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User Experience auf zwei Rädern: unu Scooter

Im Bereich E-Mobilität schießen Start-ups seit einigen Jahren in großer Zahl aus dem Boden. Entwickelt werden von digitalen Mobilitätsservices für den urbanen Raum bis zu Luxusautos alle möglichen Produkte und Dienstleistungen, die die Veränderungen der Mobilität mittragen und von ihnen profitieren wollen. Das Berliner Unternehmen unu widmet sich seit 2013 dem Thema elektrisch angetriebener Zweiräder. unu entwickelt flinke, leichte E-Scooter für die Stadt. Nach dem unu Scooter Classic von 2015, der noch auf einer existierenden Plattform basierte, wurde vor Kurzem der neue, von Grund auf selbst konzipierte unu präsentiert. Mitgründer und CXO Elias Atahi wollte diese Neuentwicklung zunächst allein mit dem eigenen Designteam stemmen, musste aber erkennen, dass für ein erfolgreiches Produkt, das die Markenwerte voll und ganz repräsentiert, Hilfe von außen notwendig ist. Der ideale Partner war Christian Zanzotti. Atahi hatte den erfahrenen Münchner Produktdesigner bereits in dessen Zeit bei IDEO kennengelernt. 2017 vermittelte dann IDEO Design Direktor und Studioleiter Franz Blach zwischen Atahi und Zanzotti, der seit 2013 das eigene Zanzotti Industrial Design Studio führt, und das Endergebnis kann sich in vielerlei Hinsicht sehen lassen. Im formfaktor-Interview sprechen Elias Atahi und Christian Zanzotti über Zugänglichkeit, smarte Funktionen und intuitive Bedienung.

 

formfaktor: Was war Ihre grundsätzliche Idee bei der Entscheidung einen neuen unu Roller zu bauen?

Elias Atahi: Zwei Aspekte: Vernetzung und Verbesserungen. Erstens wollten wir mit dem neuen unu Scooter unsere zweite, vernetzte Produktgeneration auf den Markt bringen. Das heißt, von nun an sind unsere Fahrzeuge mit dem Internet verbunden, was es uns zum einen ermöglicht, Mobility-as-a-Service Use Cases abbilden zu können (z.B. Sharing) und zum anderen Privatnutzern eine Reihe an wertvollen zusätzlichen Features wie Key Sharing, Navigation oder Diebstahlschutz gibt. Zweitens war unser erstes Produkt vor fünf Jahren quasi ein MVP (Minimum Viable Product), das wir mit stark limitierten Ressourcen auf den Markt gebracht haben, um von unseren Nutzern zu lernen und unser Konzept zu validieren. Das ist geschehen – und wir haben nun basierend auf dem Gelernten zahlreiche Verbesserungen im neuen Produkt implementiert.

formfaktor: Herr Zanzotti, was war Ihre erste Reaktion, als Ihnen dieses Projekt vorgeschlagen wurde?

Christian Zanzotti: Ich kannte das Unternehmen seit seiner Gründung und fand bereits damals den Ansatz, mit einfachen und leichten Elektrovehikeln den Mobilitätsmarkt aufzumischen, hoch spannend. Über die Anfrage, unu beim Designprozess zu unterstützen, habe ich mich daher sehr gefreut, auch wenn relativ schnell klar wurde, dass wir sehr spät im Designprozess mit eingebunden wurden.

formfaktor: Das war sicher eine Herausforderung?

Christian Zanzotti: Die technische Entwicklung des unu Scooters war zum Zeitpunkt, als unser Studio hinzugezogen wurde im Vergleich zum Produktdesign bereits sehr fortgeschritten. So wurden im Vorfeld auch für das Design relevante Vorgaben und Fahrzeugfeatures definiert, welche es zu beachten gab. Die Herausforderung bestand darin, in sehr kurzer Zeit zu verstehen, welche Freiheiten wir von Package und Herstellungsseite noch hatten, um das Produkt optisch auf ein gutes Level zu bringen.

formfaktor: Was muss ein zeitgemäßer E-Roller können und bieten?

Elias Atahi: Elektromobilität ist immer noch ein neues, etwas unnahbares Thema. Um den Leuten die Angst zu nehmen, sollten Designer den Fokus darauf legen, das Fahrzeug funktional sowie ästhetisch möglichst nahbar zu gestalten. Die gesamte Handhabung muss intuitiv sein – vor allem jedoch neue, noch unvertraute Aspekte wie das Laden des Fahrzeuges müssen einladend sein und bereits beim ersten Mal ohne Fragezeichen von der Hand gehen. Zudem haben wir zum Beispiel Wert darauf gelegt, dass das Fahrzeug einladend, human und warm wirkt, vom visuellen bis hin zum auditiven Erlebnis.

formfaktor: Mit welchem Designansatz sind Sie generell an dieses Projekt herangegangen?

Christian Zanzotti: Die Gestaltung des Produktes sollte die Vision eines smarten Scooters unterstreichen. Das Designteam von unu hatte vorab Designprinzipien und formale Ansätze erarbeitet, welche von unserer Seite in die formale Gestaltung implementiert wurden. Ähnlich zu CE Devices sollte die Gestaltung selbstverständlich und zurückhaltend wirken. Funktionalität und Verwendung liegen im Vordergrund, Intuition und gute Lesbarkeit spielen dabei eine zentrale Rolle.

Der neue unu Scooter ist einfach smart. Christian Zanzotti

 

formfaktor: Bei Ihrem E-Roller geht es um Funktionalität, Zugänglichkeit und Einfachheit. Es ist aber auch ein cooles Ding geworden. Liegt in dieser Fokussierung auf die Funktion die ästhetische Qualität?

Elias Atahi: Die Frage ist, was cooles Design am Ende wirklich bedeutet. Die Designprinzipien von Dieter Rams, der die letzten Jahrzehnte Produktdesign maßgeblich geprägt hat, fordern zum Beispiel, dass gutes Design ein Produkt brauchbar und verständlich macht. Funktionalität und ästhetische Qualität sind keine Gegenspieler, sondern funktionieren meiner Ansicht nach nur Hand in Hand. Design ist nicht Kunst (auch wenn das manche Designer gerne so sehen) – sondern hat ganz klar die Aufgabe, Probleme für Menschen zu lösen. Unser Ziel beim neuen unu Scooter war, dass man das Produkt anschaut – und ohne Anleitung intuitiv versteht, wie es funktioniert und zu bedienen ist. Wir sind extrem stolz auf das Ergebnis.

formfaktor: Was bedeutet intuitives Design bei einem E-Roller?

Christian Zanzotti: Intuitives Design beginnt mit seiner Zugänglichkeit. Durch seine unaufgeregte, freundliche Erscheinung, wird der Benutzer förmlich eingeladen, den Scooter zu verwenden. Seine Funktionen sind auf das Essenziellste reduziert, damit wird die Bedienung bereits vor der ersten Berührung verständlich, die Verwendung in sekundenschnelle möglich. Eigenschaften, die vor allem auch beim Sharing Voraussetzung für ein erfolgreiches Produkt sind.

formfaktor: Sie haben eine ganze Reihe von Industrieprodukten designt – auch im Mobilitätsbereich. Was möchten Sie mit der Gestaltung eines „Fahrzeugs“ erreichen? Was ist Ihr Ziel?

Christian Zanzotti: Die Gestaltung eines Produktes und somit auch die eines Fahrzeugs hängt von sehr vielen Faktoren ab. In erster Linie suchen wir nach dem idealen Produkt, maßgeschneidert für den einen speziellen Kunden. Unabhängig davon, ob der Kunde limitierte Sonderauflagen oder ein Produkt für die breite Masse produziert, ist es unser Ziel, Produkte zu gestalten, die der Benutzer schätzt und die durch gute Qualität und langlebiges Design so lange wie möglich ihre Relevanz und somit Berechtigung behalten.

formfaktor: Was finden Sie beim unu besonders gelungen und warum?

Christian Zanzotti: Der Scooter besticht nicht durch ein spezielles Feature, sondern durch sein Gesamtkonzept. Die Summe der einzelnen Details, das choreografierte Zusammenspiel zwischen Interaktionen und Funktionen zwischen Digitalem und Physischen heben die User Experience auf ein nächstes Level.

formfaktor: Ein wichtiges Thema in Sachen Zugänglichkeit ist auch der Preis. Der unu Scooter soll leistbar sein.

Elias Atahi: Das Fahrzeug muss preislich eine echte Alternative zu Benzinfahrzeugen sein – die breite Masse ist nicht bereit, erheblich mehr für ein Elektrofahrzeug auszugeben. Das ist uns beim ersten Produkt, dem unu Scooter Classic, durch unser neues Geschäftsmodell (direct-to-consumer: keine Zwischenhändler, Lieferung direkt zum Endkunden nach Onlinebestellung) sehr gut gelungen: Mit 1790 Euro war er trotz wesentlich höherer Kosten preislich auf dem Niveau von Benzinfahrzeug-Äquivalenten. Beim neuen Roller, wo wir die Produktqualität ein gutes Stück hochgeschraubt haben und mit den intelligenten Komponenten und der Vernetzung neue Kostenfaktoren haben, war das eine wesentlich größere Herausforderung. Diese gehen wir jetzt so an, dass wir ein neues Preismodell anbieten, das sich auf monatliche Zahlung (ab 69€) fokussiert.

formfaktor: Welche Zielgruppen wollen Sie mit dem neuen unu ansprechen?

Elias Atahi: Der Grund warum wir unu vor knapp sechseinhalb Jahren gegründet haben, war, dass wir Menschen in der Stadt ermöglichen wollten, uneingeschränkt das volle Potenzial des Stadtlebens zu nutzen. Dementsprechend fokussieren sich unsere Produkte und Services auf alle Leute, die in der Stadt mobil sein möchten. Ein besonderes Augenmerk haben wir auf die Creative Class, also die Macher, Kreativen, Kulturschaffenden in der Stadt gelegt, die wir in ihrem Tun unterstützen möchten – da wir alle gemeinsam davon profitieren.

formfaktor: Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Mobilität in Städten aus?

Elias Atahi: Mobilität der Zukunft muss folgende Kriterien erfüllen: sie muss sauber, bezahlbar, unkompliziert und schnell sein. Für uns gibt es in den nächsten 10 Jahren genau eine Mobilitätsform, die all diese Kriterien maximal erfüllt: gemeinschaftlich genutzte Flotten von elektrischen, autonom fahrenden Fahrzeugen, die man auf Abruf bestellen kann. Darauf zielen unsere drei Produktgenerationen bei unu auch ab: die erste Generation hat sich auf die Elektrifizierung fokussiert, die zweite fokussiert sich nun auf Vernetzung (und die Expansion in weitere Fahrzeugkategorien) und die dritte dann auf autonomes Fahren.

 

Der neue unu Scooter ist bereits jetzt vergünstigt als Pre-Order verfügbar und wird ab Frühling 2020 an Kunden ausgeliefert.

 

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