Home ArchitectureAbdelwahed El-Wakil: Architekt des islamischen Erbes

Abdelwahed El-Wakil: Architekt des islamischen Erbes

von Markus Schraml
Screenshot aus einer Dokumentation über Abdelwahed El Wakil aus dem Jahr 2022 von Caravane Earth. © Caravane Earth

Der ägyptische Architekt Abdelwahed El-Wakil gehört zu den prägendsten Vertretern zeitgenössischer islamischer Architektur. Für sein Lebenswerk wurde er 2025 mit dem Tamayouz Lifetime Achievement Award beim ersten Arab Architecture Festival in Bagdad ausgezeichnet. Der Preis würdigt sein jahrzehntelanges Schaffen. El-Wakil hat traditionelle Bauformen neu belebt, das kulturelle Erbe in moderne Kontexte übertragen und die Architekturpraxis in der arabischen Welt nachhaltig beeinflusst.

Die Macher von Caravane Earth haben in diesem Film Leben und Werk von El-Wakil hervorragend eingefangen.

Frühe Jahre und Ausbildung

Geboren 1943 in Kairo, begann El-Wakil seine Ausbildung an britischen Schulen, bevor er 1965 sein Architekturstudium an der Ain Shams University mit Auszeichnung abschloss. In dieser Phase war er stark vom europäischen Modernismus geprägt, doch eine Begegnung mit dem renommierten ägyptischen Architekten Hassan Fathy veränderte seinen Weg grundlegend. Fathy setzte auf lokale Traditionen, klimatische Gestaltungen und den Einsatz regionaler Materialien – Prinzipien, die El-Wakil fortan in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte. Unter Fathys Anleitung erlernte er Techniken wie den Bau von Tonziegelgewölben und Kuppeln, die tief in der Ästhetik islamischer Bautraditionen verwurzelt sind. Diese Hinwendung zur traditionellen Architektur führte zu einem gesellschaftlich-kulturellen Konflikt mit dem Modernismus. Er gab seine Lehrtätigkeit an der Universität auf.

Halawa House: Wendepunkt der Karriere

Sein erstes herausragendes Werk war das Halawa House in Agami an der ägyptischen Mittelmeerküste. Das private Sommerhaus verband klimatische Anpassung, traditionelle Formensprache und soziale Funktionalität: Ein Innenhof lenkte die Meeresbrise in die Räume, geschwungene Kuppeln und Gewölbe regulierten Temperatur und Luftzirkulation, Mashrabiyas filterten das Licht. Lokale Handwerker führten den Bau aus, wodurch traditionelles Wissen erhalten blieb. Für dieses Projekt, das 1975 fertiggestellt wurde, erhielt El-Wakil 1980 seinen ersten Aga Khan Award for Architecture, ein Meilenstein, der seine Karriere entscheidend prägte.

Moscheen in Saudi-Arabien: Tradition neu belebt

Mit dem Ölboom der 1970er-Jahre verlegte er seinen Wirkungskreis nach Saudi-Arabien, wo er mehr als fünfzehn Moscheen in Djeddah und Medina errichtete. Besonders die King Saud Moschee gilt als Meisterwerk: Aufwändig gebaute Kuppeln, Gewölbe und die mutige Verwendung von Ziegeln demonstrierten, dass traditionelle Bautechniken – insbesondere die Ziegelbauweise ohne Stahlbeton – modernen Anforderungen standhalten können. Mit Unterstützung lokaler Behörden bewahrte El-Wakil alte Handwerkskunst, während er gleichzeitig den urbanen und kulturellen Charakter der Städte prägte. „Die Anerkennung von Abdelwahed El-Wakil würdigt seine herausragenden Beiträge zur Architektur, seine Forschung und seine Mentorschaft für kommende Generationen“, betonte Ahmed Al-Mallak, Gründungsdirektor des Tamayouz Awards.

Internationales Wirken

Auch international war El-Wakil tätig, wenn auch in geringerem Umfang. In Johannesburg und Brunei entwarf er Moscheen, die lokale Traditionen mit seiner charakteristischen, zeitgemäßen Interpretation islamischer Architektur verbinden. Das Oxford Centre for Islamic Studies in Großbritannien zeigt El-Wakils Fähigkeit, kulturelle Identität, spirituellen Anspruch und architektonische Exzellenz über Kontinente hinweg zu vereinen.

Auszeichnungen und Einfluss

El-Wakil erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter zwei Aga Khan Awards (was ihn zum einzigen Architekten macht, dem dies gelang), den Richard H. Driehaus Prize for Classical Architecture (2009) und den Arthur Ross Award for Excellence in the Classical Tradition (2024). Sein Werk steht für eine Brücke zwischen Tradition und Moderne, zwischen regionalem Erbe und globaler Architekturdiskussion. Es zeigt, dass kulturell fundiertes, handwerklich durchdachtes Bauen nicht nostalgisch, sondern zukunftsweisend sein kann.

Selbst in hohem Alter arbeitet Abdelwahed El-Wakil weiterhin an Projekten im Nahen Osten und darüber hinaus. Seine Architektur ist nach wie vor ein Symbol für die Verbindung von kultureller Verwurzelung, nachhaltigem Bauen und zeitloser Schönheit, ein Erbe, das Architekturschaffende weltweit inspiriert.


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