Wie lässt sich bestehende Architektur erneuern, ohne ihre Identität zu verlieren? Dieser Frage widmet sich die 47. Folge der „Architects Series“. Die vom Architekturmagazin The Plan und der Iris Ceramica Group produzierte Dokumentarreihe porträtiert international tätige Architekturbüros. Die aktuelle Episode stellt das dänische Büro Schmidt Hammer Lassen anhand von sieben Projekten vor.
Architektur als offener Rahmen
Schmidt Hammer Lassen versteht Gestaltung als einen Akt der Großzügigkeit. Gebäude sollen nicht nur ihre Funktion erfüllen, sondern auch der Stadt und ihren Bewohnern etwas zurückgeben. Diese als „demokratische Architektur“ bezeichnete Herangehensweise entstand Ende der 1980er-Jahre in Dänemark. Zugänglichkeit, Transparenz und gesellschaftliche Verantwortung sind dabei die wichtigsten Grundsätze.
Flexible Strukturen sollen sich an veränderte Nutzungen anpassen. Architektur bildet einen offenen Rahmen und kein endgültiges Resultat. Licht, Blickbeziehungen und Zwischenräume fördern Begegnungen. Vorhandene Qualitäten werden aufgegriffen, statt einem Ort eine neue Formensprache aufzuzwingen.
Zwei Wege im Umgang mit dem Bestand
Wie unterschiedlich diese Haltung umgesetzt wurde, zeigt einerseits die Renovierung der Dänischen Nationalbank. Das rund 50.000 m² große, denkmalgeschützte Gebäude von Arne Jacobsen wurde weitgehend bis auf die Betonstruktur zurückgebaut. Haustechnik und Hülle entsprachen nach 50 Jahren nicht mehr den heutigen Anforderungen, besonders bei der Energieeffizienz. Für die Fassade kamen Natursteine aus demselben Steinbruch wie beim Original zum Einsatz. Der Eingriff sollte am fertigen Bau kaum sichtbar sein. Jacobsens Architektur blieb also bestimmend, während das Gebäude technisch erneuert wurde.
Beim Pakhus 47 im Kopenhagener Nordhavn wählte das Büro eine andere Strategie. Der ehemalige Hafenspeicher wurde mit möglichst wenigen Eingriffen zum Bürogebäude umgenutzt, sein industrieller Charakter bleibt ablesbar. Ein zentrales Atrium brachte Tageslicht in den tiefen Grundriss und schuf einen Treffpunkt. Zudem wurde eine öffentlich zugängliche Passage integriert, die Fußgängern eine Abkürzung durch das Gebäude ermöglichte. Die robuste Bestandsstruktur bildete die Grundlage einer Transformation, die spätere Veränderungen zulässt.
Die Gegenüberstellung macht diese Episode der Architects Series aufschlussreich: Bestandserhalt erscheint nicht als festgelegte Methode, sondern als Abwägung zwischen architektonischer Identität, neuer Nutzung und künftiger Anpassungsfähigkeit.