Im Gewerbemuseum Winterthur wird der Ziegelstein zum Protagonisten einer Ausstellung, die weit über reine Baugeschichte hinausgeht. „Backstein Reloaded“, zu sehen von 12. Juni bis 1. November 2026, untersucht den traditionsreichen Baustoff als kulturelles, gestalterisches und technologisches Phänomen. Ausgangspunkt ist ein Material, das seit der Antike Städte prägt – von den Mauern Roms bis zu zeitgenössischen Fassaden.
Die Schau versammelt rund fünfzig Arbeiten aus Architektur, Kunst und Design und zeigt, wie wandelbar der Ziegel bis heute geblieben ist. Im Mittelpunkt stehen Herstellungsverfahren, ökologische Fragen und neue gestalterische Ansätze. Dabei wird deutlich, dass der gebrannte Stein längst mehr ist als bloßes Baumaterial: Er ist Identitätsträger, Ornament und Ausdruck regionaler Baukultur.
Besonders spannend ist der Blick auf Winterthur selbst. Das ehemalige Industriezentrum wurde über Jahrzehnte von unverputzten Ziegelbauten geprägt. Fabrikhallen, Arbeitersiedlungen und Villen erzählen noch heute vom Zusammenspiel der Maschinenindustrie rund um Sulzer und der regionalen Ziegeleien in Pfungen und Dättnau. Die Ausstellung macht sichtbar, wie sehr der Ziegel das Stadtbild und damit auch das Selbstverständnis der Stadt formte.
Auch die Gegenwart der Schweizer Ziegelproduktion spielt eine zentrale Rolle. Der Baustoff wird hierzulande weiterhin in großem Maßstab hergestellt: An 19 Standorten produzieren Schweizer Unternehmen jährlich rund 815 Tonnen Ziegelsteine – nahezu genug, um den gesamten Inlandbedarf zu decken. Gleichzeitig arbeitet die Branche an neuen Lösungen für nachhaltiges Bauen. Forschungsprojekte der Hochschule Luzern zeigen begrünte Keramikfassaden oder experimentelle Oberflächen, die digitale Produktionsprozesse nutzen.
So wird „Backstein Reloaded“ zu einer Ausstellung über Materialkultur, industrielle Geschichte und die Zukunft des Bauens zugleich.