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Der Duft-Designer

von Markus Schraml
@aroma, Maurice Joosten

Erinnerungen manifestieren sich nicht nur im Visuellen, sondern auf ganz eindringliche Weise auch in Gerüchen. Nehmen wir einen bestimmten Geruch wahr, katapultiert uns das zurück an einen Ort, an dem wir einmal waren oder in ein Gefühl, das wir in der Vergangenheit hatten. Düfte gehen stark ins Unterbewusstsein und werden deshalb auch im Design und in der Architektur eingesetzt, um spezielle Stimmungen, Atmosphären oder Charakter zu vermitteln. Ein Fachmann auf diesem Gebiet ist Maurice Joosten, der als olfaktorischer Raumdesigner für das japanische Unternehmen @aroma tätig ist. Der Niederländer hat in seiner Karriere bereits Raumdüfte für Firmen wie Lexus, Lufthansa oder ANA All Nippon Airways kreiert. Dabei setzt er auf 100 % natürliche Essenzen. Seit 2013 lebt Joosten in Berlin, wo er als Creative Director das Designstudio von @aroma Europe leitet.

Japanische Design Air „an“ Tokoname-Stein. © Takumi Ota Photography

Die wenigsten Menschen wissen mit dem Begriff „Scent Architecture“ etwas anzufangen, obwohl Duftarchitektur und maßgeschneidertes Raumduft-Design zunehmend wichtiger werdende Komponenten in der Gestaltung sind. Nicht zufällig ist @aroma ein japanisches Unternehmen, denn dort ist die Beduftung von Räumen eine Jahrhunderte alte Tradition. Heute betreibt der Duftspezialist Designstudios und Showrooms in Asien, den USA und Europa und hat Raumbeduftungs-Konzepte in mehr als 5.000 Shops, Showrooms, Lounges und Luxushotels weltweit umgesetzt.

Das Bild in einen Duft übersetzen

„Für alle unsere Kunden arbeiten wir an der Verbindung und Synergie zwischen der visuellen und der olfaktorischen Gestaltung eines Raums. Das heißt, wir kreieren maßgeschneiderte Düfte, die sich entweder unmittelbar an den Genius Loci, die Architektur beziehungsweise Innenarchitektur und/oder die Corporate Identity des jeweiligen Kunden anlehnen – oder diese als zusätzliche Komponente zu einem synergetischen Gesamterlebnis der Sinne ergänzen“, erläutert Joosten. „So verbinden wir ein visuelles Bild mit einem Geruchserlebnis beziehungsweise übersetzen ein visuelles Bild in einen Duft. Raumdüfte betrachten wir wie ein Material in einem Interieur. Deshalb nennen wir es Scent Architecture, also Duftarchitektur, weil es darum geht, Raum zu schaffen. Durch die Struktur eines Duftes geben wir einem Raum Form.“

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Die Auflösung der Körperlichkeit

Duft-Designer Joosten ist auch Künstler und kreiert luftig-leichte Skulpturen unter anderem aus Glasfaserharz, Metall oder Papier. In beiden Bereichen geht es um die Auflösung von Grenzen und der Körperlichkeit, erklärt Joosten: „Wie sich ein Maler seiner Farben oder ein Bildhauer seines Materials bedient, um ein Gemälde oder eine Plastik zu schaffen, bediene ich mich einer Palette von 100 % natürlichen Essenzen und Aromaölen, um einen Duft zu konzipieren. In verschiedenen Medien entfaltet sich mein kreativer Prozess also auf ähnliche Weise – als eine fortwährende experimentelle Entdeckung, bei der die Sinne im Mittelpunkt stehen. Wesentlich dabei ist, offen zu sein für die Wahrnehmung in all ihren Finessen. Durch Hinzufügen und Wegnehmen der verschiedenen Inhaltsstoffe forme ich einen Duft und passe ihn so lange an, bis er die perfekte Ausgewogenheit erreicht hat“, beschreibt der Künstler / Designer seine Arbeit.

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Die Düfte der Umgebung

In vielen der zahlreichen Projekte, die Joosten für @aroma in den vergangenen Jahren umgesetzt hat, war es von essenzieller Bedeutung auf den spezifischen Ort einzugehen. So entwickelten er und sein Team für das historische Landhotel „Heckfield Place“ in Hampshire vier verschiedene Raumdüfte, die sich aus der direkten Umgebung des Gebäudes speisen. „Sie alle basieren auf Sammlungen von Gräsern, Blüten, Kräutern, Blättern und Hölzern, die wir auf Spaziergängen rund um das Haus gesammelt haben – und zwar zu den unterschiedlichen Jahreszeiten. Die so entstandenen Moodboards dienen als Inspiration und Grundlage zur Auswahl von natürlichen Aromaölen und hochwertigsten Duftessenzen aus aller Welt, die wir in unserem Designstudio wie in einer Bibliothek sammeln. Daraus schließlich komponieren wir für das Projekt und den Ort maßgeschneiderte Düfte, die vom Besucher unbewusst wahrgenommen werden und Gefühle und Assoziationen wecken“, erklärt Joosten.

Um Orientierung im Universum der Raumdüfte zu geben, haben die Duft-Designer von @aroma fünf Kollektionen von Essenzen definiert: Botanical Air, Clean Air, Design Air, Japanese Air und Supplement Air. © Takumi Ota Photography

Duft-Stimmungen

Die Duftexpertise von Maurice Joosten und @aroma kommt aber nicht nur Businesskunden zugute, auch für den privaten Gebrauch hält das Unternehmen eine große Auswahl an 100 % natürlichen ätherischen Ölen bereit. Bei fünf Duft-Kollektion, die über Aromaöl-Diffuseren in den Raum kommen, ist die Wahl fast eine Qual. In jedem Fall basieren all diese Düfte auf der langjährigen Erfahrung bei der Entwicklung von Düften und der Kreation von Duftkonzepten. „Düfte haben einen großen Einfluss auf Körper und Geist. Sie beeinflussen unsere Stimmung und ermöglichen es, Räume zu gestalten, in denen wir uns wohlfühlen“, weiß Joosten. „Je nach Tageszeit und Raum lassen sich unsere Diffuser mit dem jeweils passenden Aromaöl bestücken. In unserem Sortiment von 100 % natürlichen Aromaölen finden sich frische Aromamischungen für bessere Konzentration und mehr Energie, etwa am Morgen oder während der Arbeitszeit, aber auch entspannende Kompositionen zur Beruhigung von Geist und Körper, etwa am Abend vor dem Zubettgehen.“


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