Zwanzig Jahre nach ihrer Einführung gehört die Badserie LAUFEN PRO zu den erfolgreichsten und am weitesten verbreiteten Komplettprogrammen des Schweizer Herstellers – ein Sortiment, das Designanspruch, Variantenvielfalt und wirtschaftliche Effizienz so klug verbindet, dass es sich weltweit im Projektgeschäft ebenso behauptet hat wie im privaten Wohnbau. Zum Jubiläum und anlässlich der Präsentation der neuen Generation PRO X lud das Unternehmen in den LAUFEN space Wien. Christian Schäfer, Managing Director LAUFEN Austria, führte gemeinsam mit dem renommierten Schweizer Designer Peter Wirz durch die Entstehungsgeschichte der Kollektion und skizzierte die strategischen Anforderungen, die letztlich zur Neuinterpretation der Serie geführt haben.
PRO X steht demnach nicht nur für eine Weiterentwicklung in der Formensprache, sondern auch für den konsequenten Versuch, auf veränderte Badezimmerwelten zu reagieren. Heute bestehen höhere Ansprüche an Hygiene und Nachhaltigkeit, gleichzeitig wird mehr planerische Flexibilität verlangt. LAUFEN setzt damit jene Linie fort, die PRO seit zwei Jahrzehnten zu einer festen Größe in der Badkeramikbranche gemacht hat – als verlässliche Lösung für Architekten, Installateure und Endnutzer gleichermaßen.
FORMFAKTOR befragte Peter Wirz über die Herangehensweise an die neue Serie PRO X, die Ansprüche an Badezimmer im Jahr 2025 und den Einfluss von Designagenturen auf den Erfolg von Unternehmen.
FORMFAKTOR: Wie sah das erste Briefing aus, das Sie von LAUFEN für die PRO-Serie erhalten haben?
Peter Wirz: Das ursprüngliche Briefing war in seiner Klarheit beinahe radikal – und genau darin lag seine Kraft. Es ging nicht um ein modisches Statement oder kurzfristige Differenzierung, sondern um die Frage: Wie schaffen wir eine zeitlos relevante Badkollektion, die gutes Design für möglichst viele Menschen zugänglich macht? LAUFEN wollte eine Serie, die funktional, robust und zugleich architektonisch eigenständig ist – ein Werkzeug für Planer, Architekten und Nutzer, das über Jahre hinweg Bestand hat. Von Beginn an stand der Gedanke der demokratischen Gestaltung im Zentrum: erschwinglich, puristisch und funktional im Alltag.
FORMFAKTOR: Wodurch zeichnete sich Ihrer Meinung nach die ursprüngliche LAUFEN PRO-Serie aus?
Peter Wirz: PRO war nie ein lautes Produkt. Seine Stärke lag in der Selbstverständlichkeit. In der Balance zwischen Form und Funktion, zwischen technischer Intelligenz und formaler Ruhe. Die Serie übersetzte architektonisches Denken in das tägliche Ritual im Bad. Klare Linien, nachvollziehbare Geometrien und eine stille Eleganz machten PRO zu einem verlässlichen Begleiter.
FORMFAKTOR: Mit welchem Ansatz sind Sie an die Neuinterpretation (PRO X) herangegangen – 20 Jahre später?
Peter Wirz: Die entscheidende Frage war nicht: Wie machen wir etwas Neues? Sondern: Wie bewahren wir den Charakter und entwickeln ihn dennoch weiter? Wir haben PRO X nicht als Re-Design verstanden, sondern als evolutionäre Verfeinerung der bestehenden DNA. Es ging um Präzisierung statt Revolution. Schlankere Proportionen, ruhigere Linien, mehr architektonische Klarheit. Gleichzeitig um eine neue Flexibilität in der Anwendung – angepasst an veränderte Lebensformen und räumliche Realitäten.

FORMFAKTOR: Wie haben sich die Ansprüche an das Badezimmer in den letzten zwei Jahrzehnten verändert?
Peter Wirz: Das Badezimmer ist vom funktionalen Nutzraum zum emotionalen Rückzugsort geworden. Heute ist es ein Ort des Innehaltens – ein persönlicher Raum zwischen Stress und Stille. Konkrete Veränderungen sind beispielsweise kleinere Grundrisse, höhere funktionale Dichte, Integration von Stauraum und Ordnung, Hygiene als Selbstverständlichkeit, Individualisierung und atmosphärische Gestaltung sowie nachhaltiger Wasser- und Energieverbrauch. Das Bad ist heute ein Raum für Rituale, für Achtsamkeit und Selbstfürsorge.
FORMFAKTOR: Was bedeutet Wasser für Sie ganz persönlich?
Peter Wirz: Wasser ist Ursprung, Bewegung, Erinnerung. Für mich steht Wasser für Reinigung – nicht nur physisch, sondern auch geistig. Für mich ist Wasser ein Element der Kontinuität. Es lehrt uns Demut, Rhythmus und Respekt. Als Designer bedeutet Wasser Verantwortung. Es mahnt zur Achtsamkeit im Umgang mit Ressourcen und fordert uns auf, Gestaltung nicht als Konsum, sondern als bewusste Handlung zu verstehen. Wasser bedeutet Leben – und Design ist die Sprache, mit der wir den Umgang mit Wasser formen.
FORMFAKTOR: Wie gelingt es Ihnen als Designagentur, Unternehmen beim wirtschaftlichen Erfolg zu unterstützen?
Peter Wirz: Design wird dann relevant, wenn es ökonomische Wirkung und Impact erzeugt. Mein Fokus und der meines Teams liegt seit mehr als 20 Jahren auf der Verbindung von Ästhetik und messbarem Mehrwert. Kundenrelevanz, Markenstärke, Nutzerakzeptanz, Wettbewerbsfähigkeit, Differenzierung und langfristige Marktpositionierung. Wir verfolgen dabei einige grundlegende Prinzipien: Relevanz statt Effekte, Klarheit statt Komplexität, Substanz statt Oberflächlichkeit und Beständigkeit vor Aktionismus. Design verstehen wir als wichtiges, unternehmerisches Instrument – als Brücke zwischen Visionen und Markterfolg.
FORMFAKTOR: Was sind heute die größten Herausforderungen für Unternehmen aus Sicht einer Designagentur?
Peter Wirz: Viele Unternehmen verlieren sich in Geschwindigkeit und Oberflächlichkeit. Kunden-Orientierung wird durch Aktionismus ersetzt, langfristige Haltung durch kurzfristige Trends. Die zentralen Defizite, die ich häufig beobachte, sind die fehlende strategische Klarheit, eine inkonsistente Markenführung, mangelndes Verständnis für Design als langfristige Investition, zu geringe Vernetzung zwischen Produkt, Marke und Kommunikation sowie fehlende Designfähigkeit zur strategischen Führung von Design in Unternehmen. In einer komplexen Welt wie heute braucht es als Firma Mut zur Reduktion und Klarheit.