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The Architecture Drawing Prize 2019

Architekturzeichnung lebt! – The Architecture Drawing Prize 2019

Der Preis für die besten Architekturzeichnungen wurde in diesem Jahr zum dritten Mal ausgelobt. Kuratiert von World Architecture Festival, Sir John Soane‘s Museum und Make Architects sowie gesponsert von Hare ehrt dieser Preis sowohl den Einsatz von zeitgemäßen digitalen Werkzeugen als auch die Handzeichnung. Der Gesamtsieger und gleichzeitig Sieger in der Kategorie „Digital“ ist der deutsche Architekt Anton Markus Pasing mit seiner Arbeit „City in a box: paradox memories“. Mit seinem Büro „remote-controlled“ (seit 1994) bewegt sich Pasing an der Grenze zwischen Architektur und bildender Kunst. Vieler seiner Projekte haben spekulativen Charakter und greifen politisch-gesellschaftliche Fragestellungen auf. Die lehrende Tätigkeit nimmt großen Raum ein. Ab dem Jahr 1993 ist Pasing an verschiedenen Universitäten in Österreich, Deutschland und den USA tätig unter anderen in den Bereichen experimentelle Gestaltung und Neue Medien. Seit 2002 ist Pasing Illustrator für die Wochenzeitschrift „Die Zeit“. Die Sieger-Arbeit „City in a box: paradox memories“ präsentiert eine unbekannte Stadt voller Geschichten, die in einer großen Box eingeschlossen ist. Bevor die Box geöffnet wird, ist die Stadt in einem unbestimmten Zustand zwischen Realität und Nicht-Existenz. Pasing: „Ich bevorzuge in meiner Arbeit digitale Methoden, weil mir das erlaubt, sehr komplex zu sein und gleichzeitig die erzählerischen Aspekte klarer zu illustrieren. Ich verfolge mit meinen Bildern nicht das Ziel, Antworten zu liefern, sondern Fragen zu stellen oder einfach Geschichten zu erzählen.“ Juror Narinder Sagoo, Senior Partner bei Foster + Partners kommentiert Pasings Arbeit so: „Die besondere Tiefe, die Komposition, die Reinheit der Symmetrie und die starke Perspektive unterstreichen wirklich die Einfachheit des Begriffs Box.“

Für den diesjährigen Architecture Drawing Prize wurden insgesamt 126 Arbeiten aus 23 Ländern eingereicht. Der Preis wurde in drei Kategorien verliehen: Digital, Hybrid und Handzeichnung. Die beiden anderen Kategorie-Sieger sind Jerome Xin Hao Ng, Student an der Bartlett School of Architecture in London und die deutsche Architektin Anna Heringer. Mit seiner Zeichnung „Metabolist of a Dementia Nation“ gewann Xin Hao Ng die Hybrid-Kategorie. Er stellt eine alternative Vision für den Golden Mile Complex in Singapur dar, einem markanten Wohnblock aus den 1970er Jahren, der möglicherweise abgerissen wird. In Ngs Vision wird das Gebäude gerettet und die bedrohte städtische Infrastruktur Singapurs erhalten. Altem wird genauso Raum gegeben, wie der Entstehung von Neuem.

Anna Heringers Arbeit „Masterplan Rudrapur, Bangladesh” ist keine Zeichnung im klassischen Sinne, sondern eine Stickerei auf einer upgecycelten Sari-Decke. Diese „Zeichnung“ nimmt somit den Ansatz von Heringers Engagement in Bangladesh auf, in dem es um den Einsatz von nachhaltigen heimischen Materialien und traditionellen Techniken geht, und führt den Masterplan als traditionelle Stickerei aus. Damit gewann Heringer die Kategorie „Hand-Drawing”. Übrigens kann die Ausstellung „Kleider machen Orte“ mit „Dipdii Textiles“ aus Bangladesh noch bis zum 5. Januar 2020 in der ifa-Galerie in Stuttgart besichtigt werden. Juror Owen Hopkins, Kurator für Ausstellungen und Ausbildung des Sir John Soane‘s Museums meint dazu: „Anna Heringers Arbeit zeigt, dass das Wort Zeichnung ein sehr dehnbarer Begriff ist. Eine Zeichnung muss nicht mit einem Stift oder einer Feder auf Papier entstehen. Es kann jede Form von Linien-Ziehung sein. Zeichnen kann ein sehr kooperativer Akt sein. Heringers Sieger-Arbeit zeigt die kooperativen Möglichkeiten von Zeichnung auf.“

Die Arbeiten der Gewinner sowie die von der Jury „empfohlenen“ werden in einer Ausstellung im Sir John Soane‘s Museum in London vom 15. Januar bis 16. Februar 2020 zu sehen sein. Außerdem werden die drei Gewinner ihre Arbeiten während des World Architecture Festivals am 5. Dezember 2019 in Amsterdam präsentieren. Einen Tag später wird dem Gesamtsieger während des Gala Dinners die Trophäe überreicht.

Dieser Artikel ist Gustav Peichl (1928 – 2019) gewidmet, der vom Computer die Finger ließ und viel lieber den Bleistift in die Hand nahm. Seiner Aussage „Heute zeichnet ja niemand mehr“ müssen wir allerdings widersprechen. Es mögen wenige sein, aber sie tun es doch.

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