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Volvo macht digitale Sicherheits-Bibliothek zugänglich

von redaktion

Anlässlich des 60. Geburtstages des Dreipunktsicherheitsgurts hat Volvo angekündigt, die Erkenntnisse aus seiner jahrelangen Unfallforschung frei zugänglich zu machen. Indem der schwedische Autobauer dieses Wissen der gesamten Automobilindustrie zur Verfügung stellt, wird der Volvo Vision 2020 noch einmal Nachdruck verliehen. Diese besagt, dass kein Insasse eines Volvo-Fahrzeugs ab dem kommenden Jahr bei einem Unfall mehr getötet oder schwer verletzt werden soll. In diesem Zusammenhang hat das Unternehmen unlängst drei Sicherheitsprobleme kommuniziert, die noch zu lösen seien: zu schnelles Fahren, Rauschmitteleinfluss und Ablenkung. Mit der Veröffentlichung seiner sicherheitsrelevanten Forschung folgt Volvo dem Claim „Gesellschaftlicher Fortschritt ist wichtiger als finanzieller Gewinn“. Diese umfassenden Informationen sollen insgesamt zu mehr Verkehrssicherheit beitragen, Geheimniskrämerei in der Industrie habe dabei keinen Platz.

Auch der Dreipunktsicherheitsgurt (von Volvo 1959 eingeführt) wurde zugunsten der Verkehrssicherheit damals mit anderen geteilt. Die jüngste Initiative Project E.V.A. (Equal Vehicles for All) folgt dieser Tradition. Das Projekt feiert aber nicht nur 60 Jahre Forschung im Bereich der Fahrzeugsicherheit, sondern zeigt auch ein neues oder besser immer noch bestehendes Problem auf: die geschlechtliche Ungleichheit bei der automobilen Sicherheitsentwicklung. Basierend auf hauseigenen Forschungsdaten und mehreren anderen Studien, veranschaulicht das Projekt E.V.A., dass Frauen bei einem Unfall ein höheres Risiko für bestimmte Verletzungen haben. So erleiden sie aufgrund von Unterschieden in der Anatomie und der Nackenstärke häufiger Schleudertraumata. Aus diesem Grund entwickelte Volvo virtuelle Crashtest-Dummies, um Unfälle besser zu verstehen und Sicherheitstechnik zu entwickeln, die Männer und Frauen gleichermaßen gut schützt. Die erste daraus resultierende Technik war das im Jahr 1998 eingeführte Schutzsystem WHIPS, das zum besonderen Aussehen der Sitze und Kopfstützen von Volvo geführt hat. „Wir haben aus dem wirklichen Leben Daten über Zehntausende Unfälle. Sie helfen uns dabei, unsere Autos im Alltag so sicher wie möglich zu machen“, sagt Lotta Jakobsson, Professorin und Senior Technical Expert im Volvo Cars Safety Centre. „Unsere Autos werden mit dem Ziel entwickelt, alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Größe, Form und Gewicht und von der ‚Durchschnittsperson‘, die von Crashtest-Dummies verkörpert wird, zu schützen.“

Rasen, Drogen und Ablenkung

Vor einiger Zeit hat Volvo angekündigt, die Höchstgeschwindigkeit in Volvo-Pkws ab 2020 mit 180 km/h zu begrenzen. Damit sagt das Unternehmen einem der drei häufigsten Unfallursachen den Kampf an: dem Schnellfahren. Dazu hat der Hersteller nun auch einen Schlüssel mit integriertem Tempolimit vorgestellt. Ab Modelljahr 2021 soll der Care Key für alle neuen Fahrzeuge verfügbar sein. Die Fahrerin kann damit eine Höchstgeschwindigkeit festlegen, wenn sie ihr Fahrzeug an andere verleiht. Die Verantwortlichen bei Volvo denken hier vor allem an Fahranfänger in der Familie. „Wir glauben, dass Automobilhersteller die Pflicht haben, die Verkehrssicherheit zu verbessern“, sagt Volvo-CEO Håkan Samuelsson. „Unsere unlängst bekannt gegebene Geschwindigkeitsbegrenzung passt zu dieser Denkweise, der Care Key ist ein weiteres Beispiel dafür. Viele wollen ihr Auto mit Freunden und Familienmitgliedern teilen, wissen aber nicht, wie sie für deren Sicherheit auf der Straße sorgen können. Der Care Key ist hierfür eine gute Lösung.“

Weitere Maßnahmen betreffen die Ablenkung und den Rauschmitteleinfluss. Hier will Volvo mit Kameras und Sensoren Abhilfe schaffen. Das System beobachtet den Zustand des Fahrers und greift ein, wenn dieser nicht auf Warnsignale reagiert und Unfälle mit schwerwiegenden Folgen drohen. Ein derartiger Eingriff könnte eine Reduzierung der Geschwindigkeit, die Benachrichtigung der Volvo on Call Einsatzzentrale und im letzten Schritt sogar das Abbremsen und sichere Parken des Fahrzeugs umfassen. „Wenn es um Sicherheit geht, wollen wir lieber Unfälle vermeiden, statt ihre Folgen zu reduzieren. In diesem Fall überwachen Kameras das Verhalten, das zu schweren Verletzungen oder zum Tod führen kann“, erläutert Henrik Green, Senior Vice President für Forschung und Entwicklung bei der Volvo Car Group. Beispiele für ein solches Fehlverhalten sind fehlende Lenkbewegungen über einen längeren Zeitraum, geschlossene Augen oder längere Zeit von der Straße abschweifende Blicke, das Fahren von Schlangenlinien sowie extrem lange Reaktionszeiten. Die Einführung der Kameras soll Anfang der 2020er Jahre mit der nächsten Generation der von Volvo entwickelten, skalierbaren SPA2 Produkt-Architektur starten.

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