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Be cool! Sommer im Museum

von Caroline Wanderberg
Ausstellungen im Sommer

Wer den hohen Temperaturen und der Freizeitbeschäftigung mit Sportcharakter entkommen will, kann im Museum Zuflucht suchen. Erholung wird an derartigen Orten sowohl in intellektueller als auch körperlicher Hinsicht erfahren. Während Theaterfreunde auf den Herbst warten müssen und maximal bei Sommerfestivals zweifelhaft unterhalten werden, steht Kunst- und Designinteressierten Zeitgenossen*innen Kulturgenuss ohne Pause zur Verfügung. formfaktor bietet im Folgenden eine kleine Auswahl an Ausstellungen, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind und sich idealerweise mit einem Städtetrip verbinden lassen.

Im aut. architektur und tirol in Innsbruck ist das renommierte niederländische Architekturbüro MVRDV zu Gast. Für die Ausstellung „Architecture Speaks: The Language of MVRDV“ setzte sich das weltweit tätige Büro mit dem eigenen Werk, der eigenen Designsprache auseinander. Architektur wird hier als Gestaltung der Zukunft verstanden, was enorme Verantwortung, aber auch Möglichkeiten mit sich bringt. Folgerichtig werden Begriffe wie Nachhaltigkeit, Soziales, Mannigfaltigkeit und Kollektivität in den Fokus gerückt. Die Ausstellung läuft bis zum 28. September 2019.

Weit zurück in die Geschichte der Fotografie, aber auch der Architektur führt eine Ausstellung in der Galerie Westlicht in Wien. Anlässlich des 180. Geburtstags der Fotografie werden Arbeiten des deutsch-französischen Pioniers Édouard Baldus (1813-1889), einem der ersten professionellen Architekturfotografen gezeigt. Die Ausstellung präsentiert Auszüge aus dem Werk Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée aus dem Jahr 1863. Weltweit sind lediglich acht vollständige Exemplare dieses Albums bekannt. Das hier gezeigte befindet sich im Besitz der Fotosammlung OstLicht in Wien. Die knapp 70 großformatigen Abzüge folgen der Bahnstrecke von Paris über Lyon bis ans Mittelmeer und stellen die moderne Verkehrsarchitektur den antiken römischen Monumenten gegenüber. Die Ausstellung läuft noch bis zum 21. Juli 2019.

Ebenfalls in Wien lohnt sich ein Besuch der Schau FOOD REALITIES. Produktion, Design & Technologie im designforum Wien. Die Komplexität von Nahrung und die mit ihr verbundenen Prozesse stehen im Fokus der Ausstellung. Es ist eine aktuelle Bestandsaufnahme unseres Umgangs mit Nahrung. Dabei zeigt sich, dass nahezu jedes Lebensmittel, das auf den Tisch kommt, zuerst mehr oder weniger stark verändert wird. Bis zum 15. September gibt es die Gelegenheit einen Blick auf die Realität unseres Essens zu werfen. Der zweite Teil der Ausstellung mit dem Titel „Das Spiel mit dem Essen“ ist bis 17. November 2019 täglich auf Schloss Hof und Schloss Niederweiden (NÖ) zu sehen. In Schloss Hof liegt der Schwerpunkt auf Handel und Logistik und in Niederweiden wird der Weg von der Greisslerei zum Hightech-Supermarkt präsentiert.

In einem etwas größeren Rahmen beschäftigt sich das V&A Museum in London mit dem Thema Essen. Unter dem Titel „FOOD: Bigger than the Plate“ werden in der Gallery 39 und North Court bis 20. Oktober 2019 Fragen nach der Zukunft unseres Essens gestellt. Essbare Insekten, Labor-Fleisch, Urban Farming, lokale Produktion – das Themenspektrum ist breit. In der Ausstellung untersuchen Künstler, Designer, Köche, Wissenschaftler und Bauern neue Wege, wie der Mensch mit seinem Essen besser umgehen könnte. Und wenn man schon mal in London ist, sollte man es nicht verabsäumen auch die Stanley Kubrick-Ausstellung im Design Museum zu besuchen. Einblick in das Denken des genialen Filmemachers liefern 700 seltene Objekte, Filme, Interviews, Briefe und Fotografien. Filmausstattungen und -settings sind oft wundervolle Bauten, speziell bei Kubrick, außerdem hat die Herstellung eines Films an sich sehr viel mit Design zu tun.

 

Im Vitra Design Museum eröffnet am 20. Juli die Ausstellung „Alexandra Daisy Ginsberg: Better Nature“ – in der Galerie. Im Werk der britischen Künstlerin verschmelzen Poesie und Bedrohlichkeit. Ihr Thema ist das Verhältnis von Natur und Mensch und sie interessiert sich im Besonderen für „Synthetische Biologie“, einer Technowissenschaft, die sich mit dem Design lebender Materie beschäftigt. Die Schau zeigt sechs Werke der ausgebildeten Architektin und Interaktionsdesignerin inklusive zweier neuer Projekte: „Resurrecting the Sublime“ und „The Wilding of Mars“ (beide 2019). Letztere ist eine digitale Arbeit, die erstmals in der Vitra Design Museum Gallery gezeigt wird und in der eine Alternative zur Kolonisierung fremder Planeten vorgeschlagen wird, nämlich eine, die frei von Ausbeutung durch den Menschen ist. Für das andere Projekt hat Ginsberg mit Christina Agapakis (Ginkgo Bioworks) und der Geruchsforscherin und Künstlerin Sissel Tolaas zusammengearbeitet. Die Besucher*innen können hier den Duft einer ausgestorbenen Blume riechen, der mittels DNS-Proben aus dem Pflanzenarchiv der Harvard Universität rekonstruiert wurde. Ausstellungsdauer: bis 24. November 2019.

Die Beauty-Ausstellung von Sagmeister & Walsh im Wiener MAK war ein großer Erfolg. Wer sie verpasst hat, kann den Besuch im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt nachholen, wo die Ausstellung derzeit Station macht (noch bis 15. September). Bei dieser Gelegenheit sollte man auch nicht verabsäumen, einen Blick auf die zeitgenössische muslimische Mode zu werfen, denn mit Contemporary Muslim Fashions zeigt das Frankfurter MAK als erstes Museum in Europa diese Schau. Erarbeitet wurde die weltweit erste umfassende Ausstellung zu diesem Thema an den Fine Arts Museums of San Francisco. Gezeigt werden Entwürfe von Designer*innen des Nahen Ostens, Malaysia, Indonesien sowie Europa und den USA. Im Video geben sich die Models branchenüblich betont selbstbewusst – ein schönes Vorbild für die Frauen der muslimischen Welt. Die Ausstellung läuft bis zum 1. September 2019.

 

 

Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt widmet sich noch bis zum 20. Oktober dem Bauwesen in Bangladesh. Unter dem Titel „Bengal Stream“ wird eine lebendige, kontrastreiche Architekturszene präsentiert. Lokale und internationale Einflüsse, von Bambus bis Beton und viel Ziegel, werden durch 60 Projekte etablierter und junger bengalischer Architekten veranschaulicht. Dies ist eine Ausstellung des S AM Schweizerisches Architekturmuseum in Zusammenarbeit mit dem Bengal Institute for Architecture, Landscapes and Settlements, Dhaka.

Der Umgang des Menschen mit der Natur wird derzeit in einigen Ausstellungen thematisiert. Eine Schau, die das Wort „Nature“ im Titel führt, wurde vom Cooper Hewitt Design Triennial (New York) und vom Cube Design Museum in Kerkrade in den Niederlanden gemeinsam organisiert. Ausgewählt wurden die vielversprechendsten Designs und Projekte der letzten drei Jahre. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten von Neri Oxman, Mathieu Lehanneur, Klarenbeek & Dros, Atelier NL oder auch dem österreichischen Studio mischer‘traxler. In den über 60 Projekten geht es um die umweltverträgliche Nutzung von Ressourcen, den umsichtigen Umgang mit der Natur oder sogar die Wiederherstellung von Natur. Die Ausstellung läuft in Kerkrade bis zum 19. Januar 2020, in New York um einen Tag länger.

 

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