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Ansteckungswahrscheinlichkeit über Oberflächen minimal

von Markus Schraml

In Fragen der Hauptinfektionswege des SARS-CoV-2 Virus sind sich Wissenschaftler*innen darüber einig, dass dies hauptsächlich über den direkten Kontakt zwischen Menschen passiert. Über Husten, Niesen, Singen oder Sprechen überträgt sich das Virus via Tröpfchen auf andere Personen. Unsicher waren sich Forscher*innen darüber, welche Bedeutung die sogenannte Schmierinfektion hat, also dem Ansteckungsweg von Oberflächen über Händen zu Mund/Nase/Augen. Zwar wurde das Risiko von Anfang an gering eingestuft und die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC schrieb Anfang Juli, dass eine Ansteckung zwar möglich sei, dass dies aber keinesfalls der Hauptansteckungsweg sei. Vor wenigen Tagen veröffentlichte der San Francisco Chronicle einen Artikel mit dem Titel „Das Oberflächenproblem ist im Wesentlichen verschwunden“ und zitierte damit Monica Gandhi, Ärztin für Infektionskrankheiten an der Universität von Kalifornien. Auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt in einem aktualisierten Papier, dass eine Schmierinfektion nur dann wahrscheinlich sei, wenn eine Person die Oberfläche kurz nachdem der Virus dorthin gelangt sei, berühre und in der Folge mit den Händen Mund, Nase oder Augen berührt. Das BfR betont außerdem, dass ihm bisher keine Infektionen mit SARS-CoV-2 über diesen Übertragungsweg bekannt seien.

Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die das Verweilen des Coronavirus auf Oberflächen getestet haben. Der Zeitraum reicht von einigen Stunden bis zu einigen Tagen – auf Pappe etwa 24 Stunden, auf Kupfer jedoch nur 4 Stunden. Die längste Verweildauer wurde bei Kunststoff und Edelstahl nachgewiesen. Textilien scheinen dabei keine Rolle zu spielen, weil sie in kaum einer Studie berücksichtigt werden. Umso erstaunlicher ist eine Initiative, die der dänische Textilhersteller Kvadrat gestartet hat. In Videos wird dargestellt, wie Textilien richtig zu reinigen sind. Wobei der O-Ton in den Videos darauf abzielt, klarzustellen, dass textile Oberflächen keineswegs Nachteile gegenüber glatten Oberflächen in Bezug auf etwaige Viruslasten hätten. Im Gegenteil. Anscheinend macht sich das Unternehmen Sorgen, dass ihr Kernprodukt in einem falschen Licht dasteht. Die Wissenschaft ist dafür sicher nicht verantwortlich, wohl eher der Dunst der Gerüchteküche.

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