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bauhausmädels

Lesestoff: Vom Bauhaus bis Katar

Die Anzahl der Veröffentlichungen zum Bauhaus-Jubiläum steigt und steigt. Dabei werden zum Teil bisher wenig bekannte Aspekte dieser Reformbewegung beleuchtet. Lang vergessen waren auch die vielen jungen Frauen, die sich, als 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar eröffnete, um Studienplätze bewarben und mit Feuereifer Männerdomänen eroberten. Leicht war das allerdings für Marianne Brandt, Florence Henri, Grete Stern, Ellen Auerbach, Friedl Dicker, Anni Albers, Otti Berger und viele andere aber nicht, denn die Männer – von Gropius abwärts – behinderten sie bei ihrem Streben und wollten sie am liebsten nur in der Weberei, der „Frauenklasse“ sehen. Dennoch gelang es vielen jungen Künstlerinnen, ihnen bisher verschlossene Berufsfelder zu betreten: Fotografie, Bildhauerei, Architektur oder Industriedesign. Das Buch „Bauhausmädels“, eine Bezeichnung, die den Studentinnen von außerhalb der Schule gegeben wurde, stellt mit an die 400 Fotos, die zwischen 1919 und 1933 entstanden sind, 87 Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen vor und holt sie damit aus der Vergessenheit. (Bauhausmädels. A Tribute to Pioneering Women Artists. Patrick Rössler. In Leinen gebunden, 17 x 24 cm, 480 S., ISBN: 978-3-8365-6353-6. Deutsch, Englisch, Französisch, Verlag: Taschen.)

Um die internationale Wirkung der Bauhaus-Bewegung geht es im bei Scheidegger & Spiess erschienenem Werk „Bauhaus Imaginista“. Es ist das Begleitbuch zur großen Bauhaus-Jubiläumsausstellung im Haus der Kulturen der Welt in Berlin, die danach ab Herbst im Zentrum Paul Klee in Bern zu sehen sein wird. Auf Grundlage eines mehrjährigen Forschungsprojekts wird die globale Rezeptionsgeschichte des Bauhaus nachgezeichnet. Der Schwerpunkt des reich illustrierten Bandes liegt auf der Wechselwirkung zwischen Lehrenden und Studierenden des Bauhaus und außereuropäischen Entwicklungen der Moderne etwa in den USA, Russland, Brasilien, Indien und China. Der Titel der Ausstellung und des Buches zielt auf die neue Vorstellungswelt, die das Bauhaus mit seinen revolutionären Ansätzen eröffnete, ab. (Bauhaus Imaginista. Die globale Rezeption bis heute. Hrsg. v. Marion von Osten und Grant Watson, gebunden, 312 S., 193 farbige und 13 SW Abb., 24 x 30.5 cm, ISBN 978-3-85881-623-8, Verlag: Scheidegger & Spiess)

Nicht in die Ferne, sondern in die Heimat des Bauhaus richtet das Buch „Bauhaus Sachsen“ seinen Blick. Sachsen spielte in der Bauhaus-Ära eine nicht unwichtige Rolle, denn hier fertigte die Möbel-, Textilindustrie Bauhausentwürfe an. Außerdem waren die Leipziger Messen ein wichtiger Faktor, um Bauhaus-Ideen und -Produkte publik zu machen. Museen und Galerien in Dresden, Chemnitz, Zwickau oder Leipzig stellten Werke der Bauhausmeister aus. Eine der wichtigsten Anlaufstellen war das Leipziger Kunstgewerbemuseum / Grassimuseum, das von Beginn an enge Verbindungen zum Bauhaus pflegte. Nicht zuletzt erwarb das Museum Bauhausobjekte für seine Sammlungen. Aus Anlass des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums präsentiert das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig nun (ab 18.4.) einen Überblick über seine Beziehungen zum Bauhaus. Die begleitende Publikation enthält Textbeiträge sowie umfangreiches Bildmaterial aus privaten und öffentlichen Sammlungen und Archiven. (Bauhaus Sachsen. Hrsg.: Olaf Thormann für das GRASSI Museum Leipzig. 24 x 28 cm, Hardcover, 592 S., 390 Abb., Englisch / Deutsch. Mit 85 Beiträgen von 59 Autorinnen und Autoren zu 22 Orten in Sachsen. ISBN: ISBN 978-3-89790-553-5. Verlag: arnoldsche ART PUBLISHERS)

Ebenfalls bei arnoldsche ART PUBLISHERS ist das Buch über eine der zentralen Figuren im Bauhaus-Universum erschienen: Oskar Schlemmer. Ein immer wiederkehrendes Thema bei dem vielseitigen Künstler und Erneuerer ist der Mensch oder die menschliche Figur im Verhältnis zum Raum. Dabei hat sein Idealbild des Menschen Wurzeln in der Antike und im Klassizismus. Das Buch zur Ausstellung im Schloss Friedenstein in Gotha (ab 28. 4.) zeigt Abbildungen bekannter und auch selten abgedruckter Werke Schlemmers. Der Fokus liegt auf den Aquarellen. (Oskar Schlemmer. Das Bauhaus und der Weg in die Moderne. Hrsg.: Stiftung Schloss Friedenstein, Gotha. Mit Beiträgen von Timo Trümper und Ina Conzen. Hardcover, 21 x 27 cm, 96 S., 122 Abb., Deutsch. ISBN 978-3-89790-558-0. Verlag: arnoldsche ART PUBLISHERS)

Ein weiteres Themengebiet, das im Bauhaus seine Anfänge hat, ist die Beziehung von Infografik und Kunst. Hier geht es um Diagramme, Organisationspläne, Angaben auf Schildern oder Produkten – diese Welt bestimmt den visuellen Alltag der Menschen. Es geht darum, Zahlen in Bilder zu verpacken, um das Infotainment. Mit minimalen Mitteln wird stark abstrahiert. Diese Eigenschaft hat Infografik mit vielen Arbeiten aus der Konkreten Kunst gemein. Die Publikation „Gemalte Diagramme. Bauhaus, Kunst und Infografik“ sowie die gleichnamige Ausstellung im Museum für Konkrekte Kunst in Ingolstadt zeigt, wie Ästhetik und Inhalt von Diagrammen auf subversive, ironische oder affirmative Weise in der Kunst eingesetzt werden. Für den Titel ließen sich die Macher vom Werk der Bauhaus-Schülerin Margaret Camilla Leiteritz inspirieren. Insgesamt sind Bilder von rund 30 internationalen Künstler*innen in diesem Buch zu sehen. Es geht aber auch um die Perspektive von Grafiker*innen, die künstlerische Gestaltungsmittel für ihre Zwecke einsetzen. In beiden Fällen kommt es darauf an, wie diese Mittel verwendet werden: zum Erkenntnisgewinn oder zur Manipulation. (Gemalte Diagramme. Bauhaus, Kunst und Infografik. Hrsg.: Theres Rohde, Simone Schimpf, Texte von Walter Krämer, Theres Rohde, Patrick Rössler, Simone Schimpf, Astrit Schmidt-Burkhardt, Michael Stoll. Gestaltung: schnellervorlauf gmbh, Sigrid Lorenz, Ingolstadt. 23 x 29,7 cm, Hardcover, 352 S., 164 farbige u. 79 SW-Abb. Deutsch / Englisch. ISBN 978-3-7356-0553-5. Verlag: Kerber)

Der (Un)Wert des Neuen

Die Zeit des Designs ist das Neue“ lautet die vollmundige Feststellung von Siegfried Gronert und Thilo Schwer im Buch „Positionen der Neuen. Zukunft im Design“. Die beiden Schwergewichte in Geschichte und Theorie des Designs stellen hier Fragen nach Qualität und Sinn des Neuen. Gronert ist unter anderem Vorsitzender der Gesellschaft für Designgeschichte und lehrte von 1993 bis 2011 Geschichte und Theorie des Designs an der Bauhaus-Universität Weimar. Thilo Schwer ist Gestalter und Designwissenschaftler und lehrt seit 2011 an der HfG Offenbach Designtheorie, Designmethodologie und Theorien der Produktsprache. In diesem Band beleuchten die Experten den fragwürdigen Wert des Neuen sowie die Bedingungen der Entstehung von Neuem. (Positionen des Neuen. Zukunft im Design. Gesellschaft für Designgeschichte, Schriften 2. Siegfried Gronert, Thilo Schwer, Hardcover, 17 x 24,5 cm, 192 S., Deutsch, ISBN 978-3-89986-301-7, erscheint im Mai 2019 bei avedition.)

Von der Wissenschaft in den schnöden Alltag der Designer*innen. Zwei hilfreiche Publikationen für Designer*innen und andere Branchenprofis wurden von designaustria herausgegeben: „Design: Kalkulation & Honorar“ sowie „Design: Auftrag & Recht“. Die betriebswirtschaftlichen, berufsrechtlichen Ratgeber sind unter Mitwirkung von Gestalter*innen und Juristen*innen entstanden. Sie bieten Hilfestellung bei der Kalkulation von Kreativleistungen und liefern fachlich fundierte, aktuelle, rechtliche Informationen inklusive Musterverträge, Urheberrechtsauskünfte und Checklisten. (Design: Auftrag & Recht, 92 S., ISBN 978-3-900364-46-5. Design: Kalkulation & Honorar, 104 S., ISBN 3-900364-47-2, beide Bände sind bei designaustria erhältlich.)

Ein Tipp für Freunde von engagierter Kunst ist der Band über die dänische Künstlergruppe SUPERFLEX. Jakob Fenger, Bjørnsterne Christiansen und Rasmus Nielsen kreieren humorvoll-subversive Installationen und Filme, die sich mit Themen wie der Finanzkrise, Korruption, Migration und den möglichen Folgen der Erderwärmung beschäftigen. Durch die Vorort-Verankerung ihrer Projekte werden Betrachter zur Teilnahme eingeladen. Dieser Katalog begleitet die erste umfassende museale Schau der Gruppe in den USA (noch bis 21. April) und dokumentiert Videoarbeiten, Skulpturen und Installationen, die für Städte wie Miami im Hinblick auf Klimawandel und Immigration von Bedeutung sind. Die Publikation erscheint in Zusammenarbeit mit dem Museum of Art and Design des Miami Dade College (MOAD). (Superflex. We Are All in the Same Boat. Texte v. Jacob Fabricius, Rina Carvajal, Stephanie Wakefield, Gean Moreno, George Yudice, Mark von Schlegell, Gestaltung: Rasmus Koch, Broschur, 12 x 17 cm, 192 S., 72 Abb., Englisch, ISBN 978-3-7757-4510-9. Verlag: Hatje Cantz)

Zum Abschluss unserer Bücherempfehlungen noch ein Abstecher in den Nahen Osten. Das im Hirmer Verlag erschienene Buch „Qatari Style“ hat den vielseitigen architektonischen Stil des Golfstaates Katar zum Thema, der sich auch im Interieur durch eine gelungene Verbindung aus traditionellen und modernen Elementen fortsetzt. Der katarische Architekt Ibrahim Mohamed Jaidah zeigt in dieser Publikation einige hervorragende Beispiele der Innenarchitektur seines Heimatlandes, die neue Einflüsse mit lokalen Stilen auf eigenständige Weise fusioniert. (Qatari Style. Ibrahim Mohamed Jaidah. Leinen mit Schutzumschlag, 25 x 27 cm, 224 S., 175 Abb., Englisch, ISBN: 978-3-7774-3097-3, Verlag: Hirmer)

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