Home Architecture Die Stadtbrache als urbanes Element der Zukunft

Die Stadtbrache als urbanes Element der Zukunft

von redaktion
Superscape 2020

Die vierte Ausgabe des Wettbewerbs Superscape konnte mit 153 Einreichungen die bisher höchste Beteiligung verzeichnen. Das Thema MIXED USE City. Wohnen. Arbeiten und Urbane Produktion sprach die brennendsten Fragen unserer Zeit an. Die Jury (Angelika Fitz, Claudia Nutz, Andreas Rumpfhuber) nominierte sechs Konzepte für die Shortlist, die weiter ausgearbeitet wurden. Als Siegerin ging schließlich Eva Herunter hervor, die sich mit ihrem Projekt „Die anderen Räume“, dem Thema Stadtbrachen zuwandte. Orte, die nach Meinung der jungen Architektin vorerst sich selbst überlassen werden sollten. In der postindustriellen Stadt definiert Herunter die Stadtbrache als urbanes Element der Zukunft.

Das Siegerkonzept „Die anderen Räume“ entwickelt einen Gegenentwurf zum Drang von Stadtplaner*innen und politischen Entscheider*innen nach immer stärkerer Reglementierung und ausgeklügelten urbanen Planungen. Denn die Stadtbrache, diese wilden Zwischenräume hätten großes Potenzial zur ökologischen Reproduktion und steckten voller sozialer Energie als letzte Freiräume, meint Herunter. Ihr geht es um das Nicht-geplante, Nicht-organisierte, das für freie, unvorhergesehene Aneignung Offene. Stadtbrachen bieten die Chance auf neuartige, vielfältige und vor allem sehr lebendige Grünräume. Die Jury schreibt in ihrem Statement: „Mit dem Aufgreifen des Aspekts der dritten Landschaft – im Falle Wiens der sogenannten Gstettn – sowie ihrer Lokalisierung anhand von Beispielen (u. a. in Siebenhirten/ Inzersdorf, Erdberg/Lobau, Floridsdorf) gelingt es, Substanzielles für die Stadt von morgen anzusprechen. Bis 2050 soll, der Vision des Projekts folgend, ein großer zusammenhängender Grünraum, eine wilde Stadtnatur auf ehemaligen Industrie-, Infrastruktur- und Gewerbeflächen entstehen.“ Dabei ist der Entwurf von Eva Herunter nicht ganz so poetisch, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern bietet vielmehr eine realistische, wenn auch radikale Alternative zum derzeit herrschenden Stadtplanungswahn. Außerdem eröffnet er einen gangbaren Weg in die viel beschworene Stadt der Zukunft, in der Menschen, Tiere und Pflanzen gemeinsam Platz finden sollen. Gewinnerin Eva Herunter erhält ein Preisgeld von 10.000 Euro. Die weiteren Teilnehmer*innen der Shortlist erhalten jeweils eine Aufwandsentschädigung von 2.000 Euro.

Seit dieser Ausgabe des Superscape (Innovationspreis für Architektur und Stadtentwicklung) wird der Preis als gemeinsames Projekt des privaten Bauträgers JP Immobilien und des gemeinnützigen Bauträgers WBV-GPA Wohnbauvereinigung für Privatangestellte ausgelobt.


Mehr zum Thema:


Weitere TOP-Artikel

Diese Website verwendet Cookies. Bitte akzeptieren Sie, um fortzufahren. Akzeptieren Informieren