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Die Gewinner des Aga Khan Architekturpreises 2025

von Markus Schraml

Die unabhängige Jury des 16. Preisverleihungszykluses (2023–2025) des Aga Khan Award for Architecture hat nach Vor-Ort-Begutachtungen der im Juni bekannt gegebenen Projekte sieben Gewinner ausgewählt. Die Preisträger thematisieren Architektur als Katalysator für Pluralismus, ihre gesellschaftliche Resilienz, die Rolle für sozialen Wandel, kulturellen Dialog sowie umweltfreundliche Gestaltung. Sie teilen sich den mit 1 Million US-Dollar dotierten Preis, einem der höchstdotierten in der Architektur.

Die Preisträger kommen aus den Ländern Ägypten, Bangladesch, China, Iran (2x), Pakistan und Palästina. Die Revitalisierung des historischen Zentrums von Esna, einem Ort am Nil etwa 60 Kilometer südlich von Luxor zählt zu den Gewinnern. Seit den 90er-Jahren war die Stadt von Verfall geprägt und das Zentrum sollte abgerissen werden. Gleichwohl lud Ägyptens nationale Planungsbehörde das in Kairo ansässige Stadtentwicklungsunternehmen Takween ein, eine alternative Strategie zu entwickeln. Und es gelang den historischen Kern wiederzubeleben. Die Jury meint: „Durch die Restaurierung oder Wiederverwendung von Gebäuden – Gewerbe-, Wohn- und spirituellen Gebäuden – stimuliert das Projekt einen umfassenden historischen urbanen Metabolismus, um die aktuelle Herausforderung der Verbesserung der Lebensbedingungen und der Arbeitsinfrastruktur für Handwerker zu bewältigen.“

Revitalisierung des Ortskerns von Esna in Ägypten durch Takween. © Aga Khan Trust for Culture

Bambus und Stahl in Bangladesch

Das Projekt „Khudi Bari“ von Marina Tabassum Architects an verschiedenen Standorten in Bangladesch schafft eine Lösung aus Bambus und Stahl, die sich für vertriebene Menschen eignet, in einem Land, das von ständigen topografischen Veränderungen geprägt ist. Die schlichte Raumfachwerkkonstruktion aus winkelförmig verstrebtem Bambus wird durch speziell entwickelte Stahlverbinder aus einer Gießerei in Dhaka zusammengehalten. Das Obergeschoss, das auch bei Überschwemmungen als Lager- und Schlafraum dient, verfügt über Öffnungen an Vorder- und Rückseite zur Querlüftung. Die obere Fassade besteht aus Holzpaneelen, während die unteren Wände der Eigeninitiative der Nutzer überlassen bleiben.

„Khudi Bari“ von Marina Tabassum Architects entwickelt Bambus als resilientes Baumittel weiter. © Aga Khan Trust for Culture

Kulturzentrum in der Inneren Mongolei

In der Nähe von Hohhot, der Hauptstadt der Inneren Mongolei (China), entstand das „West Wusutu Village Community Centre“ für die dort beheimateten Hui-Muslime. Lange Zeit fehlte der Gemeinde ein Zentrum. Schon 2018 wurde über eine staatliche Initiative zur ländlichen Revitalisierung begonnen, mehrere leerstehende Gebäude in Künstlerhäuser umzuwandeln und andere abzureißen. Zu den beteiligten Architekten gehörte auch Zhang Pengju, dessen enge Beziehung zu den Anwohnern ihn zur naheliegenden Wahl machte, als die Genehmigung für den Bau eines Kulturzentrums auf dem Gelände eines ehemaligen buddhistischen Tempels erteilt wurde. Dorfbewohner und Künstler sammelten gemeinsam die notwendigen Baumittel. Das Projekt dauerte von der Planung bis zur Fertigstellung nur sieben Monate und lag damit unter dem bescheidenen Budget. Ausschlaggebend für die niedrigen Kosten war der Bauansatz, der fast vollständig auf Ziegeln setzte, die bei früheren Abrissen geborgen worden waren.

Treffpunkt für die Hui in der Inneren Mongolei. (Zhang Pengju). © Aga Khan Trust for Culture

Tourismus auf der Insel Hormuz

Im Iran zeichnete die Jury zwei Projekte aus. Das erste ist die „Majara Residence and Community Redevelopment“ auf der Insel Hormuz von ZAV Architects, ein farbenfroher Komplex, dessen Kuppeln die ockerfarbenen Böden der Regenbogeninsel widerspiegeln und nachhaltige Unterkünfte für Touristen bieten. Die Jury beschrieb das Projekt als lebendiges Archipel verschiedener Programme, die dem schrittweisen Aufbau einer alternativen Tourismuswirtschaft dienen, denn der Versuch, den Tourismus auf der Insel anzukurbeln, geht bis auf das Jahr 2008 zurück und war jahrelang nicht von Erfolg gekrönt.

Tourismus auf der Insel Hormuz (ZAV Architects). © Aga Khan Trust for Culture

Von baufällig zu urbanem Denkmal in Teheran

Beim zweiten Projekt handelt es sich um den Umbau eines baufälligen Bahnhofs in Teheran an der „Jahad Metro Plaza“. KA Architecture Studio gelang es, daraus einen lebendigen urbanen Knotenpunkt für Fußgänger zu machen. Die Jury hob die Verwendung lokaler handgefertigter Ziegel hervor, die die Verbindung zum reichen architektonischen Erbe des Iran stärken würden. Durch seine Form und die warme Textur entstand eine Art neues urbanes Denkmal.

Urbaner Treffpunkt: „Jahad Metro Plaza“ von KA Architecture Studio in Teheran. © Aga Khan Trust for Culture

Zentrum für die Jugend in Pakistan

„Vision Pakistan“ in Islamabad von DB Studios ist ein mehrstöckiges Gebäude mit bunter Fassade, inspiriert von pakistanischer und arabischer Handwerkskunst. Es beherbergt eine Wohltätigkeitsorganisation, die benachteiligte Jugendliche durch fundierte Berufsausbildung fördert. Die Jury würdigt, dass das Gebäude eine neue Form der Bildung verkörpere und schreibt: „Die beiden untersten Stockwerke des sechsstöckigen Gebäudes mit ihren zukunftssicheren Schaufenstern sind so konzipiert, dass sie einen Bezug zur Hauptstraße haben. Die gepflegten und bepflanzten Klassenzimmer sowie der Gebetsraum sind über die darüberliegenden Stockwerke verteilt und durch das 10 Meter hohe Atrium optisch miteinander verbunden.

„Vision Pakistan“ von DB Studios für unterprivilegierte Jugendliche. © Aga Khan Trust for Culture

Kabinett der Wunder in Bethlehem

Die 7. Auszeichnung geht nach Palästina: „Wonder Cabinet“ in Bethlehem von AAU Anastas ist ein multifunktionaler, gemeinnütziger Ausstellungs- und Produktionsraum, der mit Unterstützung lokaler Handwerker sowie Bauunternehmer errichtet wurde. Es soll zu einem Zentrum für Handwerk, Design, Innovation und Bildung werden. Die Jury befand, dass das Gebäude ein Modell für eine Architektur der Verbindung darstellt, die in zeitgenössischen Ausdrucksformen nationaler Identität verwurzelt ist und die Bedeutung kultureller Produktion als Mittel des Widerstands unterstreicht. „Eingebettet in eine spannungsgeladene Umgebung eröffnet das Wonder Cabinet neue Horizonte: Es bringt Making, Musik, Wunder und Freude zurück in die Stadt. Indem die Architekten sowohl die kulturelle Institution als auch die sie beherbergende Struktur imaginierten, schufen sie ein Gebäude, das seinen unmittelbaren politischen Kontext übersteigt.“

„Wonder Cabinet“ in Bethlehem von AAU Anastas. © Aga Khan Trust for Culture

Die Preisverleihung des Aga Khan Award for Architecture findet am 15. September in Bischkek (Kirgisische Republik), in der Toktogul Satylganov Kirgisischen Nationalphilharmonie statt. Mit dem Preis werden nicht nur Architekten, sondern auch Kommunen, Bauherren, Kunden, Handwerksmeister und Ingenieure ausgezeichnet, die wichtige Rollen bei den Projekten gespielt haben.


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