Home DesignRising Talent Awards 2026: Südafrikas neue Designgeneration in Paris

Rising Talent Awards 2026: Südafrikas neue Designgeneration in Paris

von Markus Schraml
Werke von Simphiwe Mlambo waren Teil der Ausstellung Rising Talent Awards 2026 in Paris. Foto © Anne-Emmanuelle Thion

Während die Paris Design Week noch bis 19. September die französische Hauptstadt bespielt, richtete Maison&Objet den Blick auf eine Designszene, die international zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Rising Talent Awards 2026 waren Südafrika gewidmet. Sieben Designschaffende und Studios präsentierten vom 10. bis 14. September im Design District von Maison&Objet Pulse ihre Arbeiten – ausgewählt von einer Jury mit Vertretern der südafrikanischen Designszene und in Kooperation mit Decorex Africa.

Im Mittelpunkt stand die Verbindung von kulturellem Erbe, handwerklichem Wissen und zeitgenössischen Gestaltungsansätzen. Dabei zeigte sich kein einheitlicher „südafrikanischer Stil“. Vielmehr trafen unterschiedliche regionale und persönliche Erfahrungen auf neue Formen der Möbel-, Leuchten- und Objektgestaltung. Jury-Mitglied Gareth Pearson sieht darin dennoch eine Gemeinsamkeit. Die ausgewählten Kreativen verbänden „zeitgenössisches Design und handwerkliche Fertigung auf jeweils unverwechselbare Weise“.

Zwischen Handwerk und kultureller Identität

Ashleigh Lloyd arbeitet mit ihrem Kapstädter Studio Lloyd an der Grenze zwischen Design und Kunsthandwerk. Charakteristisch sind großformatige Leuchten aus geflochtenen und gehäkelten Seilen. Traditionelle Techniken werden dabei zu raumgreifenden Lichtobjekten. „Unser Ansatz interpretiert traditionelles Handwerk in einer zeitgenössischen Sprache neu“, erklärt Lloyd. Die Langsamkeit der Herstellung versteht sie zugleich als Gegenentwurf zu schnell produzierten Konsumgütern.

Oageng Manana und Tshegofatso Ramothibe vom Johannesburger Meetlo Studio verbinden dagegen zurückhaltende Farben und vorwiegend Holz mit kulturellen Referenzen und Einflüssen aus der Natur. Rund 80 Prozent ihrer Produktion entstehen aus Holz. Südafrikanisches Design habe heute eine „zunehmend eigenständige und selbstsichere Stimme“, erklären sie. Klima, Landschaft und natürliche Bedingungen würden dabei unmittelbar auf die Gestaltung einwirken.

Stärker narrativ arbeitet Simphiwe Mlambo. Der in Kapstadt tätige Designer entwickelte für seinen ersten Auftritt in Paris eine neue Kollektion aus Wandobjekt, Bodenleuchten und einer von einem Webstuhl inspirierten Bank. Ausgangspunkt waren Webtechniken und traditionelles Handwerk. Seine Objekte entstehen, wie er sagt, aus „Erfahrungen und überlieferten Erzählungen“, die er in zeitgenössische Formen überführt.

Simphiwe Mlambo entwickelte für seinen ersten Auftritt in Paris eine völlig neue Kollektion. Foto © Francis Amiand

Von Bewegung bis Ndebele-Muster

Eine andere Formensprache verfolgt Tanisha Neill mit N I S H. Ihre frühere Ausbildung in klassischem Ballett und zeitgenössischem Tanz prägt den Umgang mit Proportion, Bewegung und Raum. Im Design sucht sie eine Balance zwischen technischer Disziplin und persönlichem Ausdruck. Formen entwickeln sich für sie auf dem Papier „fast wie eine Choreografie“.

Martin Tallie und Zani Alberts von DEFT Studios setzen wiederum auf lokal handgefertigte, langlebige Möbel mit klaren Linien, Rundungen und spielerischen Details. Sie positionieren sich ausdrücklich gegen „Fast Furniture“. Nicht leichte Verkäuflichkeit, sondern emotionale Dauerhaftigkeit sei das Ziel. Jedes Stück solle „ein Erbstück sein, das an künftige Generationen weitergegeben wird“.

Deutlich expressiver fällt die Arbeit von Siyanda Mbele und seinem Label Pinda Interior Design aus. Geometrische Formen, kräftige Farben und Muster der Ndebele-Kultur verbinden sich mit zeitgenössischer Möbelgestaltung. „Ich gestalte, indem ich erzähle, wer ich bin und woher ich komme“, beschreibt Mbele seinen Ansatz.

Siyanda Mbele (Pinda Interior Design) verbindet geometrische Formen, kräftige Farben und Muster der Ndebele-Kultur. Foto © Anne-Emmanuelle Thion

Ergänzt wurde die Auswahl durch die Keramikerin Karlien van Rooyen, Gewinnerin des Rising Talent Craft Award. Die ehemalige Umweltaktivistin versteht ihre handgeformten Arbeiten als materielle Reflexion über die südafrikanische Landschaft. Naturbeobachtung, wissenschaftliche Kenntnisse der Glasurchemie und keramisches Experiment greifen dabei ineinander.

Diese Beispiele südafrikanischen Designs zeigen vor allem eine Gemeinsamkeit: Handwerk erscheint nicht als nostalgischer Rückgriff, sondern als Ausgangspunkt für neue Gestaltung. Unterschiede liegen in der Übersetzung – vom monumentalen Geflecht bei Studio Lloyd über die reduzierte Formensprache von DEFT und N I S H bis zur kulturellen Symbolik bei Pinda Interior Design. Auffällig sind zudem die starke Materialorientierung, der Bezug zu Landschaft und Herkunft sowie der Anspruch, lokale Identität nicht folkloristisch abzubilden, sondern in eine international verständliche zeitgenössische Designsprache zu übertragen.


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