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Diébédo Francis Kéré erhält Praemium Imperiale für Architektur

von Markus Schraml
Diébédo Francis Kéré, Praemium Imperiale

Die Japan Art Association hat die diesjährigen Preisträger des Praemium Imperiale bekannt gegeben. Einer der wichtigsten Kunstpreise der Welt zeichnet Künstler für ihre Leistungen, für ihren internationalen Einfluss auf die Kunst sowie für ihre Rolle bei der Bereicherung der Weltgemeinschaft aus. Der Preis ist mit jeweils 15 Millionen Yen (ca. 95.000 Euro) dotiert. Jeder der fünf Preisträger erhält zudem ein Referenzschreiben und eine Medaille, die von Prinz Hitachi, Ehrenpatron der Japan Art Association, überreicht wird.

Der Praemium Imperiale wird in den Kategorien Malerei, Bildhauerei, Musik, Theater/Film und Architektur verliehen. In letzterer Kategorie wird Diébédo Francis Kéré ausgezeichnet. Der in Berlin lebende Architekt aus Burkina Faso ist für seine Arbeit in afrikanischen Ländern bekannt, wo er benachteiligte Gemeinschaften mit den Tools der Architektur unterstützt. Im März 2022 erhielt er mit dem Pritzker Prize die höchste Auszeichnung in der Architekturwelt.

Kéré wurde in Burkina Faso im Dorf Gando geboren und musste ab seinem siebten Lebensjahr zu seinem Onkel in eine nahe gelegene Stadt ziehen, um die Schule besuchen zu können. Die Erfahrung, in dunklen, heißen und schlecht belüfteten Klassenzimmern zu lernen, weckte in ihm den Wunsch, bessere Gebäude zu bauen und führte dazu, dass er Architekt wurde. Er erhielt ein Tischler-Stipendium, das ihn nach Deutschland führte, wo er 1995 ein weiteres Stipendium für ein Studium an der Technischen Universität Berlin erhielt. Dieses Studium der Architektur schloss er 2004 ab.

Kéré war weit weg von seiner Heimat und seinem Dorf, doch er hatte seine frühen Erfahrungen mit unzureichenden Schulgebäuden nicht vergessen. Um einen Weg zu finden, Schulen zu bauen, die den klimatischen Bedingungen angepasst wären, gründete er die Kéré-Stiftung und machte sich daran, Geld für das erste Projekt zu sammeln. Zunächst musste er auch Überzeugungsarbeit in der Gemeinde Gando selbst leisten, denn: „Uns wurde beigebracht, dass ein Schulgebäude wie in Frankreich aus Beton und viel Glas bestehen sollte, aber wir hatten nicht das Geld dafür. Also musste ich darum kämpfen, den Leuten zu erklären, dass wir anders denken müssen“, erinnert sich Kéré.

Architektur für Afrika

Dieser Ansatz des „Andersdenkens“ ist das Herzstück von Kérés Architektur. In der Schule in Gando und anderen Projekten in Afrika hat er sich darauf konzentriert, einfache, realisierbare Pläne für Gebäude zu entwerfen, die die Fähigkeiten der örtlichen Gemeinschaft nutzen – indem er traditionelle Baumaterialien verwendet und sie mit modernem Design verbindet, um Licht hereinzulassen und für die dringend notwendige Belüftung zu sorgen. Dabei führt die Einbindung der Community dazu, dass die Nutzer auf das Ergebnis stolz sind. Kéré: „Natürlich möchte ich Qualität schaffen. Ich möchte Trost schaffen. Aber ich möchte vor allem, dass meine Kunden vom Ergebnis inspiriert werden.“

Die Grundschule in Gando, Burkina Faso. © Siméon Duchond

Kéré wurde 2004 für seine Gando-Grundschule (2001) mit dem Aga Khan-Preis für Architektur ausgezeichnet. Dies war der Auslöser für die Gründung seines eigenen Büros Kéré Architecture in Berlin im selben Jahr. Aufgrund des Erfolgs der Schule war er in der Folge an zahlreichen gemeinwohlorientierten Gebäuden wie Schulen und medizinischen Einrichtungen in Afrika beteiligt. Derzeit arbeitet Kéré am Entwurf der neuen Nationalversammlung von Benin mit.

Afrikanische Wurzeln, modernes Design

Kéré hat an einigen temporären und dauerhaften Bauten in Dänemark, Deutschland, Italien, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und den USA gearbeitet. Dabei verband er stets Elemente traditionellen afrikanischen Designs mit moderner Architektur. Hinweise auf seine afrikanischen Wurzeln finden sich etwa in den Farben von Coachellas „Sarbalé Ke“ (2019) und den Holzmustern von „Xylem“ (2019) bei Tippet’s Rise, USA. Immer wieder nimmt er Bezug auf Bäume und streicht ihre zentrale Bedeutung bei der Spendung von Schatten hervor (Serpentine Pavilion 2017). „Ich versuche, Design zu schaffen, das wirklich hochwertig ist, aber gleichzeitig möchte ich, dass meine Kultur repräsentiert wird“, sagt der Architekt.

Seit 2017 ist Kéré Professor an der Technischen Universität München. Durch die Kombination lokaler Materialien und Fähigkeiten mit innovativem Design und intelligenten technischen Lösungen bei gleichzeitiger Fokussierung auf die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften hat Diébédo Francis Kéré die Architektur nicht nur in Burkina Faso, sondern in ganz Afrika und darüber hinaus verändert.

Praemium Imperiale für junge Künstler

Zusätzlich zu den Hauptpreisen wurde ein Stipendium für junge Künstler vergeben. Dieses geht 2023 an Rural Studio und die Harlem School of the Arts, beide USA. Jedem Empfänger wurde auf der Pressekonferenz in Washington DC ein Betrag in Höhe von 2,5 Millionen Yen (ca. 16.000 Euro) überreicht. Die Preisverleihung des Praemium Imperiale 2023 findet am 18. Oktober im Meiji Kinenkan in Japan statt. Am 19. Oktober wird Diébédo Francis Kéré eine Vorlesung über Architektur halten.

Die weiteren Preisträger sind Vija Celmins (USA, Malerei), Olafur Eliasson (Island/Dänemark, Bildhauerei), Wynton Marsalis (USA, Musik) und Robert Wilson (USA, Theater/Film).


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