Home Architecture Das Krankenhaus der Zukunft – nach OMA / Reinier de Graaf

Das Krankenhaus der Zukunft – nach OMA / Reinier de Graaf

von Markus Schraml
OMA, Hospital of the Future

Im Rahmen der Ausstellung „Twelve Cautionary Urban Tales” im Matadero Madrid Centre for Contemporary Creation wurde „The Hospital of the Future “, ein 12-minütiger Film von OMAs Reinier de Graaf unlängst veröffentlicht. De Graaf will diesen Kurzfilm als ein visuelles Manifest verstanden wissen, das die vorherrschenden Konventionen des Designs für das Gesundheitswesen infrage stellt, nicht nur in Bezug darauf, wie Krankenhäuser gebaut werden, sondern auch, warum sie so gebaut werden. Dafür untersuchten De Graaf und sein Team die Rolle, die Krankheiten bei der Gestaltung von Städten in der Vergangenheit gespielt haben. Der Film endet mit einem spekulativen Ausblick auf die Zukunft des Designs im Gesundheitsbereich.

Hier der Video-Link zum Kurzfilm „Hospital of the Future“.

„Es ist notwendig, das Krankenhaus neu zu definieren. Unser Wissen über diese Institution steigt und steigt, aber wir scheinen weiter als je zuvor davon entfernt zu sein, uns den richtigen Gebäudetyp dafür vorstellen zu können. Mit der Erforschung und Visualisierung einer Reihe spekulativer Zukünfte möchte dieser Kurzfilm einen kleinen Beitrag leisten“, erläutert OMA-Partner Reinier de Graaf.

The Hospital of the Future ist eine wertvolle Ergänzung zur Ausstellung Twelve Cautionary Tales. Anstatt zu versuchen, Antworten zu geben, wirft er wichtige Fragen zur Zukunft der Stadt in Bezug auf Gesundheit, Wirtschaftlichkeit, Raum und Automatisierung auf“, sagt Ethel Baraona Pohl, Kuratorin der Ausstellung.

Im Angesicht der Pandemie stellt der Film Fragen nach dem neuen Normal, das zweifellos kommen wird. Und danach, was eigentlich das alte Normal bedeutet hat. So waren die europäischen Städte über Jahrhunderte Zentren von Seuchen. Krankenhausgebäude wurden immer größer und größer und ihre Lebensspanne immer kürzer, bis sie schließlich schon vor ihrer Fertigstellung veraltet waren. Das führt die Autoren des Films zur Aussage, dass das Krankenhaus, wie wir es kennen, tot ist. Was bleibt, sei seine kleinste Einheit – das Bett. Berechnet man die tatsächliche Fläche, die ein einziger Patient mit allem Drumherum nach heutigem Standard bräuchte, müssten zeitgemäße Krankenhäuser riesige Flächen einnehmen. Sie müssten so groß sein wie der Central Park in New York oder der Hongkonger Flughafen.

In jedem Fall müsste das Krankenhaus der Zukunft sich in ständiger Veränderung befinden – wie ein Theater, meinen die Autoren. Krankenhäuser könnten etwa, indem sie ihren Müll als Ressource verwendet, sich selbst immer wieder neu errichten. Für Reinier de Graaf und sein Forscher*innenteam wird das Krankenhaus der Zukunft selbsterhaltend sein, wie ein Gewächshaus, das seine eigenen Pflanzen erzeugt. Könnten die benötigten Medikamente dort direkt angebaut und hergestellt werden? Wird dann das Krankenhaus der Zukunft wie ein Logistikzentrum sein, das sortiert und verschickt. Die finale Vision des Films sieht das Krankenhaus der Zukunft als einen Ort, der von niemanden aufgesucht wird. Es funktioniert aus der Ferne, indem Daten dazu verwendet werden, jeden Patienten individuell aus der Ferne zu behandeln, zu überwachen und wenn notwendig Eingriffe vornehmen. So wird das Krankenhaus der Zukunft zu einem „Sternbild der Gesundheit“. Die abschließende Frage, die der Film stellt, ist: Wenn das Krankenhaus der Zukunft von Maschinen bevölkert wird, die einen Großteil der Aufgaben des Personals übernehmen und sie präziser durchführen, wird es dadurch humaner werden? Auf Anhieb würde man diese Frage mit Nein beantworten, weil die allgemeine Ansicht herrscht, dass nur ein Mensch menschlich sein kann. Berücksichtigt man aber die völlige Überlastung des schlecht bezahlten Pflegepersonals, könnte automatisierte Betreuung die Qualität erheblich steigern. Entscheidend wird sein, dass der Primat der Effizienz nicht nach wirtschaftlichen Kriterien, sondern ganz strikt nach Gesundheitsmaßstäben angelegt wird.

Der Film ging aus einem Forschungsprojekt hervor, das 2019 begann und das Reinier de Graaf zusammen mit Hans Larsson und Alex Retegan über die Zukunft des Gesundheitswesens geleitet hat. „The Hospital of the Future” wird bis zum 31. Januar in der Ausstellung Twelve Cautionary Urban Tales zu sehen sein. Der Film wurde mit Unterstützung des Matadero Madrid Centre for Contemporary Creation produziert.

Das Video „Hospital of the Future“ kann hier angesehen werden.

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