Home AwardEuropean Prize for Urban Public Space 2026: die fünf Finalisten

European Prize for Urban Public Space 2026: die fünf Finalisten

von Markus Schraml
Der Zuidpark in Antwerpen. © Isabelle Pateer

Öffentlicher Raum ist längst mehr als die Fläche zwischen Gebäuden. Angesichts immer dichterer Städte und steigender Temperaturen gewinnen Parks, Plätze und Grünverbindungen zunehmend an Bedeutung. Sie sollen Aufenthaltsqualität schaffen, Regenwasser aufnehmen, Lebensräume für Pflanzen und Tiere bieten und zugleich Menschen zusammenbringen. Wie unterschiedlich solche Aufgaben gelöst werden können, zeigen die fünf Finalisten des European Prize for Urban Public Space 2026. Aus 381 Einreichungen aus 38 Ländern wählte die internationale Jury Projekte in Antwerpen, Barcelona, Logroño, Matosinhos und Vicenza aus.

Vom Parkplatz zum Stadtpark

In Antwerpen verwandelten Tractebel, atelier adr und Georges Descombes die ehemaligen Zuiderdokken in den Zuidpark. Wo jahrzehntelang eine asphaltierte Parkplatzfläche Hitze speicherte und Regenwasser kaum versickern konnte, entstand ein Park mit Wiesen, Sportflächen, Plätzen und einem linearen Wassergarten. Neue Vegetation und entsiegelte Böden übernehmen einen Teil des Regenwassermanagements. Wiederverwendete Steine der alten Hafenbecken erinnern an die Geschichte des Ortes.

Noch größer ist der Eingriff an der Plaça de les Glòries in Barcelona. Der einst vom Straßenverkehr dominierte Knotenpunkt wurde grundlegend neu geordnet. Der Autoverkehr verschwand weitgehend unter die Erde, darüber entstanden 14 Hektar öffentlicher Raum. Fruchtbarer Boden, durchgängige Fußwege, dichter Baumbestand und Regengärten verbinden zuvor voneinander getrennte Stadtviertel.

Vom Kreisverkehr zum Flusskorridor

Dass urbane Transformation auch auf 205 Quadratmetern möglich ist, demonstrierte Leopold Banchini in Logroño. Für die Public Baths on the Roundabout wurde der Brunnen eines Kreisverkehrs vorübergehend zum öffentlichen Bad. Wiederverwendbare Holzelemente bildeten geschützte Umkleide-, Dampf- und Kaltwasserbereiche. Die nur wenige Tage bestehende Installation zeigte, welches Potenzial selbst scheinbar verlorene Verkehrsflächen besitzen.

Ganz andere Dimensionen erreicht der Leça River Green Corridor in Matosinhos. Auf 48 Kilometern wird eine von Industrie, Straßen und Siedlungen belastete Flusslandschaft ökologisch aufgewertet. Pflanzen reinigen Böden und Wasser, heimische Vegetation stabilisiert die Ufer. Ein vier Meter breiter Fuß- und Radweg samt neuer Brücken verbindet Orte mit dem öffentlichen Verkehr und macht den Fluss wieder zum alltäglich genutzten Landschaftsraum.

In Vicenza wiederum wurde ein ehemaliger Flughafen zum 65 Hektar großen Park of Peace. Kanäle, Seen und Feuchtgebiete bilden ein Rückhaltesystem für bis zu 100.000 Kubikmeter Wasser. Auwald und 62.000 Wasserpflanzen fördern die Biodiversität, während acht Kilometer Wege sowie umgenutzte Flughafengebäude Raum für Freizeit, Kultur und Bildung schaffen.

Einst Flughafen – heute riesiges Retentionsbecken und Naherholungsgebiet in Vicenza. © Martí Franch Batllori

Die Finalisten verbindet vor allem der Versuch, versiegelte, verkehrsgeprägte oder ökologisch beschädigte Räume zurückzugewinnen. Grün ist dabei nicht Dekoration, sondern Infrastruktur für Wasser, Kühlung und Biodiversität. Bemerkenswert sind jedoch die unterschiedlichen Maßstäbe: vom temporären Bad im Kreisverkehr bis zum 48 Kilometer langen Landschaftskorridor. Der öffentliche Raum wird damit weniger als fertiges Stadtbild verstanden denn als leistungsfähiges ökologisches und soziales System.


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