Home ArchitectureArchitects of Liberation im MoMA: Westafrikas Moderne als Aufbruch

Architects of Liberation im MoMA: Westafrikas Moderne als Aufbruch

von Markus Schraml
Centre International du Commerce Extérieur du Sénégal (CICES), Dakar, Senegal. 1971–74. Jean-François Lamoureux (geb. 1943) und Jean Louis Marin (geb. 1943). 1974. Foto © Michel Fegyveres

Architektur war in den jungen Staaten Westafrikas mehr als eine Frage von Form und Funktion. Nach dem Ende der Kolonialherrschaft sollte sie Selbstbestimmung, kulturelle Eigenständigkeit und Fortschritt sichtbar machen. Diesem Kapitel widmet das Museum of Modern Art in New York die Ausstellung „Architects of Liberation: Modernism in Western Africa“, die bis 2. Jänner 2027 läuft.

Bauten einer neuen Epoche

Die Schau untersucht die Entwicklung vom Ende der 1950er- bis in die frühen 1980er-Jahre in Benin, Kamerun, Côte d’Ivoire, Ghana, Nigeria, Senegal und Togo. Rund 450 Zeichnungen, Modelle und historische Fotografien aus 17 Ländern dokumentieren die intensive Bautätigkeit. Viele Objekte werden erstmals öffentlich gezeigt.

Die Kapitel führen von Infrastruktur und Stadtentwicklung über öffentliche Einrichtungen und Wohnbau bis zu Veranstaltungsorten und Universitäten. Zu den Schlüsselprojekten zählt der von 1962 bis 1967 errichtete, kreisrunde Afrika-Pavillon der Accra Trade Fair, der die Einheit Ghanas symbolisierte. Rinaldo Olivieris 1973 fertiggestellte „La Pyramide“ veränderte die Skyline von Abidjan. In Dakar erhielt das Messezentrum CICES ein wiederkehrendes Dreiecksmotiv. Die Universität von Ife in Nigeria steht für den hohen Stellenwert der Bildung bei der Dekolonisierung.

Afrikanische Positionen im Zentrum

Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet die erste Generation ausgebildeter afrikanischer Architekten. Jean Léon experimentierte in Côte d’Ivoire mit skulpturalen Betonkonstruktionen. Cheikh Ngom verband im Senegal modernistische Prinzipien mit geometrischen Fassaden und lokalen Bezügen. Demas Nwoko übertrug nigerianische Kunst- und Handwerkstraditionen in moderne Kultur-, Wohn- und Sakralbauten. Zugleich wirkten Planer aus Europa, Israel und den USA mit – ein Hinweis auf die komplexen Beziehungen zu den früheren Kolonialmächten (und deren Nachfolger).

Installationsansicht: Architects of Liberation: Modernism in Western Africa ist noch bis 2. Januar 2027 im MoMa New York zu sehen. © The Museum of Modern Art, New York, Foto: Martin Parsekian

Das Ergebnis vierjähriger Forschung erweitert eine lange westlich geprägte Geschichte der Moderne. Zugleich zeigt die Ausstellung einen zentralen Widerspruch dieser Aufbruchsjahre: Die Architektur sollte nationale Eigenständigkeit ausdrücken, entstand jedoch vielfach unter maßgeblicher Beteiligung ausländischer Planer. Umso wichtiger ist der Blick auf jene afrikanischen Architekten, die internationale Formen mit lokalen Bautraditionen, Materialien und klimatischen Anforderungen zu einer eigenen Moderne verbanden.


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