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Smarter E-Scooter von Yves Béhar

von Markus Schraml
Model Eleven, Unagi

Seit 2018 hat Unagi die Welt der Scooter verändert. Mit seinem Model One, einem leichten, portablen und schnellen E-Tretroller, wurden die Grenzen der Mikromobilität verschoben. Nun präsentiert das kalifornische Start-up seine neueste Entwicklung – das „Model Eleven“. Dafür hat Unagi-CEO David Hyman einen kompetenten Partner engagiert, Yves Béhar und sein Designstudio fuseproject. Das Ergebnis ist ein fließendes, elegantes Design, hinter dem sich neueste Hightech verbirgt. Hier sind keine Schrauben, Kabel oder extra angebrachte Komponenten zu sehen.

Top-Fahrerassistenzsystem und Audio-Navigation

Eine Eigenschaft, die alle 2-rädrigen Fahrzeuge gemein haben, ist, dass der Körper des Nutzers / der Nutzerin die Knautschzone bildet. Dieses Sicherheitsproblem, das meistens als Gefühl der Freiheit verkauft wird, versucht Unagi mit einer Menge Technologie auszugleichen. „An der Entwicklung des Model Eleven hat ein interdisziplinäres Team jahrelang gearbeitet. Es ging dabei um nichts weniger, als den städtischen Nahverkehr zu revolutionieren. Das Model Eleven ist in vielerlei Hinsicht eine technologische Meisterleistung. Aber vor allem ist es ein Roller, der die Messlatte für Mobilität, Leistung und Komfort neu setzt. Er ist auch der intelligenteste Roller der Welt, komplett mit ADAS-Sensor, Crash-Erkennungs-KI und sprachaktivierten Schritt-für-Schritt Navigationshinweisen von Google“, sagt CEO Hyman. „Das ADAS (Anm: fortschrittliches Fahrerassistenzsystem) von Unagi bietet eine Frontalkollisionswarnung, eine Abstands- bzw. Heckklappenwarnung, eine Spurwechselwarnung und erkennt ungeschützte Verkehrsteilnehmer.“

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David Hyman hat in seiner Karriere bereits eine ganze Reihe von Start-ups gegründet und erfolgreich auf den Weg gebracht, bis hin zum Verkauf an finanzstarke Konzerne (Beats Music, MOG, Gracenote und Blin.gy). Auf die Frage, wie er auf den Scooter kam, antwortet Hyman: „Mein Leben lang war ich Snowboarder und habe deshalb eine Prädisposition fürs Rollerfahren. Als dann die Elektroroller aufkamen, sah ich großes Potenzial. Zunächst war ich richtig besessen davon, den besten Roller zu finden, den es gibt. Ich war auf der Suche nach etwas, das ideale Reichweite, Gewicht, Leistung und Transportierbarkeit bietet. Allerdings wurde mir schnell klar, dass es nur Kompromisslösungen gibt. Mit anderen Worten – ich wollte einen Zauberteppich. Da ich also keinen Roller finden konnte, der meinen Vorstellungen entsprach, gründete ich aus ganz egoistischen Gründen Unagi, um etwas zu bauen, das es noch nicht gab.“

Minimales Gewicht – Nahtloses Design

Yves Béhar und sein Team von Industriedesigner*innen haben das Design des „Model Eleven“ ganz auf den Nutzer / die Nutzerin ausgerichtet. „Wir wollten vor allem das Gewicht minimieren und dadurch sicherstellen, dass der Scooter leicht zu tragen ist. Außerdem ging es um Haltbarkeit. Wir haben alle überflüssigen Teile eliminiert und so viele Komponenten wie möglich (wie den Ständer, Knöpfe usw.) weggelassen, um eine durchgehende Form mit einem fließenden Übergang zwischen Deck und Vorbau zu schaffen, die eine stromlinienförmige, elegante Silhouette bietet“, erläutert Béhar. „Die größte Herausforderung bestand darin, ein feineres Design zu erreichen und gleichzeitig so viele Hochleistungsfunktionen wie möglich zu integrieren: fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme, eine austauschbare Batterie, Onboard-Audiosysteme und pannensichere schaumgefüllte Reifen.“

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Neueste Technologien aus der Materialwissenschaft

Die innovative Verwendung von Kohlefaser ermöglichte Leichtigkeit bei gleichzeitig hoher Festigkeit. Dieses Material, das normalerweise in der Luft- und Raumfahrt verwendet wird, erlaubt es, komplexe Geometrien und Übergänge zu formen. „Die Materialwissenschaft hinter diesem neuen Modell beinhaltet die innovative Verwendung von langen Kohlefaser-Verbundstoffen, um eine superstarke, aber dennoch leicht formbare Gestaltung zu erhalten. Die Verbundkohlefaser wurde nach mehreren Monaten der Forschung ausgewählt. Diese bahnbrechende Materialwissenschaft ermöglichte den leichtesten vollgefederten (Dual) Roller, der nur 14,5 Kilogramm wiegt“, sagt Béhar.

Die neue Kohlefaser stellt auch in puncto Nachhaltigkeit einen Fortschritt dar. „Unagi hat sich für ein neues Spritzgussverfahren für Kohlefasern entschieden, das deutlich weniger Produktionsabfall erzeugt und deutlich weniger Wasser verbraucht als die herkömmlichen Herstellungsmethoden für Carbonrahmen“, berichtet Béhar. „Grundsätzlich bieten E-Scooter eine Alternative zu deutlich CO2-intensiveren Verkehrsmitteln. Die zunehmende Nutzung von E-Scootern aufgrund von Produktinnovationen wird zu einer allgemeinen Reduzierung der CO2-Emissionen führen.“

Der E-Scooter ersetzt das Auto

Sowohl David Hyman als auch Yves Béhar sind davon überzeugt, das E-Scooter eine Hauptrolle in der Zukunft städtischer Mobilität spielen werden. „Roller wie das Model Eleven haben das Potenzial, Autos in Städten vollständig zu ersetzen“, glaubt Hyman. „Ubers und Lyfts sind unerschwinglich teuer und haben nur noch mehr Staus verursacht. Die Städte werden sich an diese neuen Transportformen anpassen und dann möglicherweise strenge Vorschriften für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren erlassen oder sie komplett verbieten“. Für Béhar geht es auch um mehr Effizienz: „Der öffentliche Verkehr im Stadtraum verändert sich. Als Designer haben wir die Möglichkeit, eine Lösung zu schaffen, die speziell auf die Stadtlandschaft zugeschnitten ist. Angesichts ihrer Größe, Transportierbarkeit, den Kosten, intelligenten Funktionen und der Sicherheit werden E-Scooter eine wichtige Rolle für die Zukunft der urbanen Mobilität spielen, da die Menschen ihren negativen Einfluss reduzieren möchten“, meint Béhar.

Leicht, transportierbar, sicher und schnell – das neue „Model Eleven“ von Unagi. © Unagi

Kauf statt Sharing

Das Geschäftsmodell von Unagi sieht den Kauf der E-Scooter vor. Dieser Strategie gibt Hyman den Vorrang vor Sharing-Modellen, die derzeit in vielen Stadtzentren anzutreffen sind. „Elektroroller sind eine nachhaltige, unterhaltsame, effiziente und erschwingliche Alternative zu Autos. Nachdem ich viele Sharing Services ausprobiert hatte, wurde mir klar, dass das bewährte Modell des Besitzens eines Fahrzeugs, sei es gekauft oder über ein Abonnement, sowohl für Verbraucher als auch für Städte dem Sharing überlegen ist. Außerdem ist es ein tragfähiges Geschäftsmodell. Städte regulieren Scooter-Sharing-Dienste, weil Roller wahllos auf den Straßen zurückgelassen werden und den Stadtraum verschandelt. Zudem verwenden nur sehr wenige Leute einen Helm, was ein Sicherheitsproblem darstellt. Einen Roller zu besitzen ist wie ein Fahrrad oder E-Bike zu besitzen. Es ist sicherer, sauberer und immer da, wenn man es braucht“, sagt David Hyman.

Bleibt nur eine Frage: Wenn alle Navigationsanweisungen, Warnhinweise und sogar Musik aus dem Audiosystem des Scooters tönen, entsteht dann nicht eine weitere nervende Lärmquelle im ohnehin lauten Stadtraum? Da gilt es wohl den Realtest abzuwarten.

Mehr Informationen und Bestellmöglichkeiten gibt es auf Indiegogo.


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