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Living Standards Award für Entwicklungen im Gesundheitssektor

von Sebastian Zerlach
Living Standards Award 2022

Zum achten Mal wurde in Wien der Living Standards Award verliehen. Dies ist Österreichs wichtigster Preis für Standardisierung und Innovation. Heuer ging er an fünf Projekte aus dem Gesundheits- und Technologiesektor. „Die Herausforderungen der Zukunft verlangen smarte Lösungen und kluge Köpfe – wie sich zeigt, findet sich beides in der Standardisierung. Standards können Innovationstreiber sein und unseren Alltag verbessern – deshalb will ich gerade junge Unternehmen ermutigen, den wertvollen Beitrag, den Standards für ihr Geschäft leisten können, stärker zu nutzen“, sagte Dr. Valerie Höllinger, die neue Geschäftsführerin von Austrian Standards im Zuge der Preisverleihung.

Der Preis wurde dieses Jahr in den Kategorien „Developing Future Technology“, „Reaching International Markets“, „Enabling Solutions“ und „IEEE Standards“ vergeben. Insgesamt schafften es 16 Einreichungen auf die Shortlist, fünf davon durften sich über einen Preis freuen. Mit dem Projekt „Biorelation“ hat das Österreichische Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) das Ziel verfolgt, eine validierte In-vitro-Screening-Methode zu entwickeln, die Tierversuche überflüssig macht. Die Methode dient der Bewertung von sensibilisierenden und reizenden Eigenschaften bei Medizinprodukten und wird jetzt auch als anerkannte Alternative zu Tierversuchen in der ISO 10993 geführt. Dafür gab es einen Living Standards Award in der Kategorie „Enabling Solutions“.

Zusammenarbeit auf Distanz

Die Viewpointsystem GmbH erhielt mit ihren Eye-Tracking-Datenbrillen eine Auszeichnung in der Kategorie „Developing Future Technology“. Das Unternehmen aus Wien bietet mit Digital Iris Inside erstmals eine standardisierte und sofort einsatzbereite Eye-Tracking-Technologie. Das erste Miniatur-Augensensormodul ESM 22 ist als einrastender Nasenflügel konzipiert. Es kann nahezu unsichtbar in bestehende Brillen (Virtual und Augmented Reality) integriert werden.

Nicht-invasive Blutdruckmessung

Auf Intensivstationen oder bei Not-OPs kann eine invasive, kontinuierliche Blutdruckmessung in einer Arterie notwendig sein. Das birgt jedoch Infektionsrisiken. Die CNSystems Medizintechnik GmbH beschäftigt sich mit der nicht-invasiven Messung des Blutdrucks. Für die maßgebliche Mitentwicklung des internationalen Standards ISO 81060-3 „Continuous non-invasive sphygmomanometers“ wurde das Unternehmen mit dem Preis in der Kategorie „Reaching International Markets“ ausgezeichnet.

Kreislaufwirtschaft

Im Rahmen des Projekts „ReWaste4.0“ hat die Montanuniversität Leoben in Kooperation mit Zementindustrie und Ersatzbrennstoffherstellern eine Methode zur Berechnung der stofflich verwertbaren Anteile von Ersatzbrennstoffen erarbeitet. Das Ausgangsmaterial dafür sind gemischte Siedlungs- und Gewerbeabfälle. Die Forschungsergebnisse der Universität führten zur Entwicklung eines neuen internationalen Standards für das Recycling von Ersatzbrennstoffen im sogenannten Co-Processing.

Telemonitoring – Datensammlung

In der Kategorie „IEEE Standards“ wurde die ELGA GmbH und ihre Projektpartner ausgezeichnet, die mit dem sogenannten „Telemonitoring Episodenbereicht“ die Datenweiterverwendung von Telehealth-Systemen vorangetrieben haben. Es handelt sich um eine Schnittstelle, an der Patienten Daten über bestehende Systeme wie HerzMobil-System, Messwerte wie Körpergewicht, Blutzucker, Blutdruck oder Medikations-Einnahme-Daten eingeben können. Damit erweitert die ELGA (elektronische Gesundheitsakte) den Umfang von Gesundheitsdaten, auf die Gesundheitsanbieter zentral zugreifen können. In Zukunft scheint es, wird die Tele-Medizin an Bedeutung gewinnen. Besonderes Augenmerk sollte auf den sicheren Umgang mit den Daten gelegt werden. Es gilt Fragen zu klären, wie – wer hat auf diese Daten Zugriff? Womit werden sie möglicherweise verknüpft?

Die Bedeutung von Standards

Allein in Österreich sind rund 4.450 Fachleute an der Entwicklung von Standards beteiligt. Der Living Standards Award hat das Ziel, die außergewöhnlichen Leistungen in diesem Bereich vor den Vorhang zu holen. „Aus meiner Erfahrung als Unternehmer kenne ich den praktischen Nutzen von Standards sehr gut. Sie helfen nicht nur Aufwand und Entwicklungszeit zu sparen, sondern liefern entscheidende Inputs, damit Produkte nicht am Markt vorbei entwickelt werden. Aus meiner Sicht sind die heimischen Forschungs- und Wirtschaftstreibenden sehr gut beraten, sich noch mehr in der Standardisierung zu engagieren“, meint DDr. Anton Ofner, der Präsident von Austrian Standards.

Die Preisträger des Living Standards Award 2022: CNSystems Medizintechnik GmbH, Elektronische Gesundheitsakte (ELGA), Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI), Montanuniversität Leoben und Viewpointsystem. © Inge Funke

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