Die heutige Auswahl dreht sich auffallend stark um Funktion und die Frage, wie weit Gestaltung sie verändern oder erweitern kann. Eine Trinkflasche wird zum hochentwickelten Luxusobjekt, ein beschädigtes Offroad-Fahrzeug durch radikale Improvisation wieder fahrfähig und bei Rick Tegelaar führt das Experiment mit unscheinbaren Materialien zu völlig neuen Produkten. Am weitesten treibt diesen Gedanken die Weltraumarchitektur: Auf Mond oder Mars genügt es nicht mehr, dass ein Haus Schutz bietet – es muss zum kompletten Lebenserhaltungssystem werden. Selbst das Wohnhaus von Tato Architects hinterfragt mit der Verbindung von Leben und Arbeiten die traditionelle Vorstellung davon, welche Aufgaben ein Zuhause eigentlich erfüllen soll.
Domus – Acht Jahre Entwicklung für eine 350-Dollar-Trinkflasche
Domus stellt die Okapa vor, eine Luxus-Trinkflasche des Schweizer Designers Hardy Steinmann, deren Entwicklung acht Jahre dauerte. Steinmann überträgt dabei Prinzipien aus Uhren- und Präzisionsdesign auf einen denkbar alltäglichen Gegenstand. Hochwertige Materialien, aufwendige Fertigung und ein bis ins Detail entwickelter Verschluss sollen den Preis von 350 Dollar rechtfertigen. Das Projekt wirft damit auch eine interessante Designfrage auf: Wie weit lässt sich ein funktional längst gelöstes Alltagsprodukt durch Material, Konstruktion und handwerklichen Anspruch noch weiterentwickeln? (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/design/gallery/2026/09/03/okapa-350-dollar-luxury-bottle-hardy-steinmann.html)
Wallpaper* – Paul Smith und Barbour auf Highland-Tour
Für ihre dritte gemeinsame Kollektion blicken Paul Smith und Barbour nach Schottland und lassen sich von den traditionellen Highland Games inspirieren. Im Zentrum der 38-teiligen Kollektion stehen zwei klassische Barbour-Tartans, die Smith mit Pink, Orange und Gelb neu interpretiert. Bekannte Stücke wie die Beaufort Jacket erscheinen in Merinowolle oder Cord, hinzu kommen spielerische Motive, Stickereien und überraschende Farbakzente. Britische Outdoor-Tradition trifft damit auf Paul Smiths charakteristische Mischung aus klassischer Herrenmode und Humor (Quelle: Wallpaper*, https://www.wallpaper.com/fashion-beauty/paul-smith-barbour-collaboration-aw-2026)
designboom – Wenn das Haus selbst zur Lebenserhaltung wird
designboom untersucht, wie sich die Bedeutung des Wohnens verändert, wenn Menschen dauerhaft auf Mond oder Mars leben sollen. Projekte wie Mars Dune Alpha von BIG und ICON, das LUNARK-Habitat von SAGA Space Architects oder das MELiSSA-System der ESA zeigen, dass ein außerirdisches Zuhause zugleich Kraftwerk, Wasseraufbereitung, Recyclinganlage, Werkstatt und psychologischer Rückzugsraum sein muss. Privatsphäre, künstliches Tageslicht, Reparierbarkeit und geschlossene Ressourcenzyklen werden dabei ebenso wichtig wie Schutz vor der lebensfeindlichen Umgebung. Das Weltraumhaus wird so zu einer weitgehend autarken Infrastruktur – mit durchaus interessanten Lehren für das Bauen auf der Erde. (Quelle: designboom, https://www.designboom.com/architecture/home-becomes-life-support-habitats-mars-moon-big-icon-saga-nasa/)
Core77 – Mit drei Rädern durchs Offroad-Rennen
Core77 zeigt ein bemerkenswertes Beispiel improvisierter Ingenieurskunst beim Baja-Mongolia-Offroad-Rennen. Nachdem an einem UTV des Teams GTHub aus Ulaanbaatar die linke vordere Radaufhängung vollständig zerstört worden war, improvisierte das Team mit zwei Baumstämmen sowie dem beschädigten Rad und dem Ersatzreifen als Gegengewichten. Dadurch ließ sich das Fahrzeug trotz fehlenden Vorderrads weiterbewegen. Kein klassisches Produktdesign, aber ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie technisches Verständnis, Improvisation und einfachste verfügbare Materialien unter extremen Bedingungen eine funktionierende Lösung hervorbringen können. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/145264/Clever-Improvisation-How-to-Keep-Your-Car-Going-on-Just-Three-Wheels)
Design Milk – Rick Tegelaar beginnt beim Material
Design Milk porträtiert den niederländischen Designer Rick Tegelaar, dessen Entwurfsprozess nicht mit der Form, sondern mit Material und Herstellung beginnt. Für seinen bekannten Meshmatics Chandelier entwickelte er beispielsweise eigene Werkzeuge und eine Maschine, mit denen sich gewöhnliches Drahtgewebe kontrolliert in präzise dreidimensionale Formen bringen lässt. Auch das modulare Lichtsystem Tabby entstand aus Materialexperimenten: Sperrholz, Draht und LEDs werden zu einer überdimensionierten gewebten Struktur. Tegelaars Arbeiten zeigen, wie aus handwerklichem Experimentieren neue industrielle Verfahren und schließlich eigenständige Designobjekte entstehen können. (Quelle: Design Milk, https://design-milk.com/rick-tegelaar-designer-meshmatics-tabby/)
Dezeen – Wohnen und Arbeiten unter einem Dach in Kyoto
Dezeen stellt ein Haus mit integriertem Studio von Tato Architects in Kyoto vor. Statt Wohnen und Arbeiten klar voneinander zu trennen, entwickelt das japanische Büro eine Architektur, in der beide Bereiche räumlich miteinander verbunden sind. Unterschiedliche Ebenen und Raumfolgen schaffen dennoch Zonen mit eigener Atmosphäre und ermöglichen den Wechsel zwischen Privatleben und Arbeit innerhalb eines kompakten Gebäudes. Das Projekt greift damit eine zunehmend aktuelle Wohnform auf: das Haus nicht mehr nur als privaten Rückzugsort, sondern zugleich als produktiven Arbeitsraum zu verstehen. (Quelle: Dezeen, https://www.dezeen.com/2026/09/04/tato-architects-house-studio-kyoto/)