Home ArchitectureDekolonisierung des Raums: Omar Degan und die erste Pan-Afrikanische Biennale

Dekolonisierung des Raums: Omar Degan und die erste Pan-Afrikanische Biennale

von Markus Schraml

Architektur in Afrika wird oft durch eine externe Brille betrachtet – geprägt von Klischees über Instabilität oder koloniale Erbstücke. Der Architekt Omar Degan bricht radikal mit dieser Sichtweise. Im Gespräch mit dem Louisiana Channel stellt er ein Projekt vor, das die globale Wahrnehmung des Kontinents grundlegend verändern soll: die erste Pan-Afrikanische Biennale (PAB), die für das Jahr 2026 geplant ist.

Die Vielfalt der Identitäten

Für Degan ist die Vorstellung einer einheitlichen „afrikanischen Architektur“ ein Trugschluss. Er betont die immense Diversität eines Kontinents mit über 3.000 Sprachen und acht Klimazonen. „Kongo ist nicht Marokko, Marokko ist nicht Kap Verde und Kap Verde ist nicht Äthiopien“, erklärt er pointiert. Die Biennale soll diese Vielfalt sichtbar machen, indem sie 54 Praktiker aus allen 54 Ländern Afrikas zusammenbringt.

Degan, der 1990 in Italien geboren wurde und das Büro DO Architecture Group leitet, sieht Architektur als politisches Instrument. Sein Ziel ist die Dekolonisierung: Weg von importierten westlichen Modellen, hin zu einer Praxis, die in lokalen Realitäten verwurzelt ist – von Korallengestein an der Küste des Indischen Ozeans bis zur Lehmarchitektur in Mali.

Das Zentrum des Diskurses verschieben

Die Dringlichkeit seines Vorhabens untermauert Degan mit demografischen Fakten: „Bis 2050 wird jeder vierte Mensch auf der Welt Afrikaner sein. Das bedeutet, dass der Kontinent von keinem Gespräch, das die Menschheit betrifft, ausgeschlossen werden kann.“ Mit der Biennale will er Afrika nicht mehr als Objekt der Beobachtung, sondern als eigenständigen Produzenten von Wissen und Kultur positionieren.

„Mit dieser Biennale wollen wir den Diskurs verschieben und letztlich das Zentrum des globalen Diskurses auf Afrika verlagern“, sagt er. In seinem eigenen Büro arbeitet Degan oft in fragilen Kontexten und Krisengebieten. Für ihn ist Architektur eine Form des kulturellen Widerstands und der Identitätsbildung. Ganz in diesem Sinne soll die Biennale 2026 eine Manifestation afrikanischer Selbstbehauptung im 21. Jahrhundert werden.

Videocredits & Sponsoren

Interview: Marc-Christoph Wagner (Louisiana Museum of Modern Art, Dezember 2025), Kamera & Schnitt: Jarl Therkelsen Kaldan, Produktion: Marc-Christoph Wagner, Copyright: Louisiana Channel, Louisiana Museum of Modern Art, 2025. Unterstützung: durch Den A.P. Møllerske Støttefond und Ny Carlsbergfondet. Dieser Film wurde durch den Dreyers Fond gefördert.


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