Der Event 3daysofdesign in Kopenhagen erfreut sich zunehmender Beliebtheit. 2025 waren über 500 Marken und Designer in den acht „Designbezirken“ der dänischen Hauptstadt vertreten. In Showrooms, Shops, Galerien und an vielen anderen Orten stießen Design-Aficionados auf die neuesten Möbel bekannter skandinavischer Unternehmen, aber auch auf Kreationen, für die Nachwuchsdesigner und junge Marken verantwortlich zeichnen. Den großen Erfolg verdankt 3daysofdesign zu einem nicht unerheblichen Teil dem Juni-Termin: Angenehme Temperaturen, entspannte Atmosphäre, freundliche Menschen. Das sind die großen Pluspunkte der Veranstaltung im Hinblick auf die Rahmenbedingungen.
Neben den Neuheiten in den vielfach eigens für den Event gestalteten Schauräumen, waren es vor allem die kuratierten Ausstellungen, die für qualitätsvolles Programm sorgten. So stellten etwa die Organisatoren von „Meet Me Here“ im Danish Architecture Center die Frage: Ist die physische Präsenz im digitalen Zeitalter ein Luxus? In Kooperation mit dem Studio Spacon, erinnerte die Schau an die Bedeutung von physischer Gegenwart und erforschte die Rollen von Architektur und Design, in der Schaffung von Räumen, die genau solche direkten Sinneserfahrungen unterstützen.

Zukunft des Designs
Die Ausstellung „Design / Dialogue“ von Ark Journal hatte sich nichts weniger vorgenommen, als die Zukunft von Design darzustellen. Mit der zweiten Ausgabe setzte diese Initiative ihre Mission fort, neue Perspektiven im Design zu fördern – in den Disziplinen Handwerk, Objektdesign, Innenarchitektur und dekorative Kunst. „Design / Dialogue“ geht über das Konzept einer traditionellen Ausstellung hinaus und bietet eine inspirierende Reise durch visionäres Design und künstlerischen Ausdruck in einem wunderschön kuratierten Raum“, betonte Mette Barfod, Chefredakteurin von Ark Journal. Um das Thema „Design in Motion“ ging es bei der Ausstellung „Proof of Concept“. Ebenfalls keine gewöhnliche Schau, sondern eine Untersuchung wie Materialien, Techniken und Handwerk die emotionalen sowie physischen Beziehungen prägen, die wir zu den Objekten um uns herum aufbauen. Die Ausstellung wurde erstmals 2024 beim London Design Festival gezeigt. Mit dabei das dänische Studio Juhl & Lange mit „Droop“, einer minimalistischen Leuchtenserie, die die Balance aus strenger Struktur und sanfter Form erforscht.

Dinesen, Dänemarks führender Hersteller hochwertiger Holzböden, zeigte die Sonderausstellung „House of ORBI“. Darin wurden die Ideen, Arbeiten und Ziele von ORBI, einem von Dinesen mitgegründeten Verein für interdisziplinäres Lernen und künstlerisches Entdecken, veranschaulicht. Zu diesem Zweck wurde die Galerie im Showroom des Unternehmens in das House of ORBI umgewandelt und ausgewählte Werke aus den Sommerschulen für Architektur von ORBI ausgestellt. Ein anderer Fixpunkt für viele Besucher der 3daysofdesign war der Kopenhagener Showroom von Fritz Hansen. In diesem Jahr lud das Unternehmen mit „Shaping Lasting Design“ zu einer Hommage seiner 153-jährigen Geschichte aus Handwerkskunst und zeitlosem dänischen Design. Gezeigt wurden sowohl Archivstücke als auch Vorschauen auf kommende Neuheiten. Zudem gab es Live-Demonstrationen. An Beliebtheit kaum zu schlagen war allerdings das Pop-up-Restaurant im Orangeriet im Königlichen Garten unweit des Fritz Hansen-Showrooms. Ebenso traditionsreich ist Carl Hansen & Søn. Im erst kürzlich eröffneten neuen Flagshipstore in Kopenhagen zeigte das Unternehmen Neuheiten und Klassiker. Im Zentrum standen die CH290-Serie von Hans J. Wegner und das Vita-Sofa von Nanna & Jørgen Ditzel. Zur Bedeutung von 3daysofdesign sagte CEO Knud Erik Hansen: „3daysofdesign hat sich für uns zu einem enorm wichtigen Event entwickelt – wahrscheinlich der wichtigste im ganzen Jahr.“
Orte zum Relaxen
Eine der beeindruckendsten Installationen des gesamten Festivals fand sich auf dem Dach von Muuto. Dafür arbeitete das Unternehmen mit Kinda Studios zusammen, um einen Ort zu erschaffen, der unsere Verbindung zur Natur wiederherstellen soll. Deshalb der Titel „Grounded in Nature“. &Tradition bespielte gleich drei Standorte: den eigenen Showroom, das Café Lille Petra sowie das neu eingerichtete Hotel Petra. Der Fokus lag auf Objekten mit Geschichten und Materialien, die mit Würde altern. Unter dem Titel „The Living Archive“ lud die Marke zum Entschleunigen ein, unter anderem in einer Bibliothek und einem Leseraum.
Einen sehr speziellen Ausstellungsort wählte Omer Arbel (Vancouver, Kanada) für das dänische Debüt von „Smiley“, einer Kooperation mit der französischen Architektin und Designerin India Mahdavi – den Kunst und Design-Buchladen „Le Petit Voyeur“. „Smiley“ ist eine spielerische Neuinterpretation der Steckdose. Statt im Hintergrund zu verschwinden, steht sie im Mittelpunkt: eine fluoreszierende gelbe Blende, die jedem Interieur irgendwie Optimismus verleiht. Mit dieser Edition des 22 Systems (eine Innovation Arbels aus 2009) hinterfragen Mahdavi und Arbel die Konventionen des Gebrauchsdesigns. Edward Gubi hingegen hinterfragt die Konventionen der Möbelproduktion. Mit seinem Projekt „Design Preowned“ will der Enkelsohn des Gründers von GUBI vergessene Möbelikonen retten und ihnen ein zweites Leben schenken. Er spürt skandinavische Möbel aus der Mitte des letzten Jahrhunderts auf, die andere übersehen haben: Stühle, Barhocker und Lounger von weniger bekannten Namen wie Henning Kjærnulf und Vagn Fuglsang. Stücke voller Charakter und Handwerkskunst, die oft vernachlässigt oder weggeworfen wurden.

Internationale Bedeutung
Zum Schluss ein weiterer Blick auf die Beteiligung internationaler Marken und Studios, die hauptverantwortlich sind für das rasante Wachstum von 3daysofdesign. So präsentierte das in Montana (USA) ansässige Designstudio / Galerie Emerson Bailey RESIDENCE, eine Ausstellung in einem historischen Apartment in der Nähe der Gärten von Schloss Rosenborg, wo fünf neu gestaltete Räume – Foyer, Arbeitszimmer, Wohnzimmer, Esszimmer und Schlafzimmer – spannende Einrichtungsoptionen eröffneten. Hier fand eine Art Dialog zwischen historischer Resonanz und zeitgenössischer Klarheit statt. Als Teil der Intermezzo-Ausstellung präsentierte die kanadische Beleuchtungsmarke Hollis+Morris ihr neuestes skulpturales Herzstück: den Molecule Chandelier, eine Erkundung von Modularität, Rhythmus und Form. Die deutsche Marke Zeitraum zeigte in Kopenhagen unter anderem den „Pelle Cord“-Stuhl im Design von Lorenz+Kaz. Das Unternehmen lenkt damit – und auch mit einer Variante des SIT-Stuhls (Design: Catharina Lorenz 2004 / 2025) – die Aufmerksamkeit auf das Thema Korbgeflecht. Eine traditionelle Polsteralternative, die sich im Stuhlbau lange bewährt hat und jetzt wiederentdeckt wird. Zum zweiten Mal in Folge nahm Brokis an 3daysofdesign teil. Die tschechische Beleuchtungsmarke war in die FRAMING-Ausstellung eingebunden und präsentierte eine Installation mit Comet-Leuchten in Rot und Transparent. Diese Farbvariante wurde 2024 von Simona Sbordone entworfen und erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Des Weiteren war die Under Pressure-Kollektion von Boris Klimek und Lenka Damová zu sehen sowie die Bonbori-Kollektion von Fumie Shibata und Kreationen der Brokis-Art-Direktorin Lucie Koldova.
Last but not least reiste das Frankfurter Design Studio Jonathan Radetz nach Kopenhagen und zeigte in Kooperation mit der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC 2026) die Ausstellung „Shifting Objects – Shifting Values“. Die von Radetz kuratierte Schau brachte deutsche und dänische Designer sowie Handwerker in einen länderübergreifenden Dialog – ein zentrales Thema der WDC 2026. „Shifting Objects – Shifting Values“ bildet den Auftakt der zweiteiligen Ausstellungsreihe, die 2026 in Frankfurt am Main im Rahmen des einjährigen Programms der WDC 2026 fortgesetzt wird.
