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Ausstellungsrundgang: Von Luxus, Schönheit und Kochen als Design

von Peter Landsmann
Food Revolution 5.0

Der Herbst ist die perfekte Jahreszeit, um ein Museum oder eine Galerie aufzusuchen und damit Regen, Nebel und Kälte zu entkommen. Reiselustige Zeitgenossen*innen finden, über ganz Europa verteilt, faszinierende Ausstellungen, die Geist und Herz erwärmen. Die Bandbreite reicht von Robotik über Wolkenkratzer bis hin zu der Frage – Was ist eigentlich Luxus?

Unser Ausstellungsrundgang beginnt in der Schweiz. Im Gewerbemuseum Winterthur läuft noch bis 4. November die Schau „Hello, Robot. Design zwischen Menschen und Maschine“. Die Ausstellungsmacher untersuchen den aktuellen Boom der Robotik und gehen unter anderem der Frage nach, wie zentral die Rolle des Designs bei Industrie 4.0 oder Lieferdrohnen ist. Im Rahmen von „Hello, Robot“ sorgte vor Kurzem die ETH Zürich mit einem Projekt des Forschungsteams Gramazio Kohler Research für Aufsehen. Ein Roboter baute auf dem Kirchplatz vor dem Gewerbemuseum den „Rock Print Pavillon“. Die verwendeten Materialien waren eine vom Roboter gelegte Schnur (120 Kilometer) und ein Haufen Schotter (30 Tonnen).

Auch die nächste Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur lohnt einen Besuch. Mit „Food Revolution 5.0“ taucht die Schau in die Bereiche In-Vitro-Fleisch, Gemüse aus Indoor-Farmen oder Proteine aus Algen und von Mehlwürmern ein. Präsentiert werden rund 50 Konzepte und Visionen, wie wir uns in Zukunft möglicherweise ernähren werden. Essen ist in Form gebrachtes Material zum Zweck der Nährstoffaufnahme – es ist also designt. Food Design gehört sogar zu den frühesten Gestaltungsmaßnahmen des Menschen und Kochen ist eine der ersten kulturellen Handlungen. Die Ausstellung wird von einer Reihe von Workshops, Talks, und Führungsangeboten begleitet, beginnt am 2. Dezember und dauert bis 28. April 2019.

Noch einmal Winterthur. Das hervorragende Fotomuseum feiert sein 25-jähriges Jubiläum. Unter dem Motto „Gemeinsam Geschichte(n) schreiben“ (20. Oktober 2018 bis 10. Februar 2019) steht das Teilen gemeinsamer Erinnerungen im Fokus. Dazu wurden Weggefährten*innen von der Entstehung des Museums bis heute eingeladen, ihr jeweiliges Lieblingsstück aus der Sammlung des Hauses auszuwählen. Direktorin Nadine Wietlisbach ergänzt diese Auswahl um weitere Werke, die den Blick auf die Zukunft des Museums richten.

Was ist Luxus? Dieser Frage geht das Cube Design Museum im niederländischen Kerkrade nach. Dabei geht es nicht nur aber auch um schillernder Statussymbole. Zuallererst ist Luxus allerdings sehr relativ und hängt vom kulturellen Hintergrund, der Herkunft und den monetären Möglichkeiten ab. Was für den einen selbstverständlich ist, kann für jemand anderen unerreichbarer Luxus sein. Weitere Fragen, die in der Schau gestellt werden: Ist Luxus immer etwas Teures? Was wird Luxus in der Zukunft sein? Kann Luxus nützlich sein? Und – Was macht den ganz persönlichen Luxus aus? Das Streben nach Luxus entspringt dem Bedürfnis, sich von anderen abzuheben. Luxus ist einerseits, dass was alle wollen, sich aber nur wenige leisten können, andererseits sind es Dinge, die einem selbst sehr wichtig sind, – wie etwa Ruhe, Zeit oder Freiraum – die aber im allgemeinen Konsumdogma nur einen untergeordneten Stellenwert haben. Die Ausstellung „Luxury?“ ist noch bis zum 14. April 2019 zu sehen.

Im Desingmuseo in Helsinki widmet sich die aktuelle Ausstellung dem bedeutenden österreichischen Architekten Josef Frank. Der 1885 in Baden bei Wien geborene Frank war nicht nur Architekt, sondern auch begnadeter Gestalter von Textilien und Möbeln. Sein Gestaltungsansatz zielte auf die Zweckdienlichkeit ab, die keinen formalistischen Konzepten unterworfen sein sollte. Nicht repräsentativ sollte es sein, sondern dem Komfort der Bewohner*innen dienen. 1933 musste Frank nach Schweden emigrieren, wo er – auch nach dem Krieg wieder – für Svenskt Tenn gestaltete. Seine bedruckten Stoffe und Möbel, die zum Teil noch immer produziert werden, hatten einen starken Einfluss auf das schwedische Nachkriegsdesign. Die Ausstellung wurde vom Wiener MAK produziert (wo sie vor 2 Jahren zu sehen war) und von Hermann Czech und Sebastian Hackenschmidt kuratiert. Sie läuft im Helsinki Design Museum von 12. Oktober bis zum 17. März 2019.

Apropos MAK Wien: Ab dem 24. Oktober sind die Gedanken und Arbeiten von Stefan Sagmeister und Jessica Walsh zum Thema Schönheit zu sehen. SAGMEISTER & WALSH: Beauty wird das ganze Haus am Stubenring durchziehen und einen Designdiskurs über die Schönheit führen. Dabei wird der oberflächliche Begriff mit rund 70 Objektgruppen sinnhaft und sinnlich mit Argumenten aufgefüllt, die zeigen, dass Schönheit für hochwertiges Design unabdingbar ist. Die Schau lädt zu Interaktionen ein und macht Schönheit auf vielfache Art und mit allen Sinnen erlebbar. Als Hauptthese für eine mögliche Definition von Schönheit identifizieren Sagmeister & Walsh die Symmetrie. Dies wird durch mehrere Installationen untermauert, unter anderem können die Besucher*innen mit einer App symmetrische Strukturen generieren oder einen projizierten Vogelschwarm steuern und dabei entdecken, dass sie ausbalancierte Muster eher bevorzugen. SAGMEISTER & WALSH: Beauty ist eine Kooperation zwischen MAK Wien und dem Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, wo die Ausstellung ab dem 10. Mai 2019 zu sehen sein wird. In Wien haben die Besucher*innen bis zum 31. März 2019 Zeit in die Schönheit einzutauchen.

Die nächste Ausstellung im Design Museum Holon ist dem niederländischen Designer Maarten Baas gewidmet. Unter dem Titel „Hide & Seek“ werden seine spielerischen und mitunter radikalen Arbeiten gezeigt, die sich zwischen Surrealismus und Primitivismus bewegen und die Grenze zwischen Design und Kunst mehrfach überschreiten. Baas selbst sagt, er sei ein Künstler, der Design als ein Werkzeug verwendet. Bekannt wurde Baas 2002 als er an der Design Academy in Eindhoven Designklassiker anzündete und mit Epoxidharz überzog, wodurch sie wieder brauchbar wurden. Diese Serie nannte er „Smoke“. Die Schau „Hide & Seek“ wurde ursprünglich im Groninger Museum als erste große Einzelausstellung gezeigt. Ausstellungsdauer im israelischen Design Museum Holon: 27. November 2018 bis 27. April 2019.

Die Projekte der fünf Finalisten des Internationalen Hochhaus Preises 2018 sind ab dem 3. November im Deutschen Architekturmuseum (DAM) zu bestaunen. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Stadt Frankfurt am Main, der DekaBank und dem DAM vergeben. Ausgezeichnet werden im wahrsten Sinne herausragende Bauwerke, die sich durch innovative Technik, außergewöhnliche Ästhetik sowie besondere Wirtschaftlichkeit hervortun. Kam früher fortschrittliche Hochhausarchitektur nur aus Nordamerika, zeigen die fünf Finalisten, dass zukunftsweisende Wolkenkratzer heute weltweit gebaut werden – vor allem in Asien. Die Finalisten sind: MahaNakhon (Bangkok/Thailand) vom Büro Ole Scheeren (Bangkok) und OMA Office for Metropolitan Architecture (Peking)

Beirut Terraces von Herzog & de Meuron

Torre Reforma (Mexiko-Stadt) von L. Benjamín Romano (Mexiko)

Chaoyang Park Plaza (Peking) von MAD Architects (Peking)

Oasia Hotel Downtown (Singapur) von WOHA (Singapur)

Der Preis, der mit 50.000 Euro dotiert ist, wird am 1. November in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Die Ausstellung läuft bis 3. März 2019.

Zum Schluss ein Abstecher nach Wien, wo Kurzentschlossene noch bis zum 21. Oktober die Gelegenheit haben, sich in der Galerie Westlicht in der Westbahnstraße die Gewinner des World Press Photo Awards anzusehen. Zum Foto des Jahres kürte die Jury das Bild des Agence France-Presse Fotografen Ronaldo Schemidt, der bei Protesten in Caracas den vor der Polizeigewalt fliehenden und brennenden Josè Victor Salazar Balzar aufnahm. Der 28-jährige überlebte mit Verbrennungen ersten und zweiten Grades. Im Wettbewerb wurden in acht Kategorien insgesamt 42 Fotografen*innen ausgezeichnet. Keine leichte Arbeit für die Jury, hatten sich doch 4.548 Fotografen*innen aus 125 Ländern mit insgesamt 73.044 Fotos beworben. Und wer die World Press Photo 18 besucht, sollte es in diesem Zusammenhang nicht verabsäumen, sich auch die Ausstellung „Icons“ von Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger anzusehen, die sich mit der Wahrheit von Fotografie und dem Verhältnis von Authentizität und Konstruktion beschäftigen.

 

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