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Hoffnungsschimmer in der Klimakrise – There Is No Planet B

von redaktion
Veronika Krenn, Kuratorin von „There Is No Planet B“ führt durch die Ausstellung. © Ars Electronica

Von 8. bis 12. September fand das Ars Electronica Festival 2021 statt. Und das nicht nur in Linz und 86 weiteren Ars Electronica Gardens rund um den Globus, sondern auch online. Bereits im Vorjahr schafften es die Organisator*innen, ein hervorragendes duales Event auf die Beine zu stellen und vor allem durch die zwangsweise Ausweitung in den digitalen Bereich das internationale Profil enorm zu schärfen. 2021 beteiligten sich 750 Künstler*innen aus 34 Ländern am Festival. Gerfried Stocker, der künstlerische Geschäftsführer der Ars Electronica hob in einem Statement aber vor allem das Sich-Wiedersehen hervor. „Es war fantastisch, hier in Linz wieder einmal Künstler*innen, Forscher*innen, Designer*innen und Aktivist*innen aus aller Welt zu treffen, ihre Begeisterung und ihren Optimismus zu spüren“, sagte er.

Zum Festivalbeginn startete auch eine Ausstellung, die sich intensiv der globalen Erwärmung und der menschlichen Verantwortung widmet. In „There Is No Planet B“ wird die Ursache für die negative Klimaveränderung im Energiehunger der modernen Gesellschaft verortet. Dieser Hunger will nach wie vor gestillt werden. Und so bewegt sich die Menschheit offenen Auges dahin, sich der eigenen Lebensgrundlagen zu entledigen.

Die Ausstellung „There Is No Planet B“ vermittelt aber nicht depressive Endzeitstimmung, sondern beschwört einen baldigen Kurswechsel, um das Tempo der Erderwärmung zu bremsen. Das Ars Electronica Center kooperiert für diese Schau mit dem Klima- und Energiefonds und zeigt, dass für die notwendige Energiewende durchaus Konzepte vorhanden sind, sie müssten „nur“ umgesetzt werden. Eine Grundvoraussetzung dafür ist die Änderung des Lifestyles der Menschen, vor allem in den westlichen Ländern.

Ausstellungsprojekte: Essbare Erde

Das Museum of Edible Earth (MME) widmet sich der Geophagie mit einem interdisziplinären Projekt, in dessen Mittelpunkt eine Sammlung von Erdproben steht, die von Menschen aus unterschiedlichen Motiven verzehrt werden. Museumsbesucher*innen sind eingeladen, ihre Beziehung zu Umwelt, Erde und Nahrungsaufnahme zu hinterfragen. Geophagie bezeichnet das Verzehren von Erde oder erdähnlichen Substanzen wie Ton oder Kreide.

Geophagie bezeichnet das Verzehren von Erde und erdähnlichen Substanzen wie Ton oder Kreide. Das Museum of Edible Earth (MME) widmet sich der Geophagie mit einem interdisziplinären Projekt. The Museum of Edible Earth / masharu (RU/NL) / Foto © Jester van Schuylenburch

Die enorme Leistung unserer Biosphäre

Das Experiment „Life Support System” besteht aus einem Quadratmeter Weizen, der künstlich in einer geschlossenen Umgebung angebaut wird. Dieser eine Quadratmeter ist in der Lage, alle vier Monate einen Tag lang die notwendige Kalorienzufuhr für einen erwachsenen Menschen zu liefern. Um einen Menschen das ganze Jahr über zu ernähren, müssten etwa 100 solcher Einheiten in Betrieb sein. Dieser Aufbau verdeutlicht, welche ungeheuren Aufwendungen nötig wären, um den menschlichen Nahrungsmittelbedarf in einer künstlichen Umgebung zu decken, im Gegensatz zur Landwirtschaft auf Ackerland. Dieses Experiment macht also deutlich, welch immense Leistung das Ökosystem vollbringt.

Das „Life Support System” besteht aus einem Quadratmeter Weizen, der künstlich in einer geschlossenen Umgebung angebaut wird. Wasser, Licht, Wärme und Nährstoffe werden gemessen, überwacht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Life Support System / Disnovation.org / Foto: © Disnovation.org

Selbst erzeugte Solarenergie in Communitys

Mit dabei in der Ausstellung ist auch „SolarVille“ von SPACE10, der Prototyp einer Community im kleinen, die allein durch Solarenergie versorgt wird. Einige Haushalte erzeugen ihre eigene erneuerbare Energie mithilfe von Sonnenkollektoren, während andere den in der Gemeinschaft produzierten überschüssigen Strom vom Erzeuger kaufen – und dabei die Blockchain-Technologie nutzen. Das Ergebnis ist ein autarkes Mikronetz, in dem der Strom, der benötigt wird, auch erzeugt wird.

Wenn die Welt ihre Klimaziele erreichen will, muss die Verwendung erneuerbarer Energiequellen bis Mitte des Jahrhunderts zur Norm werden. SolarVille von Space10 (DK) liefert ein Modell dafür. Foto: © Ars Electronica – Robert Bauernhansl

Die Ausstellung „There Is No Planet B“ illustriert nicht nur die Dringlichkeit der aktuellen Klimasituation, sondern zeigt auch potenzielle Lösungen auf. Immer mehr Menschen arbeiten aktiv daran mit. Ein Hoffnungsschimmer.


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