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3daysofdesign 2026: Warum in Kopenhagen die Zukunft von Designevents stattfindet

von Markus Schraml
Motto der 3daysofdesign 2026: Make This Moment Matter. Artwork von On Display

Trends gehen auch bei Möbelmessen und Designevents in Wellenbewegungen vor sich. Während sich einige Veranstalter im Wellental befinden, reiten die 3daysofdesign zunehmend auf der Wellenkrone dahin. Die Gründe dafür liegen einerseits darin, dass es sich um keine Messe handelt, sondern dass sich die Besucher mitten durch die Stadt bewegen. Showrooms, Galerien, historische Gebäude und Flagshipstores bieten ganz andere Erlebnisse als ein auf Effizienz ausgerichtetes Messegelände. Dazu kommt die Stärke der skandinavischen Möbelmarken, der ideale Juni-Termin und die Überschaubarkeit. Im Kern zeigt sich in Kopenhagen, wie die internationale Designbranche heute arbeiten und leben möchte. 3daysofdesign verbindet Gestaltung, Architektur, Gastronomie, Stadtleben und Networking zu einem Gesamterlebnis. Hier nun einige Highlights aus Sicht der FORMFAKTOR-Redaktion.

Spiel, Material und kulturelle Identität

Zu den sympathischsten Präsentationen zählt PLAYROOM am St. Nikolaj Plads 25A. Die finnischen Marken Durat, Johanna Gullichsen und Finarte verwandeln den Ausstellungsraum in ein farbenfrohes Labor für Kreativität und Interaktion. Inspiriert von traditionellen finnischen Spielen wird Design hier nicht als fertiges Produkt verstanden, sondern als offener Prozess des Entdeckens.

Einen anderen Zugang wählt die Ausstellung MÆRK in Kvindernes Bygning / Hotel Cecil. Im Mittelpunkt stehen Materialien, Oberflächen und haptische Erfahrungen. Statt spektakulärer Inszenierungen geht es um Wahrnehmung, handwerkliche Prozesse und die Frage, wie Objekte über Berührung und Materialität wirken. Die kuratierte Schau versammelt 16 Designerinnen und Designer und zeigt eindrucksvoll die Vielfalt materialgetriebener Gestaltung.

Mit „A Path of Gestures“ präsentiert OCHRE erstmals Arbeiten aus Armenien bei den 3daysofdesign. Textilien, Keramik, Stickerei und Wolle erzählen von handwerklichem Wissen, kultureller Weitergabe und der Bedeutung des Machens in einer zunehmend digitalisierten Welt.

Nachhaltigkeit im Fokus

Der American Hardwood Export Council (AHEC) setzt gemeinsam mit Mitre & Mondays auf ein immersives Ausstellungserlebnis. „Wood for the Trees“ ist im historischen Hafenlagerhaus Gammel Dok im Stadtteil Christianshavn zu sehen und führt die Besucher gedanklich mitten in den Wald. Die Installation untersucht die ökologischen und gestalterischen Potenziale amerikanischer Laubhölzer und übersetzt die Inhalte des Dokumentarfilms „Forested Future“ in eine räumliche Erfahrung.

Auch Aesop beschäftigt sich mit nachhaltigen Materialien. In den Stores in Nyhavn und Kronprinsensgade zeigt die Marke gemeinsam mit dem australischen Studio OTHER MATTER Anwendungen auf Algenbasis. Überdimensionale Produktformen und biologisch abbaubare Installationen verbinden Forschung, Markenkommunikation und Designexperiment.

Neue Möbel und Designklassiker

Im House of Design (Frederiksgade 1) dekonstruiert USM sein ikonisches Möbelsystem. Die Installation „GREATERTHANTHESUM“ zerlegt das USM Haller Möbel in seine Einzelteile und macht sichtbar, weshalb das modulare System seit mehr als sechs Jahrzehnten Bestand hat. Das Ergebnis ist zugleich Designanalyse und Hommage an zeitlose Anpassungsfähigkeit.

Für einen ungewöhnlichen Blick auf Nachhaltigkeit sorgt der kasachische Designer Daniyar Uderbekov. Sein Sessel „10 Nodes“, aus Filz, recyceltem PET und Holz gefertigt, verbindet nomadische Traditionen Zentralasiens mit zeitgenössischem Möbeldesign. Zu sehen ist das Projekt bei 3XN Architects an der Kanonbådsvej 8.

Hem nutzt die Gruppenausstellung „Design Starts on Paper“ auf Papirøen für die Premiere des „Min Chair“ von Max Lamb. Der aus massiver Kiefer gefertigte Stuhl reduziert die Sitzmöbeltypologie auf ihre elementarsten Bestandteile und verkörpert die charakteristische Direktheit des britischen Designers.

Licht als Erlebnis

Licht spielt 2026 eine besonders starke Rolle. Foscarini feiert das 20-jährige Jubiläum der von Marc Sadler entworfenen Bogenleuchte Twiggy. Die Neuinterpretation eines Designklassikers zeigt, wie technische Innovation und zeitlose Gestaltung zusammenfinden können.

Im historischen Helligaandshuset präsentiert Vibia gemeinsam mit dem Studio Note die Ausstellung „CENTER“. Licht wird hier nicht bloß gezeigt, sondern räumlich erfahrbar gemacht. Architektur, Atmosphäre und Begegnung verschmelzen zu einem stillen Gegenpol zur Hektik der Stadt.

Teil der großen Framing-Ausstellung im Rokoko-Palais Odd Fellow Palace sind auch Ethimo und Brokis. Während Ethimo mit den Neuheiten Oleia und Sofia mediterrane Outdoor-Welten inszeniert, zeigt Brokis neue Leuchtenkollektionen wie Arcade+ und Starcloud und unterstreicht damit die anhaltende Bedeutung hochwertiger Lichtgestaltung.

Räume für Begegnung

Zu den atmosphärisch stärksten Installationen zählt „A Moving Presence“ von Karimoku Case und Dynaudio in der Møntergade 19. In einem von Norm Architects gestalteten Flagshipstore verschmelzen Architektur, Materialität und Klang zu einer multisensorischen Erfahrung rund um das Soundsystem Opus One.

Auch Secolo und TABLEAU setzen auf Gemeinschaft und Austausch. Die Installation „The Drawing Room“ in der TABLEAU Gallery (Vimmelskaftet 41A) wird von einem bis zu zehn Meter langen modularen Sofa dominiert. Florale Wandzeichnungen und großzügige Sitzlandschaften machen die Galerie zu einem Ort der Begegnung und des gemeinsamen Erlebens.

Zukunft von Designevents

Die 3daysofdesign beweisen einmal mehr, dass die Zukunft von Designveranstaltungen nicht in immer größeren Messehallen liegt. Kopenhagen setzt auf Stadtraum, Erlebnisqualität und kuratierte Vielfalt. Gerade diese Mischung aus Design, Architektur, Handwerk, Kultur und Gastfreundschaft macht die Veranstaltung aktuell zu einem der spannendsten Treffpunkte der internationalen Kreativszene.


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