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Unter der Brücke – Eine Hymne an Genua

von redaktion
Der Rote Kreis in Genua

Das Mailänder Büro Stefano Boeri Architetti hat gemeinsam mit Metrogramma Milano und Inside Outside den Wettbewerb für die Gestaltung des Parco del Ponte in Genua gewonnen. Am Ort der tragischen Ereignisse, dem Einsturz der Morandi-Brücke, im August 2018 wird direkt unter der neuen Brücke von Renzo Piano eine Art Symbol für Lebenskraft und Zukunftsfähigkeit entstehen, das über das Polcevera-Tal hinaus auf die ganze Stadt ausstrahlen soll. Das Siegerprojekt trägt den Titel „The Polcevera Park and The Red Circle“ und sieht einen großen roten Stahlring vor, der unter der neuen Brücke verlaufen wird und auf dem sich Fußgänger und Radfahrer bewegen können. Als weithin sichtbares Zeichen der geplanten erneuerbaren Energieerzeugung mittels Solarkollektoren und Photovoltaik, steht der rote Windturm. Insgesamt besteht der Entwurf aus einem System von Parks mit unterschiedlichen Bepflanzungen und einer Infrastruktur, die auf nachhaltige Mobilität und smarte Gebäude für Forschung und Entwicklung ausgerichtet ist. Das Gestaltungskonzept soll das derzeitige Image des Tals als einem verwahrlosten Ort, in ein Gebiet der nachhaltigen Innovationen verwandeln und sogar ein Zeichen für die Erneuerung von Genua selbst sein.

Der rote Stahlkreis verbindet die beiden Seiten des Tals nicht nur symbolisch. Es ist eine organische Schleife, die zwischen den Gebäuden hindurchführt und von vielen Stellen aus zugänglich ist. Ein Highlight ist der große urbane botanische Garten, der Polcevera Park, der unter der neuen Brücke hindurchführt. Petra Blaisse vom niederländischen Studio Inside Outside erklärt: „Das Landschaftsprojekt besteht aus einer Struktur von parallelen Streifen, die das ganze Gebiet durchziehen und die unterschiedliche Gartentypen repräsentieren, was die Biodiversität des gesamten Gebietes erhöht…Es gibt einen Zick-Zack-Weg, der rechtwinkelig zu den linearen Gärten angelegt ist und die einzige Verbindung zwischen Ost und West darstellt, abgesehen vom Roten Kreis. Dieser quert die Grünstreifen in erhöhter Position und schafft Verbindungen, die es bisher nicht gab, was Radfahrern und Fußgängern die Möglichkeit eröffnet, sehr leicht überallhin zu gelangen.“ Im Zentrum des Parks ist „Genova in the wood“ angesiedelt, eine Installation mit 43 Bäumen von Luca Vitone, die dem Andenken an die Opfer der Tragödie vom 14. August 2018 gewidmet ist. Auch auf der sehr reduzierten Brücke von Renzo Piano werden 43 hohe Straßenlaternen entstehen.

Andrea Boschetti, Mitgründer von Metrogramma meint, dass dieses Projekt nicht nur in architektonischer und stadtplanerischer Hinsicht wichtig sei, sondern vor allem von einem sozialen Blickwinkel her. „Aus diesem Grund musste dieses Projekt zuallererst eine Hymne an das Leben sein. In erster Linie für die Menschen, die hier leben und arbeiten. Wir wollten unbedingt die Farben und Gerüche des Mittelmeers hereinbringen, für das Genua ein weltweites Symbol ist. Unser Ziel ist es, ein zusammenhängendes urbanes System zu errichten, das sozial aktiv und innovativ ist, um nicht nur dieses Gebiet, sondern die ganze Umgebung zu revitalisieren. Dazu müssen wir es in eine Attraktion verwandeln“, sagt Boschetti.

Stefano Boeri fasst zusammen: „Der Rote Kreis, der Turm, die World Buildings und der Polcevera Park mit seiner lebendigen, botanischen Vielfalt werden als Genuas Willkommensgruß für die Passanten der Zukunft sein…Ein Netzwerk aus Infrastrukturen, das sich von Ost nach West zieht und Italien mit Europa verbindet…Obwohl sie von Melancholie und harten, ewigen Widersprüchen gezeichnet ist, ist Genua eine großartige Stadt. Eine Stadt aus Stahl und Meer, geformt aus Wind und Tragödien, aber immer wieder dazu fähig, stolz aufzustehen.“

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