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Pritzker Prize für Arata Isozaki

von redaktion
Arata Isozaki, Pritzker Prize 2019

Der japanische Architekt Arata Isozaki erhält den diesjährigen Pritzker Architecture Prize. Dieser von vielen als höchste Auszeichnung für Architekten*innen erachtete Preis geht damit bereits zum 9. Mal nach Japan. „Isozaki ist ein Pionier in einem Architekturverständnis, das sowohl global als auch lokal denkt – diese beiden Kräfte sind teil derselben Herausforderung“, sagt Juryvorsitzender Stephen Breyer.

Arata Isozaki wurde 1931 auf der Insel Kyushu in Ōita geboren. Als die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki fielen, war er ein Teenager. Das Bild der totalen Zerstörung prägte seine Sicht auf die Welt und die Architektur. „Meine erste Erfahrung von Architektur war also das Nichtvorhandensein von Architektur und ich begann zu überlegen, wie die Menschen ihre Häuser und Städte wieder aufbauen könnten“, sagt Isozaki. 1954 schloss er sein Studium der Architektur an der Universität von Tokio ab und arbeitete zunächst für Kenzo Tange (Pritzker-Preisträger 1987) bis er 1963 Arata Isozaki & Associates gründete. Nachdem Japan wieder seine Souveränität erlangt hatte, ging es um den Wiederaufbau des Landes in einem Klima der politischen, ökonomischen und kulturellen Unsicherheit. Isozaki: „Um diese Probleme bestmöglich zu lösen, konnte ich mich nicht auf einen einzigen Stil konzentrieren. Veränderung wurde die Konstante. Paradoxerweise wurde das dann mein Stil.“

Zunächst arbeitete Isozaki vor allem lokal und baute viel in seiner Heimatstadt, in Fukuoka, Gunma, Osaka und Tokio. Herausragende Bauwerke jener Periode sind etwa die Ōita Prefectural Library (1962-1966 Ōita, Japan) oder das Museum für moderne Kunst in Gunma (1971-1974, Gunma, Japan). Obwohl Isozaki in dieser Zeit ausschließlich in Japan baute, waren seine Einflüsse global. Er war ein passionierter Reisender. „Ich wollte die Welt mit meinen eigenen Augen sehen, also reiste ich mindestens zehn Mal rund um die Welt, bevor ich dreißig war. Ich wollte das Leben der Menschen an verschiedenen Orten spüren und reiste intensiv innerhalb Japans aber auch in die islamische Welt, zu Dörfern tief in den chinesischen Bergen, nach Südostasien und in die Metropolen der USA. Ich ließ keine Gelegenheit aus, zu reisen und dabei fragte ich mich immer wieder: Was ist Architektur“, beschreibt Isozaki seine Leidenschaft.

Diese enorme Reiselust spiegelt die Anschauungen des Architekten wider. Er entwickelte eine weltweite Vision, die seiner Zeit voraus war – einen Dialog zwischen Ost und West. Dennoch dauerte es bis 1981, bis er seinen ersten Auftrag außerhalb Japans umsetzen konnte. Es war das Museum of Contemporary Art in Los Angeles (1981-1986, Kalifornien, USA). Heute hält Isozaki bei über einhundert internationalen Bauwerken. Darunter das Palau Sant Jordi (1983-1990, Barcelona, Spanien), das Eishockeystadion Pala Alpitour (2002-2005, Turin, Italien), den Allianz Tower (2003-2014, Mailand, Italien), das Qatar National Convention Center (2004-2011) oder die Shanghai Symphony Hall (2008-2014, Shanghai, China).

Bereits in den 1960er Jahren entwickelte Isozaki die „City in the Air“ (1962, Tokio), einen futuristischen Plan für Shinjuku mit erhöhten Schichten von Gebäuden, Wohnhäusern und sogar Transportmitteln, die über der eigentlichen Stadt „hingen“. Eine Antwort auf die schnell fortschreitende Urbanisierung. Obwohl dieses Projekt nie umgesetzt wurde, arbeitete der Architekt weiter an Städten mit sich rasant verändernden Volkswirtschaften. Seine jüngsten diesbezüglichen Arbeiten konzentrieren sich auf China und den Nahen Osten. 2013 arbeitete Isozaki mit Anish Kapoor am Ark Nova für das Luzern-Festival. Der reisefähige, aufblasbare Veranstaltungs-Donut war für die vom Tsunami (2011) betroffen Regionen in Japan gedacht. Er kann schnell mit Luft gefüllt und wieder geleert werden. Die 500 Gäste fassende Halle aus PVC-beschichteter Polyester-Membran wurde zu einem Symbol des Wiederaufbaus.

Arata Isozaki ist aber nicht nur viel beschäftigter Architekt, er ist auch ein engagierter Förderer des Architektur-Nachwuchses und kritischer Theoretiker. Seine Arbeit umspannt Bereiche der Philosophie, Kunst, Design, Musik, Film und Theaterstücke. Er war Gastprofessor in Harvard, Yale und an der Columbia-Universität in den Vereinigten Staaten.

Die feierliche Ehrung für den 46. Preisträger Arata Isozaki und die Übergabe des mit 100.000 US-Dollar dotierten Pritzker Architecture Prize findet im Mai in Paris statt.

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