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Bildende Gestaltungen – Design Educates Award 2021

von Markus Schraml
Design Educates Award 2021, Solarlux Choice

Der „Design Educates“-Award zeichnet Ideen und Umsetzungen aus, in denen Architektur und Design, Bildung bzw. Ausbildung unterstützend fungieren. Dieser jährliche Preis wird in den Kategorien Architektur, Produktdesign, Universal Design sowie Responsive Design vergeben. Neben den Hauptpreisen werden auch Anerkennungen für aufstrebende Designer*innen und die Solarlux Choice-Awards verliehen (Solarlux ist strategischer Partner des Awards). Der Fokus dieses Awards liegt auf Bildungs- und Kulturbauten, Bauwerken, die in besonderem Maße auf ihre Umgebung eingehen bzw. nützliche Produktinnovationen, die für Nutzer*innen einen echten Mehrwert darstellen.

Die diesjährigen Hauptpreisträger sind:

  • Winner for the year 2021 in architectural design: „Zheshui Natural Library” (von LUO studio)
  • Winner for the year 2021 in product design + Emerging designers 2021: „GoRolloe” (von Kristen Tapping)
  • Gold prize in universal design: „Braille meets emoticons – a visual language for visually impaired” (von Walda Verbaenen)
  • Gold prize in responsive design: „Villa Ypsilon” (von LASSA und Partnern)

Der Solarlux Choice 2021 wurde an zwei Projekte vergeben:

  • „Stadtbibliothek Dornbirn” (von Dietrich | Untertrifaller mit Christian Schmoelz und Partnern)
  • „Prisma – Schorndorf Station” (von schneider+schumacher und Partnern)

Bildende Architektur

Die Bauweise der Bibliothek von Zheshui folgt der Topografie der bergigen Landschaft und ist an den Hang gelehnt. Das Team von LUO Studio hat dafür leichte Fundamente gewählt, um die Auswirkungen auf die Landschaft so gering wie möglich zu halten. Auch wurde so wenig Holz wie möglich verbaut. So sind die Holzsäulen nur 4 cm dick, die Holzbalken 2,5 cm. Der Raum zwischen den Säulen ist mit Glasbausteinen gefüllt, die sowohl als interne als auch externe Trennwände fungieren und gleichzeitig eine statische Funktion erfüllen. Das Dach besteht aus zwei Schichten von Paneelen, die quer bzw. längs verlegt sind. Alle Komponenten zusammen bilden das strukturelle System des Gebäudes. Die Bücherregale im Inneren bieten drei Funktionen: Aufbewahrung für Bücher, Sitzplätze und eine Säulenstruktur. Die Jury belohnte dieses Projekt mit der „Winner of the year 2021“-Auszeichnung in der Kategorie Architektur.

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Bildendes Produktdesign

Das „Winner of the year 2021“-Prädikat im Bereich Produktdesign (gleichzeitig Emerging designers-Siegerin) erhielt Kristen Tapping für die Entwicklung des „GoRolloe“. Dabei handelt es sich um ein spezielles Rad für Fahrräder, mit dem Luftverschmutzung gefiltert werden kann, inklusive schädliche Gase und Partikel. Damit „GoRolloe“ funktioniert, ist nur die kinetische Energie des Fahrradfahrers / der Fahrradfahrerin notwendig. Tritt er / sie in die Pedale, wird verschmutzte Luft angesaugt, durchströmt eine Reihe von Filtern und stößt saubere Luft in Richtung Gesicht des Fahrers / der Fahrerin aus. Diese Erfindung könnte einen großen Unterschied machen, denn zum Beispiel in London beträgt die durchschnittliche PM2,5 Konzentration (lungengängiger Feinstaub) 13,3 μg / m³. Das 26 Zoll große „GoRolloe“-Rad kann 1,25 m³ / km Luft filtern, was bei einer Verwendung von 11.500 Santander-Fahrrädern (Londoner Fahrradverleih) in der Stadt 170.560 m³ pro Tag entsprechen würde. Die Filter können immer wieder gereinigt und weiterverwendet werden. Die für die Herstellung des Rads eingesetzten Materialien sind entweder ein verstärktes recyceltes Polymer, welches wiederum recycelt werden kann, oder ein innovatives Biokomposit, das sehr stabil und widerstandsfähig ist. Das Produkt befindet sich in der Entwicklung. Ein erster Modelltest soll im Herbst 2021 erfolgen, der Marktlaunch ist für Mitte 2022 vorgesehen.

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Blindenschrift tritt Emoticons

Der „Golden Prize of the year 2021“ in der Kategorie „Universal Design“ ging an Walda Verbaenen und ihr Projekt „Braille meets emoticons“. Verbaenen ergänzte die Brailleschrift um eine Reihe von Emoticons, die sie in eine „Punktsprache“ übersetzte. Dazu entwickelte die belgische Grafikdesignerin ein 9-Punkte-Raster, um sie klar von der Grundstruktur des Braille-Alphabets zu trennen, wo 6-Punkte-Raster für Buchstaben und 12-Punkte-Raster für Zahlen verwendet werden. Die Emotionen des Gesichts, die Emoticons symbolisieren, werden dabei durch Punkte ersetzt. Diese Punkte repräsentieren die Bewegung von Mund und Augen. Auf diese Weise erhält Braille ein Gesicht, das Emotionen ausdrückt. 22 der häufigsten Emoticons wurden in dieses neue Raster übersetzt. Mit diesem typografischen Experiment zeigt Verbaenen, wie Design einen Beitrag zur Verbesserung der menschlichen Umgebung und Wahrnehmung leisten kann.

Der „Golden Prize of the year 2021“ in der Kategorie „Universal Design“ ging an Walda Verbaenen und ihr Projekt „Braille meets emoticons“. Verbaenen ergänzte die Brailleschrift um eine Reihe von Emoticons. © Walda Verbaenen
Diese Animation verdeutlicht die Vorgehensweise Verbaenens bei der Übersetzung der Emoticons in Punktsprache. © Walda Verbaenen

Vorfertigung und natürliche Klimatisierung

Villa Ypsilon ist eine Sommerresidenz inmitten eines Olivenhains am südlichen Peloponnes. In diesem Projekt beweisen LASSA Architects, dass maßgeschneiderte Konstruktionen durchaus günstig sein können. Das Bauwerk wurde mit größter Rücksichtnahme auf das Gelände geplant. So fügt sich das muschelförmige Dach perfekt in die Hügellandschaft ein. Es erreicht gerade einmal die Höhe der umliegenden Olivenbäume. Die Gabelung des Daches (Y) definiert drei Vorhöfe, die je nach Tageszeit im Schatten liegen. Diese Struktur folgt einer Strategie der Architekt*innen, in der einer klimatisch günstigen Geometrie der Vorrang vor mechanischen Systemen gegeben wird. Die Form der Betonschale in Verbindung mit Dachbepflanzungen und der Möglichkeit zur Querlüftung erlauben sowohl sommers als auch winters ein ausbalanciertes Klima und natürlichen Komfort. Die Konstruktion erfolgte großteils als Vorfertigung und Montage vor Ort, was die Bauzeit auf sieben Monate verkürzte. Um das begrenzte Budget (350.000 Euro) nicht zu überschreiten, wurde einer lokalen Lieferkette der Vorzug gegeben. Für dieses Konzept zeichnete die Jury das Projekt mit dem „Golden Prize for the year 2021“ in der Kategorie Responsive Design aus.

Mit der Villa Ypsilon beweisen LASSA architects, dass maßgeschneiderte Konstruktionen durchaus günstig sein können. „Golden Prize for the year 2021“ in der Kategorie Responsive Design. © LASSA Architects

Solarlux Choice – die Wahl des Sponsors

Der erste der beiden „Solarlux Choice“-Preise ging an die Stadtbibliothek Dornbirn von Dietrich | Untertrifaller (mit Christian Schmoelz). Der ovale Pavillon ist als sich von der Umgebung stark absetzender Baukörper konzipiert. Das auffälligste Merkmal des Gebäudes ist das Gitter aus 8.000 vorgefertigten Keramik-Elementen, die im Abstand von 70 cm vor die Glasfassade montiert sind. Vertikal und schräg angeordnet, erinnern sie an Bücher in Regalen. Diese Struktur dient auch dem Sonnenschutz. Auf 1.200 m², verteilt auf drei Etagen, finden bis zu 100.000 Bücher und Zeitschriften Platz. Es gibt gemütliche Ecken zum Lesen, um Musik zu hören und Spiele auszuprobieren. Zudem wurden Büros und Meetingräume eingeplant. Die große Aula dient je nach Bedarf als Lesebereich oder Veranstaltungssaal für Lesungen, Buchpräsentationen und Filmvorführungen. Als zeitgemäße Einrichtung schafft die Stadtbibliothek Dornbirn auch Platz für Neue Medien, neue und zusätzliche Bildungsangebote und zahlreiche Veranstaltungen, die vor allem Kindern mehr Medienkompetenz und den Umgang mit digitalen Suchmethoden vermitteln sollen.

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Den zweiten „Solarlux Choice“-Award erhielten schneider+schumacher für ihre Raumskulptur „Prisma“, die sie für die Station Schorndorf des Architekturprojekts „16 Stationen“ im Rahmen der Remstal Gartenschau 2019 entworfen haben. Das Projekt bildet „mit vier Punkten und sechs Linien“ einen begehbaren Ort zum Entdecken und Verweilen. Außerdem kann man von hier aus gut in die Ferne auf die Landschaft des Remstals blicken. Das tetraederförmige Prisma ist aus Holz mit Brettschichtplatten konstruiert und präsentiert sich als weit sichtbare Landmarke, im Inneren wird mit einer roten Beschichtung der Kunstcharakter des Projekts betont.

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Design Educates-Jury

Die Jurymitglieder der Ausgabe 2021 waren Alison Brooks, Farshid Moussavi, Jürgen Mayer H., Toyo Itō, David Basulto, Hani Rashid, Konstantin Grcic, Andrés Reisinger, Enrica Cavarzan, Peter Kuczia, Aidin Ardjomandi, Ir. Kristina Bacht, Issa Diabaté, Alain Gilles, Hella Jongerius, Hadi Teherani und Marco Zavagno. Organisiert werden die „Design Educates Awards“ von der Laka Foundation (eine gemeinnützige, nichtstaatliche Einrichtung). Das Thema des Awards geht auf eine Studie von Dr. Peter Kuczia zurück: „Bildende Bauten“.


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