Glück ist ein subjektives Erleben, das für jeden Menschen etwas anderes bedeuten kann. Es ist ein Zustand positiver Gefühle, deren Ursachen völlig unterschiedlich sind. Glücksmomente entstehen durch besondere soziale Interaktionen, durch die Überwindung von Herausforderungen oder durch kreatives Schaffen. Letzterer Vorgang trifft auch auf den Bereich des Designs zu. Was macht Designer glücklich? Diese Frage, und zwar ohne jegliche Einschränkungen, stellte FORMFAKTOR einer ganzen Reihe von Designschaffenden – von international anerkannten Persönlichkeiten bis hin zu aufstrebenden Talenten. Die Antworten sind in zwei Glückskategorien verortet: dem privaten Glück und dem Glück in der Arbeit.
Der italienische Architekt Fabio Novembre antwortet auf die Frage nach dem Glück recht ausführlich: „Für mich gibt es einen riesigen Grund, um glücklich zu sein. Ich wurde noch einmal Vater, 20 Jahre nach dem ersten Mal. Es ist ein wunderschöner, jetzt einjähriger Junge. Ich wache in der Früh auf, eigentlich weckt er mich auf. Er kommt zu mir und ruft Papa, Papa: Das lässt mich abheben. Das Leben lässt dich abheben, dich um jemanden zu kümmern, lässt dich abheben. Ein Kind zu haben ist noch immer die luxuriöseste Sache der Welt. Wenn Leute meinen reich zu sein bedeutet einen Privatjet zu haben oder ein Ferrari-Cabrio zu besitzen, sage ich: Nein, nein, nein. Der größte Luxus in der Welt ist dein Sohn, der dich anlächelt.“
Charley Vezza, Gründer der Italian Radical Design-Gruppe (Gufram, Memphis Milano, Meritalia) ist für sein lebensbejahendes Wesen bekannt. Für ihn sind es alltägliche Dinge, die Wichtigkeit besitzen: „Das ist wohl die komplizierteste Frage der Welt“ meint er. „Ich glaube, es sind die einfachen Dinge. Ich komme vom Land. Ich denke an ein Mittagessen am Sonntag in einer schönen Osteria. Die Sonne scheint und eine gute Flasche Wein steht auf dem Tisch. Das macht mich glücklich.“ Der junge Designer Ryan Twardzik (unform studio) bringt ebenfalls das Thema Essen ins Spiel: „Zuhause mit meiner Frau zu kochen. Das ist großartig. Ab in die Küche, um dort kreativ zu sein. Diese Zeit zu haben, macht mich glücklich“, betont der US-Amerikaner, der für seine Space Age-Möbel bekannt ist. Die Designchefin der Google-Hardware-Produkte, Ivy Ross, wiederum stellt die schönste Sache der Welt in den Fokus. Sie sagt schlicht: „Liebe. Mit Menschen zusammen zu sein, die ich liebe – das macht mich glücklich.“

Der deutsche Designer Werner Aisslinger geht gerne auf Reisen, um sich neue Inspirationen zu holen und sich ins Chaos zu stürzen. Andererseits meint er: „Ich mag es, meine Atelierwelt in Ruhe zu genießen – auch am Wochenende. Ich arbeite sehr gerne am Sonntag, da will keiner etwas von dir. Ich gehe sehr arbeitsorientiert durchs Leben“, gibt er zu. Ein eher analytisches Glücksverständnis bringt Patrick Jouin zum Ausdruck. Der französische Designer sagt: „Wenn ich eine interessante Idee habe, die mich selbst überrascht, das ist mein ganz persönliches Glück. In Hinblick auf andere, ist es die Kernaufgabe eines Designers andere glücklich zu machen und das macht mich dann auch selbst glücklich. Meine Mutter war Krankenschwester und ich glaube, deshalb bin ich Designer geworden. Um mich um andere zu kümmern.“ Ähnlich antwortet Landsmann Felix Godard, der seine Erfahrungen im Automobildesign nun für futuristische Möbel einsetzt. „Menschen zu inspirieren. Wenn Menschen von einem meiner Designs inspiriert sind, und daraufhin vielleicht selbst einen Stift in die Hand nehmen – das macht mich glücklich“, betont er.
Der spanische Designer Jaime Hayon sieht sein Lebensglück in einer Philosophie des Ausgleichs: „Glück bedeutet für mich, jeden Tag mit einem Gefühl der Aufregung zu leben. Dieses andauernde Gefühl, dass ich mit großem Enthusiasmus etwas in dieser Welt verändern kann. Dabei habe ich immer auf eine gewisse Balance geachtet, zwischen Arbeit und Freizeit. Meine Lebensphilosophie ist Achtsamkeit. Also zu sagen, jetzt ist ein guter Moment, um zu arbeiten, jetzt ist ein guter Moment, um zu entspannen, jetzt ist ein guter Moment, um mit der Familie zu sein, um Urlaub zu machen. Ich glaube, dieser Ausgleich ist mir immer sehr gut gelungen. Ich arbeite im Design nun schon 30 Jahre lang und es wird immer aufregender. Die Leute reden von Burn-out und so. Ich kenne das nicht. Ich fühle mich jünger als vor 20 Jahren. Und zwar deshalb, weil ich es genieße. Es ist ein Genuss mit Menschen zu arbeiten, die man mag.“
Yves Béhar (Fuseproject) ist bekannt für seine stets fortschrittlichen Gedanken und Umsetzungen im Industriedesign. Die kontinuierliche Beschäftigung mit modernster Technologie hat ihn den Kern der kreativen Arbeit nicht vergessen lassen: „Was mich glücklich macht, ist zu beobachten, wie Ideen Realität werden. Es gibt da eine bestimmte Kraft und ein enormes Maß an Befriedigung, wenn man sagt, wir haben hier diese kleine Idee, lasst uns versuchen, sie umzusetzen. Nach Monaten der Arbeit und vieler Verbesserungen wird daraus etwas. Das ist die Kraft des menschlichen Geistes, der menschlichen Kreativität und des menschlichen Optimismus – alles Dinge, die man in einem digitalen Werkzeug nicht finden kann. Neue Ideen kommen nicht von digitalen Tools. Man kann sie mit ihnen verfeinern und variieren, aber wenn es um die pure Kreativität geht – dann ist das die alleinige Kraft des Menschen.“