Home Design-TickerDer Design-Ticker | 11. August 2026

Der Design-Ticker | 11. August 2026

von redaktion

In der heutigen Ausgabe des Design-Ticker zeigt sich ein gemeinsames Interesse an Gestaltung als Prozess statt als fertiges Produkt. Tilda Swinton und Saillard machen Kleidung zur Performance, eine historische Textilfabrik wird durch Weiterverwendung ihrer Bestandteile neu interpretiert und Arakawa und Gins stellen sogar die Grundannahmen komfortabler Architektur infrage. Ergänzt wird dieses Spektrum durch die sehr praktische Perspektive von Core77: Auch im digitalen Entwurf entscheidet sich bereits, ob ein Produkt später tatsächlich sinnvoll hergestellt werden kann.

Wallpaper* – Tilda Swinton und Olivier Saillard machen Mode zur lebendigen Ausstellung

Seit 14 Jahren entwickeln Tilda Swinton und der Modehistoriker Olivier Saillard gemeinsam Performances, die zwischen Theater, Installation und Museumsausstellung angesiedelt sind. Ihre sogenannten „Living Exhibitions“ stellen Kleidung nicht als statisches Ausstellungsobjekt, sondern als Träger von Erinnerungen, Identität und persönlichen Geschichten in den Mittelpunkt. In „The Biographical Wardrobe“ etwa wird Swintons eigener Kleiderschrank zur Bühne für biografische Erzählungen. Für beide ist Kleidung dabei etwas zutiefst Persönliches: Sie bewahrt Spuren von Menschen und vergangenen Momenten und kann dadurch zu einem Medium für Zeit und Erinnerung werden. (Quelle: Wallpaper*, https://www.wallpaper.com/art/tilda-swinton-olivier-saillard-living-exhibitions)

designboom – Ein unbequemes Haus soll das Leben verlängern

Designboom stellt ein ungewöhnliches Wohnprojekt vor, das auf den Ideen des japanischen Künstler- und Architektenpaares Arakawa und Madeline Gins basiert. Die bewusst unbequeme Architektur soll ihre Bewohner dazu bringen, den eigenen Körper und die unmittelbare Umgebung ständig neu wahrzunehmen. Unregelmäßige Böden, überraschende Raumhöhen und ungewöhnliche Übergänge stellen alltägliche Bewegungsabläufe infrage. Dahinter steht die radikale Vorstellung, dass Architektur nicht bloß Schutz und Komfort bieten, sondern durch körperliche Herausforderung sogar zur Verlängerung des Lebens beitragen kann. (Quelle: designboom, https://www.designboom.com/architecture/uncomfortable-home-extend-life-arakawa-gins-site-reversible-destiny/)

Frame – Eine Textilfabrik schreibt ihre Geschichte weiter

Frame berichtet über die Renovierung einer Fabrik mit jahrhundertealter Textiltradition. Statt die industrielle Vergangenheit hinter einer neuen Gestaltung verschwinden zu lassen, setzt das Projekt auf einen zirkulären Umgang mit dem Bestand. Vorhandene Materialien und Strukturen werden weiterverwendet und mit neuen Elementen kombiniert. So entsteht eine Arbeitsumgebung, die die Geschichte des Unternehmens sichtbar hält und gleichzeitig zeitgemäße Anforderungen an Büroarbeit und Aufenthaltsqualität erfüllt. (Quelle: Frame, https://frameweb.com/article/work/a-centuries-deep-textile-history-is-celebrated-with-this-factorys-circular-office-renovation)

Dezeen – Was kanadisches Design mit 24 Sussex zu tun hat

Dezeen veröffentlicht eine Stellungnahme des kanadischen Designers Thom Fougere zur Zukunft von 24 Sussex Drive, der offiziellen Residenz des kanadischen Premierministers. Fougere plädiert für einen Umgang mit dem Gebäude, der kanadisches Design und lokale Handwerkstraditionen stärker berücksichtigt. Statt historische Architektur lediglich zu konservieren oder ein repräsentatives Interieur nach internationalen Vorbildern zu schaffen, könne die Residenz zu einem Schaufenster kanadischer Gestaltung werden. Damit verbindet sich die Restaurierung des politisch bedeutenden Hauses mit einer grundsätzlichen Debatte über nationale Designidentität. (Quelle: Dezeen, https://www.dezeen.com/2026/08/11/canadian-design-thom-fougere-24-sussex-opinion/)

Core77 – Fünf typische Fehler beim CNC-Fräsen

Core77 zeigt, welche Konstruktionsfehler bei CNC-gefertigten Produkten besonders häufig zu Problemen in der Produktion führen. Dazu gehören zu enge Innenradien, unnötig enge Toleranzen, zu dünne Wände und tiefe Kavitäten sowie schlecht zugängliche Bearbeitungsflächen. Auch zu tief ausgelegte Gewinde in Sacklöchern können unnötige Kosten und Produktionsprobleme verursachen. Der Beitrag macht deutlich, dass Design for Manufacturing bereits im CAD-Modell beginnen sollte: Was auf dem Bildschirm funktioniert, muss noch lange nicht wirtschaftlich oder technisch sinnvoll produzierbar sein. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/144950/5-CNC-Machining-Pitfalls-Industrial-Designers-Make-And-How-to-Avoid-Them-in-CAD)

Domus – Farbe als architektonisches Gestaltungsmittel

Domus präsentiert eine Auswahl farbenfroher Interieurs, in denen Farbe weit über eine dekorative Funktion hinausgeht. Kräftige Farbtöne strukturieren Räume, schaffen unterschiedliche Atmosphären und können sogar die Wahrnehmung von Proportionen und Raumfolgen verändern. Die Beispiele zeigen, wie Farbe gemeinsam mit Licht, Material und Möblierung zu einem eigenständigen architektonischen Werkzeug wird. Statt neutraler Zurückhaltung steht dabei die expressive Wirkung gezielt eingesetzter Farbkonzepte im Mittelpunkt. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/interiors/2026/07/29/colorful-interiors-domus-selection.html)


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