Home Architecture Geburtstagsgeschenk zum 101. – Neue Zentralbibliothek in Helsinki

Geburtstagsgeschenk zum 101. – Neue Zentralbibliothek in Helsinki

von Caroline Wanderberg
Oodi Helsinki

Finnland führt regelmäßig PISA-Ranglisten an und wurde in einer US-amerikanischen Untersuchung sogar als weltweit belesenste Nation geführt. Der Stellenwert und die Wertschätzung der Bildung sind in dem skandinavischen Land sehr hoch. Das spiegelt sich nicht nur in einem der besten Schulsysteme wider, sondern auch in der Schaffung von Bildungsmöglichkeiten außerhalb der Schulen. Einen dieser Zugänge bieten öffentliche Bibliotheken. Mit der neuen Zentralbibliothek Oodi in Helsinki setzen die Finnen nun ein neues starkes Zeichen. Die Eröffnung am 5. Dezember stellt den Beginn einer neuen Ära in Sachen öffentlich zugängliche Bibliotheken im hohen Norden dar – mit dem Anspruch, den Bürger*innen Werte, wie lebenslanges Lernen, Demokratie, freie Meinungsäußerung und aktive Bürgerschaft näherzubringen.

Auf 17.250 m² wird der 2017 erneuerte Public Libraries Act beeindruckend umgesetzt. Direkt gegenüber des finnischen Parlaments und umgeben von Institutionen der Kunst und Kultur, wie dem Museum für zeitgenössische Kunst Kiasma oder der Musiikktalo Concert Hall entfaltet sich ein atemberaubender Bau des finnischen Büros ALA Architects. Ein Leseschiff als Geschenk zum 101. Geburtstag der finnischen Unabhängigkeit. Nicht weniger beeindruckend ist die technische Ausstattung der Bibliothek. Nur ein Drittel des Raumes wird zur Aufbewahrung von Büchern genutzt – relativ bescheidene 100.000 Bände. Dennoch haben die Benutzer Zugang zu 3,4 Millionen Werken, dank Online-Services und Büchersortierrobotern ist das nächste Lesevergnügen nur einen Mausklick entfernt. Oodi wird durch das bereits etablierte Onlinekatalog- und Bestellsystem HelMet unterstützt, das Zugang zum gesamten Bestand gewährt.

Die Veränderung der Prioritäten – weg von der Lagerung einer großen Büchersammlung, erlaubte den Bibliothekaren und Designern von Oodi, die Rolle der Bibliothek neu zu denken. Durch die Aufnahme eines umfangreichen Workshopprogramms und direkten Kundenberatungen, wurden neue, inklusivere Wege gewählt, den Menschen Zugang zu ermöglichen. So entstand eine Bibliothek als Erweiterung des öffentlichen Raums, ein „Wohnzimmer“ für die Bürger*innen, das neben Büchern auch ein Kino, Aufnahmestudios, einen Maker-Raum, öffentliche Dienstleistungen, Ausstellungen und Gemeinschaftsveranstaltungen bietet.

„Oodi ist ein Projekt, das aus einem langen und detaillierten Frageprozess geboren wurde, was eine Bibliothek sein könnte und sollte. In Absprache mit unseren Gesetzgebern, unseren Kollegen und unseren Nutzern haben wir die Antworten gemeinsam gefunden und demokratische Entscheidungen getroffen, die den Bedürfnissen entsprechen und die Rechte aller in unserer Gesellschaft respektieren.”

Anna-Maria Soininvaara, Oodi Bibliotheksleiterin

Die architektonische Struktur der Bibliothek, verkleidet mit finnischem Fichtenholz, versucht den davor liegenden Bürgerplatz in den öffentlichen Raum der Bibliothek hineinzuholen. Der überdachte Baldachin verwischt dabei die Grenze zwischen beidem und vom Balkon aus eröffnet sich für die Bibliotheksbesucher ein Blick über den Platz hin zum Parlament.

Oodi ist ein großes öffentliches Forum des Denkens und Handelns, das im Rahmen der Bibliotheksorganisation betrieben wird, jedoch über eine Reichweite und Funktionalität verfügt, die weit über ein traditionelles Bücherlager hinausgeht. Es ermöglicht öffentliches Leben, Denken, Produzieren und Teilen im Herzen der wachsenden Stadt Helsinki.“

Antti Nousjoki, ALA Architects

Öffentliche Bibliotheken spielen in Finnland eine zentrale Rolle. Der Zugang zu öffentlichen Büchereien ist ein gesetzlich festgeschriebenes Bürgerrecht. Die Finnen gehören zu den weltweit begeistertsten Bibliotheksbenutzern. Bei einer Bevölkerung von 5,5 Millionen werden jährlich 68 Millionen Bücher entlehnt – das sind 12 Stück pro Person. Finnland hat im Jahr 2017 57 Euro pro Bürger für Bibliotheksservices ausgegeben.

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