende Generation von jungen Architektinnen im Königreich Saudi-Arabien. Sie hat eine Reihe von Projekten in den Bereichen Wohnen, Gewerbe und Hospitality entworfen. Mit Arbeiten wie dem Solar Ovens Projekt, in dem es um die Aufklärung von Menschen ging, die von den Überschwemmungen in Djeddah betroffen waren, zeigt Al-Amri auch soziales Engagement. Weiters widmet sie sich der Erforschung und Erneuerung von Slums in Djeddah sowie von vernachlässigten historischen Vierteln der Stadt am Roten Meer. Außerdem sucht sie nach alternativen Verkehrsführungen in und rund um Djeddah, um die Zahl der Verkehrsunfälle zu verringern. Bei Konferenzen und auf Messen hält sie Vorträge zum Thema nachhaltige Architektur und Bauweisen. Die Jury betonte in ihrer Beurteilung, dass Dana Al-Amri Mehrwerte schaffen würde, die sie mittels unterschiedlichster Gestaltungswerkzeuge und Techniken zustande bringt. „Die Architektin fertigt Entwürfe an, die über den Tellerrand hinausblicken und überwindet damit konventionelle Herangehensweisen“, begründet die Jury ihre Wahl. Im Zuge des Wettbewerbs wurden vom Tamayouz Excellence Award Interviews mit den Personen auf der Shortlist geführt. Darin sagt Dana Al-Amri auf die Frage nach der Situation für weibliche Architektinnen in Saudi-Arabien: „Ich wollte nie, dass mein Geschlecht Thema ist und ich glaube immer noch, dass dies nicht der Fall ist. Dennoch gibt es viele Leute, die nach wie vor ein wenig konservativ reagieren, wenn Frauen vor Ort sind oder in ein Projekt involviert sind. Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem das Geschlecht nie ein Thema war, deshalb war das für mich kein Hindernis. Ich denke, da habe ich großes Glück gehabt.“

Herausragende Architekturhistorikerin

Dr. Zeynep Çelik ist Autorin, Professorin am New Jersey Institute of Technology – Rutgers University sowie außerordentliche Professorin an der Columbia University. Durch ihre zahlreichen Publikationen, die sich etwa mit der Architekturgeschichte im Osmanischen Reich oder mit französischem Kolonialstil beschäftigen, hat sie in ihrer Karriere enorme Leistungen für das Verständnis der Geschichte von Architektur und Urbanismus geleistet, erklärte die Jury und verlieh ihr den Woman of Outstanding Achievement Award 2019. Çeliks Lehrtätigkeit führte sie in der Vergangenheit auch an die Universitäten von Kalifornien (Berkeley), Harvard, Princeton, ans MIT, an die Écoles des hautes études en sciences sociales in Paris, die École Nationale d’Architecture et d’Urbanisme in Tunis, ans Barnard College sowie die Bosporus Universität in Istanbul. Zu ihren bekanntesten Publikationen zählen The Remaking of Istanbul (Dissertation, 1986), Displaying the Orient: Architecture of Islam at Nineteenth Century World’s Fairs (1997), Empire, Architecture and the City: French-Ottoman Encounters, 1830-1914 (2008) und Politics of Archaeology in the Ottoman Empire (2016). Derzeit arbeitet sie an einem neuen Buch mit dem Arbeitstitel „Städte im Nahen Osten zwischen dem späten Osmanischen Reich und dem britischen und französischen Mandat“. Außerdem kuratierte Çelik Ausstellungen rund um den Globus, darunter „Walls of Algiers“ am Getty Research Institute in Los Angeles und „Scramble for the Past: A Story of Archaeology in Ottoman Empire“ im SALT in Istanbul. Eine kommende Ausstellung und Konferenz, an der Çelik mit einem internationalen Team arbeitet, trägt den Titel „Palestine from the Sky“ (Palästina vom Himmel aus). Sie soll 2020 in Ramallah eröffnet werden. In der Jurybegründung steht unter anderem: „Es gibt viele Akademiker und Forscher auf dem Gebiet der Architektur, aber nur wenige von ihnen werden Mentoren für eine ganze Generation von Architekten und Architekturhistorikern. Als türkische Professorin hat sie viele Menschen in der arabischen Welt beeinflusst sowie in den USA durch ihre Tätigkeit in New Jersey und New York … Das Verständnis von Architektur durch die Geschichte ist äußerst wichtig und ohne die Bemühungen von Dr. Zeynep nicht möglich.“ In einem Interview sagte Çelik über ihre Ziele: „Ich hatte nie einen Karriereplan. Glücklicherweise war es mir möglich, meinen wissenschaftlichen Interessen und Leidenschaften nachzugehen. Akademische Einrichtungen gaben mir die Freiheit, an Themen zu arbeiten, die mich begeisterten und die ich für wichtig hielt. Ich wollte immer zum Verständnis von Architektur und Städten beitragen, indem ich neue Perspektiven aufzeigte. Im weitesten Sinne bringt meine Arbeit Architektur und urbane Formen mit ideologischen, sozialen und kulturellen Kontexten in Verbindung. Ich habe zum Verständnis über die gebauten Umgebungen im Nahen Osten und in Nordafrika und deren Kontexten meinen Beitrag geleistet.“

Architektin und Schauspielerin

Zusätzlich zu den beiden Preisträgerinnen hob die Jury auch die Arbeit von Shahira Fahmy lobend hervor. Die ägyptische Architektin, Stadtplanerin und Lehrende gründete das Büro Shahira Fahmy Architects 2005 in Kairo. Sie hat Projekte im Nahen Osten und in Europa entworfen und umgesetzt. Dazu gehören der Masterplan des Ski-Resorts Andermatt Swiss Alps für die Phasen II und III, das Allegria Resort, Wohnprojekte in Kairo sowie die Restaurierung einer experimentellen Kunsthalle in New York. Zusätzlich zu ihren Bauwerken hat sich Fahmy mit der Erforschung der rasanten Urbanisierung und Kartierung beschäftigt. Zweimal hat sie ein Post-graduierten Stipendium von der Harvard University für ihre wissenschaftliche Arbeit zur Beziehung von Urbanismus, Regierung und Cyberspace erhalten. Sie hat an der Columbia University Graduate School of Architecture, Planing and Preservation sowie an der amerikanischen Universität in Kairo und an der Cairo University unterrichtet. Derzeit arbeitet Fahmy an einem Projekt für leistbares Wohnen in Großbritannien. „Shahira Fahmy ist eine äußerst talentierte Architektin, deren Arbeit vielfältig, authentisch und klar ist. Ihre Entwürfe basieren auf den Eigenschaften der verwendeten Materialien und reagieren auf die sozialen und natürlichen Kontexte der Umgebung. Ihre Arbeit zeigt viel Liebe zum Detail“, steht in der Jurybegründung. Interessanterweise ist Fahmy nicht nur Architektin, sondern auch Schauspielerin. Zu dieser außergewöhnlichen Kombination sagt die Ägypterin: „Durch beide Tätigkeiten habe ich gelernt, dass bei mir alles auf mein Interesse an den Menschen hinausläuft und die Entscheidungen, die sie treffen, das Verhalten, das sie an den Tag legen und die Wege, die sie einschlagen. Seit meinem Architekturstudium an der Universität Kairo interessiere ich mich für Raum und der Beziehung zwischen Raumgestaltung und Bewegungsmustern. Was macht Städte lebenswert? Was macht einen Raum lebenswert? Diese Fragen haben mich dazu veranlasst, mich näher mit dem Menschen an sich zu beschäftigen.“

Women in Architecture and Construction Awards 2019
„Highly Commended“-Auszeichnung beim „Women in Architecture and Construction Awards 2019“ für Shahira Fahmy. © Tamayouz Excellence Award
Women in Architecture and Construction Awards 2019
Geschäfts- und Einkaufspark Designopolis zwischen Kairo und Alexandrien von Shahira Fahmy Architects, 2009. © Tamayouz Excellence Award
Women in Architecture and Construction Awards 2019
Masterplan der Phasen II und III für das Ski-Resort Andermatt Swiss Alps von Shahira Fahmy. © Tamayouz Excellence Award
Women in Architecture and Construction Awards 2019
2012 gewannen Shahira Fahmy Architects die Erweiterung der Delfina-Stiftung in Westminster (GB). Es war eine Kooperation mit dem britischen Studio Octopi. © Tamayouz Excellence Award

 

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