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Die realistischen Träume von Alain Gilles

von Markus Schraml

Die berufliche Laufbahn von Alain Gilles folgt keiner geraden Linie, denn der Belgier fand den Weg zum Design erst im zweiten Anlauf. Zunächst landete er nach seinem Politikwissenschaftsstudium in der Finanzbranche und arbeitete dort für JP Morgan ganze fünf Jahre. Damit war er der realistischen Seite seines Wesens lange genug gefolgt und wollte nun endlich das tun, was in eigentlich interessiert. Kreativ sein, Dinge gestalten, selbstständig werden. Um dies zu erreichen, kehrte er der Finanzwelt den Rücken zu und studierte Industriedesign. Schließlich gründete er sein eigenes Designstudio im Jahr 2007. Trotz bald darauf folgender Finanzkrise schaffte er es, mit viel Optimismus und harter Arbeit, erfolgreich zu sein. Einer seiner ersten Kooperationspartner war das belgische Unternehmen BuzziSpace, das gerade im Begriff war, die Office-Welt zu revolutionieren. Gemeinsam entwickelten sie innovative Lösungen für die akustischen Anforderungen in Großraumbüros. Heute weist das Portfolio von Gilles eine lange Liste von Produktdesigns auf – vor allem in den Bereichen Möbel und Haushaltsaccessoires. Meist sind seine Gestaltungen von innovativen Einfällen und ästhetischen Neuerungen begleitet. Alain Gilles will vor allem eines nicht – langweilig sein. Alteingesessene Möbelkategorien mit neuen Ideen aufzufrischen, ist ihm ein großes Anliegen.

formfaktor traf Alain Gilles in der Design Post in Köln, wo BuzziSpace auf zwei Etagen seine neuen Ausstellungsflächen eröffnete. Im Interview spricht er über neuartige Arbeitsplatzlösungen, die Partnerschaft zwischen Hersteller und Designer sowie über seinen Alltag voller Träume.

formfaktor: Interessanterweise haben Sie Ihr Designstudio im selben Jahr gegründet, wie BuzziSpace. Wie kam denn die Zusammenarbeit zustande?

Alain Gilles: Bevor ich mein eigenes Studio gründete, hatte ich die Arbeit von BuzziSpace schon auf einer kleinen Messe in Brüssel gesehen. Das war sehr neu und aufregend damals. Wir kamen ins Gespräch und als ich ein paar Monate später mit meinem Studio startete, designte ich zuerst eine ganze Kollektion für eine neue französische Marke, die wir in Paris zeigten. Wenn man im Ausland ist, trifft man immer Menschen aus dem eigenen Land, so war es auch mit den Leuten von BuzziSpace. Wir kommen ja beide aus Belgien. Sie fragten mich, ob ich nicht etwas für sie gestalten möchte. Aber meinen ersten Vorschlag mochten sie nicht, oder es war nicht der richtige Zeitpunkt. Außerdem hatte gerade die Finanzkrise eingesetzt. Also verging nochmal einige Zeit, bis ich plötzlich einen Anruf von BuzziSpace erhielt, wo ich davon erfuhr, dass sie eine neue Fabrik in Holland gekauft hatten. Ich wollte diese Fabrik unbedingt besuchen, weil für einen Designer ist so ein Ort wie eine Traumwelt, weil man alles genau beobachten kann: Die Technologie, den Prozess, man sieht, halb fertige Teile und so weiter. Das heißt, man kommt auf neue Ideen. Dann begannen wir darüber zu sprechen, wie man die Akustik in Großraumbüros verbessern könnte. Weil der Gründer von BuzziSpace hatte einen Hintergrund im Officebereich. Er produzierte Glaswände für Büros und ich hatte 5 Jahre lang in Großraumbüros verbracht, wo es immer Probleme damit gab, sich zu konzentrieren, weil man häufig durch Lärm abgelenkt wurde. Aus unser beider Erfahrungen und unserem Wissen über die Akustik-Probleme, die es in großen Büroräumen gibt, wollten wir Lösungen entwickeln. Schließlich brachten wir die erste Telefon-Box heraus, die BuzziHood. Das waren kleine Inseln, wo man in Ruhe mit seinem Mobiltelefon kommunizieren konnte, ohne andere damit zu belästigen. Dann gab es weitere Entwicklungen, die nicht mehr nur dem Telefonieren dienten, sondern Orte, in die man sich zurückziehen und relaxen konnte. Interessant ist, dass zu der Zeit alle Telefonzellen aus den Städten verschwanden und wir eine fürs Büro kreierten. Da gab es natürlich Erklärungsbedarf.

formfaktor: Was macht gute Akustik aus? Es geht ja nicht nur darum, dass es so ruhig wie möglich ist?

Alain Gilles: Nein, wenn es zu ruhig ist, wenn man überhaupt nichts hört, dann wird man verrückt. Grundsätzlich geht es darum, den Klang zu kontrollieren. Es geht um das Verringern der Lautstärke. Es gibt Spezialisten, die genau wissen, was man wo und wie am besten einsetzt, um den Sound zu verbessern. Ich als Designer arbeite eher an Lösungen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Es geht um ein generelles Verständnis. Zwar bin ich kein Sound-Spezialist, aber ich weiß natürlich, dass es um Formen und Oberflächen geht, um den Klang möglichst angenehm zu machen. Zum Beispiel geht es um die Geschwindigkeit des Schalls.

formfaktor: Auch wenn die Möbel nicht so aussehen, geht es viel um Technik.

Alain Gilles: Ja, genau. Ich möchte aber nicht, dass meine Designs technisch aussehen. Sie müssen funktional sein, sie müssen inspirierend sein und die Menschen auf andere Gedanken bringen. Sie an andere Ort transferieren. Die Technik soll dabei so gut wie möglich versteckt werden.

 

formfaktor: Ein anderes Thema im Office-Bereich ist die Gesundheit. Die Menschen sitzen zu viel. Dafür gibt es ja eine Reihe von Konzepten, die diesem Umstand entgegenwirken sollen.

Alain Gilles: Ja, viele Hersteller haben zum Beispiel Tische in ihren Programmen, die man in der Höhe verändern kann. Studien haben gezeigt, dass es das Beste ist, wenn sich die Menschen im Büro mehr bewegen. Also etwa für eine bestimmte Zeit sitzen, dann wieder eine Arbeit im Stehen erledigen usw. BuzziSpace hat für diesen Zweck eine Vielzahl von verschiedenen Raumangeboten, die, wenn man sich damit einrichtet, automatisch dazu führen, dass sich die Mitarbeiter mehr bewegen. Von ihrem Arbeitsplatz zu einem Besprechungstisch, zu einer Telefon-Box, zu einem Meeting-Room etc. Ein anderes Thema ist das Design von Büromöbeln, die nicht mehr wie Büromöbel aussehen. Der Picknick-Tisch zum Beispiel bringt ein Gefühl von Wochenende ins Büro. Die Idee dahinter ist, dass die Menschen dieses Freizeitgefühl mit in das Office nehmen oder dort wieder daran erinnert werden. Außerdem war der Picknick-Tisch aus Massivholz. Niemand machte damals Bürotische aus Massivholz. In modernen Arbeitsumgebungen geht es um Abwechslung: Die Mitarbeiter*innen haben ihren Schreibtisch, aber es gibt auch andere Orte, etwa zur Kommunikation, Elemente, wo man steht, wo man spezielle Dinge erledigt. So kann man sich während eines Arbeitstages durch diese Landschaft bewegen.

formfaktor: Es ist ja ein genereller Trend im Office-Bereich, dass Büromöbel immer mehr so aussehen, dass sie im Prinzip auch in einer Wohnung stehen könnten?

Alain Gilles: Definitiv. Ungefähr vor 10 Jahren gehörte BuzziSpace zu den ersten Firmen, die diese wohnliche Stimmung ins Büro gebracht haben. Oder einfach eine menschlichere Stimmung, könnte man sagen. Als ich für Euroclear / JP Morgan arbeitete, hatten wir zuerst diese großen, amerikanischen, alten Schreibtische. Und dann kamen Vitra-Schreibtische, wo man sein ganzes Zeug am Ende eines Arbeitstages in eine Art Trolley hineingeben und an einen bestimmten Ort bringen musste. Man durfte nichts auf dem Schreibtisch lassen. Viele Menschen und auch ich selbst bekamen dadurch ein Gefühl von Austauschbarkeit. Das sagte: Du musst eigentlich nicht mehr wiederkommen. Ich weiß, es ging darum, ungenutzten Raum besser zu verwenden. Rechnerisch gesehen mag das stimmen, aber wenn man Mitarbeitern das Gefühl gibt, dass sie quasi nicht existieren, ist das der falsche Weg. Hier kommt die Idee ins Spiel, das Büro wohnlicher, freundlicher und auch zu einem Ort zu machen, an dem jeder seinen fixen Platz hat. Dieses Sicherheitsgefühl ist ganz wichtig, weil dadurch eine bessere Kommunikation untereinander möglich wird. Wenn ich durch das Interieur ein beruhigendes, versicherndes Gefühl vermitteln kann, wird sich die Arbeit an Projekten verbessern, weil sich das Miteinander verbessert.

formfaktor: Ein neues Produkt für BuzziSpace sind die BuzziBracks, wo Sie Vorhänge verwenden, um Räume zu strukturieren. Woher kam diese Idee?

Alain Gilles: Manchmal kommen Ideen, von ganz woanders. Die wahre Geschichte ist – wir arbeiteten gerade an BuzziSpark. Wir wollten etwas Neues machen, das mit völlig anderen Elementen arbeitet. Dabei kamen wir auf Vorhänge. Warum nicht? Aber wenn man Vorhänge verwendet, braucht man auch eine Struktur und alles. Das wäre zu teuer geworden, also haben wir den klassischen Weg eingeschlagen mit diesen typischen hohen Wänden. Aber die Idee der Vorhänge verschwand nicht. Vorhänge wurden in der Vergangenheit schon verwendet, um Räume zu strukturieren. Aber es wurde kein Produkt definiert, dass die Vorhänge aufnimmt. Sie hingen einfach vom Plafond. Ich hatte die Idee, eine Struktur zu entwickeln, die sehr einfach aufgebaut werden kann. Es ist ein bisschen, wie mit Jalousien, die geöffnet und geschlossen werden können. Je nachdem, welcher Stoff verwendet wird, können Vorhänge opak oder transparent sein. Die Reaktion von BuzziSpace auf das erste Konzept, das ich präsentierte, war die Sorge allzu schnell kopiert zu werden, von Vorhang-Spezialisten, die dieses Produkt billiger herstellen können. Deshalb haben wir in die Struktur zusätzliche Features eingebaut: eine Schiene mit Anschlüssen, Accessoires, Schränke usw. Plötzlich hatten wir ein ganzes System. Das Ganze war ja komplett neu, so etwas gab es auf dem Markt nicht. Deshalb musste man es erklären. Dieser Entwicklungsprozess zeigt, wie von einer ursprünglich etwas verrückten Idee, ein verkäufliches Produkt werden kann, dank der Kooperation zwischen Designstudio und Hersteller.

 

formfaktor: Sie sagten einmal, dass es für Sie als Designer wichtig sei, dass ein Objekt aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, einen immer anderen Eindruck vermittelt. Ist das immer noch ihr Designanspruch?

Alain Gilles: Grundsätzlich Ja. Das ist vor allem ein Thema, wenn ich für Unternehmen arbeite, die Wohnmöbel produzieren, wo es sehr standardisierte Typologien gibt: ein Sessel, ein Stuhl, ein Tisch. Hier muss man es schaffen, ein Produkt zu gestalten, das individueller, persönlicher ist. Die meisten Designs, die ich gestalte, basieren auf der Idee, dass sie nicht langweilig sein dürfen. Das ist natürlich der Fall, wenn man ein Produkt aus verschiedenen Blickwinkeln ansieht und es dadurch unterschiedliche Persönlichkeiten bekommt. Zu der Zeit als ich zum Beispiel den Big Table für Bonaldo designt habe, fand ich viele Möbel zu statisch. Die Tatsache aber, dass sich die Erscheinung eines Möbels ändert, macht es für mich interessanter, lebendiger, fast als würde es sich bewegen. Ich arbeite auch sehr viel an dem Spannungsfeld zwischen architektonischen, grafischen oder visuellen Elementen eines Produkts. Wenn man einen Stuhl kreiert, hat man Rückenlehne, Sitzfläche und Beine. Wie kann ich nun einen Stuhl kreieren, der anders ist, der anders aufgebaut, anders aussieht? Zum Beispiel die Beine – die sind normalerweise dünn. Was aber, wenn ich sie ganz dick mache? Wie kann ich die Menschen mit etwas überraschen, das aber noch immer seine Funktion erfüllt? Besonders ein Stuhl muss letztendlich immer ergonomisch sein, er muss funktionieren. Ich mache keine Stücke für die Galerie, wo man dann vielleicht acht Stück verkauft und es niemanden interessiert, ob sie auch funktionieren. Für BuzziSpace habe ich immer versucht, Produkte zu designen, die über den Tellerrand hinausgehen. Versucht, neue Typologien einzuführen, neue Zugänge aufzuzeigen, wie man mit einem Produkt umgehen kann. Aber das ist natürlich schwieriger mit einem Tisch für das Wohnzimmer. Ich habe zum Beispiel den MASS-Tisch für Bonaldo designt, wo ich mit den Masse-Verhältnissen spiele. Gewöhnlich liegt die Masse eines Tisches in seiner Basis. Hier habe ich das Verhältnis optisch umgekehrt, denn die Basis besteht nur aus Linien – die allerdings aus Metall sind – während die Tischplatte in visueller Hinsicht die Hauptrolle spielt.

 

formfaktor: Was war für Sie der Grund, von der Finanzwelt in die Kreativ-Welt zu wechseln?

Alain Gilles: Mein Einstieg in die Finanzwelt war reiner Zufall. Ich habe Politikwissenschaften studiert. Das hat nichts mit Design zu tun, aber es hat sehr viel damit zu tun, die Gesellschaft zu verstehen. Ich öffnete die Zeitung, damals war es noch die Zeitung – ich werde alt (lacht) – und suchte nach internationalen Angeboten, weil ich französisch und englisch spreche. Dabei stieß ich auf die Anzeige von JP Morgan / Euroclear. Das war genau das, was die Leute so als ordentlichen Job bezeichnen. Ich sagte ihnen, dass ich keinerlei Erfahrung in der Finanzwelt habe, aber sie haben mich genommen. Sie haben uns immer die Exoten genannt. Also jene, die keine finanzspezifische Ausbildung hatten. Das habe ich dann 5 Jahre meines Lebens gemacht. Es war eine wichtige Erfahrung für mich, aber es war so weit weg von allem, was mich interessierte, dass ich irgendwann den Schritt getan habe. Ich machte einen Neustart und studierte Industriedesign – für zweieinhalb Jahre, ich konnte die ersten zwei Jahre überspringen.

formfaktor: Sie sagten einmal, sie wollten einfach das tun, was sie wollen. Wie viel ist heute von diesem „ich möchte tun, was ich will“ noch übrig?

Alain Gilles: (lacht) Eine sehr gute Frage. Wissen Sie, es ist nicht einfach ein Job. Es ist mein Leben. Ich höre nie auf. Das heißt nicht, dass ich ständig arbeite, aber ich denke ständig nach. Was kommt als Nächstes? Oder ich habe eine Idee, was wir für jemanden kreieren könnten. Die Ideen kommen ja nicht, wenn man vor seinem Computer sitzt, sondern man ist irgendwo unterwegs, sieht ein Detail, das zu einer Idee führt usw. So läuft der kreative Prozess bei mir. Wenn ich mit dem Auto fahre, schaue ich mir die Umgebung an. Lustigerweise habe ich gerade einen Tisch designt, der von all diesen Bildern inspiriert ist: Straßen, Brücken etc. Dieser Tisch – er heißt Saragossa – kam gerade bei Ligne Roset heraus. Ursprünglich wollte ich ihn „Viaduct“ nennen, aber Ligne Roset will alle Namen schützen lassen. Deshalb war es nicht ganz so leicht, einen Namen zu finden, der noch nicht verwendet wird. Zurück zur Frage: Was bleibt vom Traum übrig? Ich bin voller Träume. Natürlich arbeite ich viel, es ist ein harter Job. Man kämpft immer für das nächste Projekt. Immer hat man die Idee für ein neues Produkt und man denkt darüber nach, wer daran interessiert sein könnte, es zu produzieren. Manchmal passt es zu einer Firma, mit der man schon zusammenarbeitet, manchmal nicht. Dann muss man suchen. Es sind alles meine Babys und ich versuche natürlich, sie alle so gut wie möglich zu unterstützen, damit sie eine Chance bekommen. Ich würde also sagen, es ist doch viel vom Traum übrig.

formfaktor: Sie sind ja nicht nur Designer, sondern auch Unternehmer.

Alain Gilles: Genau. Wenn ich nur Designer wäre, würde das zu wenig sein. Ich würde das Ganze nicht umfassend erfahren. Ich will kein Künstler sein, ich will kein Finanztyp sein – ich bin irgendwo dazwischen. Die Tatsache, dass ich in verschiedene Rollen schlüpfen kann, ist das Spannende. Manchmal spreche ich zu Menschen wie Ihnen, das ist Kommunikation, manchmal treffe ich Firmen. Wenn die Entscheidung für ein Produkt einmal gefallen ist, geht es nur mehr um die Kosten, um die Details in der Ausführung und da muss man diskutieren und kämpfen, damit am Ende etwas herauskommt, das gut für das Unternehmen ist, aber auch noch den eigenen Vorstellungen entspricht.

 

formfaktor: Die Unternehmen schauen heutzutage mehr auf die Kosten?

Alain Gilles: Vielleicht haben sie das immer getan. Auf jeden Fall wurde vor der Finanzkrise 2008 mehr gemacht. Was ich mache, wenn ich ein Projekt präsentiere, ist, dass ich verschiedene Möglichkeiten aufzeige. Wie man ein Produkt anders konfigurieren kann, anders aussehen lassen kann, wie man Elemente austauschen oder ein anderes Material verwenden kann. Oder wie sich ein Produkt mit der Zeit weiterentwickeln kann, weil es ist natürlich ein Investment. Man muss den Unternehmen eine Sicherheit geben, dass ein Produkt, das heute gut aussieht, in einer anderen Variante auch in zehn Jahren gut aussehen kann. So etwas wirkt wie eine Versicherung.

formfaktor: Was würden Sie gerne designen, wozu Sie aber bis jetzt noch nicht die Gelegenheit hatten?

Alain Gilles: Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.

formfaktor: Vielleicht ein Auto?

Alain Gilles: Ich habe eine realistische Seite in mir. Ich weiß, dass mich nie jemand anrufen wird, um ein Auto zu designen. Vielleicht ein Interieur, oder ein Detail, einen Stoff, eine besondere Farbe. Ich würde es lieben, ganze Häuser zu gestalten. Ich bin aber kein Architekt. Es geht also um die Innenausstattung, um die Möbel. Das würde ich gerne auf eine ganz neue Art versuchen. Natürlich müsste ich dazu einen Architekten engagieren, um ein gutes Projekt auf die Beine zu stellen. Im Moment bin ich glücklich, wie die Dinge laufen. Ich bewege mich vorwärts und immer ein bisschen aufwärts, aber ich versuche nicht, überall hinzugehen, um mich nicht selbst zu verlieren. Ich würde sagen, dass ich noch immer sehr sehr offen bin. Manchmal kommt etwas Neues. Für die kommende Mailänder Designwoche haben wir zum Beispiel Schuhe designt. Ich hätte nie daran gedacht, Schuhe zu gestalten. Das machen wir für Fratelli Rossetti, eine italienische Firma, die teure, eher klassische Schuhe herstellt. Wir machen eine Capsule Collection für sie, die in Mailand erstmals vorgestellt wird. Etwas ganz anderes ist auch unser Design für die öffentliche Beleuchtung an der Croisette in Cannes. Für alle Zugänge zum Strand. Dafür haben wir eine europäische Ausschreibung gewonnen und das Produkt befindet sich derzeit in Entwicklung. Es ist ein Konsortium aus Hersteller, Lichtspezialisten und uns als Designstudio. Jetzt kann ich an die Croisette fahren (lacht), wo ich vorher noch nie war. Das sind einmalige Projekte, an einmaligen Plätzen, die sich vermutlich nie wiederholen werden. Aber das ist auch das Aufregende an meinem Beruf.

 


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