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Finlandia Prize for Architecture – die Finalisten

von Sebastian Zerlach
Die 4 Finalisten des finnischen Architekturpreises wurden bekannt gegeben. Im Bild: die Finlandia-Halle. Foto © Tuomas Uusheimo

2025 verleiht der finnische Architektenverband (SAFA) den Finlandia-Architekturpreis zum zwölften Mal. Nun wurden die Finalisten des Wettbewerbs bekannt gegeben. Dies sind die Finlandia-Halle (Sanierung), Katajanokan Laituri, die Wohnsiedlung Meander und das Bioenergie-Heizwerk Vuosaari. Die engere Auswahl für den wichtigsten Architektur-Award Finnlands erfolgt durch eine jährlich von der SAFA ernannte Vorauswahljury, die auf Basis einer offenen Ausschreibung die besten Projekte auswählt.

„Die Vorauswahljury besichtigte die Gebäude, die ihrer Meinung nach das größte Potenzial aufwiesen. Im Anschluss an diese Besuche wurde die Vierer-Auswahl auf Grundlage einer breiten Palette architektonischer Überlegungen getroffen“, erklärt Professor Matti Sanaksenaho, Vorsitzender der Vorauswahljury.

Charakter bewahren – die Finlandia-Halle

Die Sanierung der Finlandia-Halle in Helsinki wurde nach dreijähriger Bauzeit im Jahr 2024 abgeschlossen. Das von Alvar Aalto entworfene Gebäude ist eines der bekanntesten Beispiele modernistischer Architektur in Finnland. Zuständig für die Renovierung war Arkkitehdit NRT, vertreten durch Teemu Tuomi (leitender Gestalter) sowie Tuomo Remes und Jaakko Haapanen. Sie standen vor erheblichen technischen Herausforderungen, um die Integrität und den Charakter des ikonischen Gebäudes zu bewahren. Die Jurymitglieder betonten, dass das Projekt Maßstäbe setze und als Vorzeigebeispiel für andere Bauten mit ähnlich hohem historischen Wert dienen könne.

Im Zuge der Sanierung wurde die Gebäudetechnik modernisiert und die Zugänglichkeit sowie Energieeffizienz verbessert. Zudem erfuhr die Marmorverkleidung eine vollständige Erneuerung. Im Innenbereich wurden eine neue Küche und weitere Ausstattungsmerkmale hinzugefügt.

Holz bringt Wohnlichkeit und Sympathie

Auch das Projekt „Katajanokan Laituri“ verfügt über einen Bezug zu Alvar Aalto. Es handelt sich um ein großflächiges helles Holzgebäude, das nicht nur ein Hotel, sondern auch den Hauptsitz des finnischen Holzproduktspezialisten Stora Enso beherbergt. Das im letzten Jahr fertiggestellte Laituri reiht sich in ein Kontinuum heller Gebäude ein, das sich entlang der Uferpromenade in Helsinki vom Marktplatz bis nach Katajanokka erstreckt, wie ursprünglich von Aalto geplant.

Das Bauwerk wurde von Anttinen Oiva Arkkitehdit entworfen, vertreten durch die Architekten Selina Anttinen, Vesa Oiva und den Designer Teemu Halme. Die Architektur sei charismatisch und optimistisch urteilte die Vorauswahljury. Das Oberlicht im Foyer stellt Verbindung her und prägt die verschiedenen Nutzungen. Die entspannte Atmosphäre des Gebäudes liegt auch in der Verwendung von Holz begründet, das neben seiner Feuchtigkeit regulierenden Eigenschaften akustisch positiv wirkt.

Was lange währt…

Der Architekt Steven Holl gewann 2006 einen exklusiven Wettbewerb für die stillgelegte Taivallahti-Kaserne in Helsinki. Nach fast zwei Jahrzehnten voller Wendungen wurde seine Vision endlich Wirklichkeit: Die „Meander“-Wohnungen sahen im Herbst 2024 ihre Fertigstellung. Das Gebäude beginnt flach neben der ehemaligen Kaserne und steigt in Richtung der hohen bereits existierenden Wohngebäude an. Am Fuße dieses gewundenen Baus befinden sich zweigeschossige, loftartige Wohnungen. Darüber verbergen großzügige Glasflächen Balkone und Holzfassaden.

Die Vorauswahljury würdigte Meander als hervorragendes Beispiel dafür, wie Nachverdichtung gelingen könne. Die eigenwillige Lösung begegne den Herausforderungen eines Grundstücks mit wenig Gestaltungsspielraum perfekt. Neben Steven Holl Architects war auch ARK-house arkkitehdit, vertreten durch Pentti Kareoja und Pauli Terho am Entwurf beteiligt.

Industrielandschaft mit finnischem Wald

Das 2023 eröffnete Vuosaari Bioenergie-Heizwerk besticht durch ein hohes Maß an technischer Raffinesse und architektonischem Anspruch. Die Gebäude, die sie verbindenden Förderbänder, Treppen und Überführungen sowie die flankierenden Lagertanks bilden eine nahezu attraktive Industrielandschaft. Die abgewinkelten Betonstrukturen erinnern an Strebepfeiler von gotischen Kathedralen und die einfallsreiche Landschaftsgestaltung verleiht dem Straßenbild ein angenehmes Ambiente.

Insgesamt strahlt das Gebäude höchste Qualität und selbstbewusste Verspieltheit aus, so die Jury. Den Architekten gelang es, ganz in der Tradition des modernistischen Industriedesigns eine eigene, unverwechselbare Note zu entwickeln. Verantwortlich dafür zeichnen Kivinen Rusanen Arkkitehdit, vertreten durch Tuomas Kivinen (Hauptgestalter), Uros Kostic, Anna Blomqvist, Maija Hirvilammi und Tania Serrano.

Aus diesen vier Finalisten wird nun ein Einzeljuror, interessanterweise der Erzbischof Tapio Luoma, den Gewinner auswählen. Er sagt: „Diese vier Gebäude in der engeren Auswahl haben mir einen hervorragenden Einblick in die zeitgenössische finnische Architektur und all ihre Facetten gegeben. Besonders interessiert war für mich, wie Gebäude mit ihrer Umgebung interagieren.“ Die Bekanntgabe des Siegers wird am 6. Oktober erfolgen.


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