Home Design Die Gewinner des Fraunhofer-„Designer in Lab 2021“

Die Gewinner des Fraunhofer-„Designer in Lab 2021“

von Markus Schraml
Designer in Lab 2021, Fraunhofer

Das Netzwerk „Wissenschaft, Kunst und Design“ (WKD) der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedlicher Wissensgebiete. In diesem Rahmen fand der Ideenwettbewerb „Designer in Lab 2021“ statt. Nun wurden die vier Siegerprojekte bekannt gegeben. Diese dürfen sich über eine Fördersumme von jeweils 10.000 Euro freuen. Damit können die Designer*innen nun ihre Ideen in Kooperation mit Forscher*innen der Fraunhofer-Netzwerk-Institute umsetzen.

Der 1. Platz geht an Yvonne Riester und Janis Ufheil mit ihrem Projekt „Air Time“, einer Flugtaxi-Kabine, die auf persönliche Bedürfnisse der Passagiere reagiert. Die Designerinnen greifen damit die Frage auf, wie Menschen mit ihren positiven und vor allem negativen Emotionen umgehen, wenn sie sich in ein autonom betriebenes Fluggerät setzen und ohne menschlichen Piloten abheben. An dieser Stelle setzt „Air Time“ an und beschäftigt sich damit, wie proaktiv eine personalisierte und vertrauensbildende Beziehung zwischen Mensch und Maschine geschaffen und stimuliert werden kann. Ein TOP-aktuelles Thema, denn schon seit einigen Jahren entwickeln Firmen Flugdrohnen und wollen damit die Mobilität im urbanen Raum revolutionieren. Und auch die Gesetzgeber machen mit und schaffen langsam aber stetig die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb von Flugtaxis. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart ist der wissenschaftliche Partner bei diesem Projekt.

Innenstadt-Biotope für Hamburg

Mit ihrem Projekt „Grünes Wasser“ erreichten Beate Kapfenberger und Martha Starke den 2. Platz des Wettbewerbs. Dabei handelt es sich um flexibel schwimmende Flächen aus recyceltem Balsaholz, um auf den kargen Wasserwegen der Hamburger Innenstadt Biotope zu schaffen. Diese Schollen können vielfältig bepflanzt werden und würden zur Renaturierung beitragen. Das Balsaholz der neuen „Fleetinseln“ wird geschäumt und mit naturfaserverstärktem Biokunststoff umhüllt. Ab September 2021 sollen erste schwimmende Naturskulpturen Hamburg beleben. Partner bei diesem Projekt ist das Fraunhofer-Institut für Holzforschung in Braunschweig.

Schwimmende Skulpturen auf den Wasserstraßen Hamburgs. © Robert Katzki/Martha Starke

Fertigungsinnovation im Möbelbau

Auf dem 3. Platz landete „inBETWEEN“, ein Projekt von Studio Jonathan Radetz. Der Stuhlentwurf dient als Ausgangspunkt für eine Material- und Fertigungsinnovation. Ziel ist die Entwicklung eines Möbels, in dem Konstruktiver- und Polsteranteil in einem Prozessschritt realisiert werden können. Dazu sollen Organobleche verwendet werden, die eine tragende Komponente und eine textile Komponente vereinen. Organobleche sind faserverstärkte Thermoplaste, die bei geringem Gewicht gute mechanische Eigenschaften besitzen und aufgrund der thermoplastischen Matrix individuell und wiederholbar verformbar sind. Zudem wirkt sich die Verwendung von recycelten oder ausgemusterten Textilien positiv auf die Ökobilanz des Produktes aus. Gerade bei diesem Projekt spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit eine Hauptrolle. Wissenschaftlicher Partner ist das Fraunhofer-Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut WKI in Hannover.

Stuhlentwurf als Ausgangspunkt für eine Material- und Fertigungsinnovation. © Studio Jonathan Radetz

Biobasierte Fußbekleidung

Die vier Designer*innen von „clobber bang“ kamen mit „biobased footwear“ auf den vierten Platz. Dabei geht es um die Entwicklung biobasierter Fußbekleidung. Der Projektschwerpunkt liegt in der Entwicklung innovativer Laufsohlen und Fußbetten, um eine Alternative zu den heute meist verwendeten Produkten auf Erdölbasis zu schaffen. Es soll ein anwendungsspezifischer Prototyp entstehen, der im ersten Schritt die grundsätzliche Anwendbarkeit von biobasierten Materialien in diesem Bereich nicht nur für die Forschung, sondern auch für die Industrie darlegt. In weiterer Folge ist an eine Umsetzung in industriellem Maßstab gedacht. Forschungspartner für „biobased footwear“ ist das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz.

Julia Kortus, Philipp Stingl, Markus Rossnagel und Stephan Schulz sind clobber bang. In ihrem Projekt „biobased footwear“ entsteht biobasierte Fußbekleidung. © Markus Rossnagel

Das WKD-Netzwerk wurde 2018 gegründet und zählt derzeit 30 Mitglieder. Neben dem Ideenwettbewerb zählt auch das Rahmenforschungsprogramm zu den Schwerpunkten des Netzwerks. Mitgliedsinstitute haben jährlich die Möglichkeit, Projektanträge einzureichen, die das Thema Kollaboration zwischen Wissenschaft und Kunst/Design vorantreiben.

Der „Artist in Lab 2022“-Ideenwettbewerb wurde bereits angekündigt. Die Bewerbungsfrist beginnt am 15. September 2021 und läuft bis 17. Dezember 2021.


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