Home ArchitectureWang Shu und Lu Wenyu – die Kuratoren der Biennale 2027 in Venedig

Wang Shu und Lu Wenyu – die Kuratoren der Biennale 2027 in Venedig

von redaktion
Wang Shu und Lu Wenyu übernehmen die kuratorische Leitung der Biennale 2027. © Venice Architecture Biennale

Mit der Ernennung von Wang Shu und Lu Wenyu zu den Kuratoren der Biennale Architettura 2027 setzt Venedig ein starkes architektonisches Zeichen. Das chinesische Duo, das 1997 das Amateur Architecture Studio gründete, zählt seit Jahren zu den wichtigsten Stimmen einer Architektur, die sich gegen globale Uniformität stemmt. Ihr Ansatz: radikale Kontextualität, handwerkliche Präzision und ein tiefes Vertrauen in das kulturelle Gedächtnis eines Ortes.

Wang Shu, Pritzker-Preisträger des Jahres 2012, und Lu Wenyu, Leiterin des Sustainable Construction Center an der China Academy of Art, haben in den vergangenen Jahrzehnten ein Werk geschaffen, das konsequent auf vorhandene Materialien, traditionelle Bauweisen und die Spuren des Alltags setzt. Ihre Gebäude – darunter das Ningbo Historic Museum, das Xiangshan Campus oder die Renovierung von Wencun Village – verbinden recycelte Elemente mit moderner Ingenieurskunst. So entstehen Räume, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verweben.

In ihren Bauten hat die Berücksichtigung des jeweiligen Ortes den höchsten Stellenwert. © ASAC- Matteo Losurdo, mit freundlicher Genehmigung von La Biennale di Venezia

Die Entscheidung der Biennale-Leitung würdigt genau diese Haltung. Präsident Pietrangelo Buttafuoco betont, dass ihr „Wissen um Orte und Prozesse“ eine unverzichtbare Stimme im globalen Architekturdiskurs darstellt – besonders in einer Zeit, in der Architektur zwischen Konzeptfetisch und Kommerzialisierung zu kippen droht.

In ihrer ersten Stellungnahme warnen Wang und Lu vor einer Architektur, die sich von realen Orten löst und nur noch visionäre Oberflächen produziert. Dies sei ein Weg, der „zum Tod der Architektur“ führen könne. Ihren Gegenentwurf bezeichnen sie als eine „wahre Methode“, die das Lokale ernst nimmt und wieder zu einer glaubwürdigen Beziehung zwischen Mensch, Raum und Gemeinschaft führt.

Mit dieser programmatischen Klarheit wird die Biennale 2027 wohl nicht nur eine Ausstellung sein, sondern eine notwendige Debatte ernsthaft anstoßen – über die Zukunft des Bauens, die Rolle des Handwerks und die Frage, wie Architektur wieder Teil des realen Lebens wird.


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