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Glasfassade mit Mikroalgen – glasstec 2018

von Markus Schraml
glasstec 2018

Ende letzter Woche ging die glasstec 2018 in Düsseldorf zu Ende. Die Leitmesse der internationalen Glasbranche (42.000 Besucher aus 120 Ländern) bekräftigte ihre Position als wichtiger Impulsgeber. Darüber freut sich naturgemäß der Geschäftsführer der Messe Düsseldorf, Wolfram Diener: „Die glasstec bleibt die international führende Premierenplattform für die Glasindustrie, an der sich die gesamte Glaswelt orientiert. Die Industrie tickt im Rhythmus des zweijährigen Turnus der glasstec und richtet ihre Innovationen auf genau diesen Moment aus. Keine andere Fachveranstaltung kann sich dadurch mit solch einer Bandbreite an zukunftsweisenden Lösungen, Produkten und Anwendungen präsentieren. Das schätzt auch das stetig wachsende internationale Publikum.“

Wichtige Programmpunkte der Messe waren die Konferenzen. „function meets glass“ beschäftigte sich mit den Herausforderungen zur Herstellung von Funktionsglas, der Internationale Architekturkongress zeigte die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten von Glas in der Architektur und bei „engineered trasparancy“ wurde über konstruktiven Glasbau und Fassadentechnik diskutiert.

Die technologischen Fortschritte im Fassadenbau sind erstaunlich. So zeigte Gartner-Fassaden seine gebogenen Glasfassaden, die bei der Hamburger Elbphilharmonie zum Einsatz kamen. Spezielle Lichteffekte verleihen der Außenhaut Leben. Derartige Fassaden mit warm oder kalt gebogenen Funktionsgläsern finden in der Architektur immer häufiger Verwendung, weil sie außergewöhnliche Gestaltungen ermöglichen. Die Josef Gartner GmbH hat zum Beispiel auch die Firmenzentrale von Apple oder das Lakhta Center in St. Petersburg mit gebogenen Fassaden verkleidet.

Aktuelle Fassadentechnologie ist ein wichtiger Teil in puncto smarter Gebäude, die mit weniger Energie auskommen und weniger Ressourcen verbrauchen sollen. So wurde in der Siemens-Konzernzentrale in München neben einer ganzen Reihe von Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion – Erdwärme, Photovoltaik, Regenwassersammlung, Gebäudeautomatisierung, LEDs – auch eine Verglasung verwendet, die zur nachhaltigen Energiebilanz beiträgt. Alle Fassaden bestehen aus wärmedämmenden Dreifach-Isolierglas. Die 16.000 m² Fassade wurde von Strabag Metallica montiert und vom Wiener Glasverarbeiter Petschenig glastec geliefert. Je nach Positionierung wurden unterschiedliche Glaselemente verwendet. Neben Sonnenschutz-Isoliergläsern wurden auch beschusshemmende und abhörsichere Gläser eingesetzt.

Ein ganz andere Dimension eines Glasfassadensystems kommt vom Forschungsteam FABIG, ein Gemeinschaftsprojekt der Technischen Universität Dresden, der Arup Deutschland GmbH, SSC GmbH, Pazdera AG und ADCO Technik GmbH. Die „Bioenergiefassade 2.0“ mit integrierten Photobioreaktoren ist eine ästhetische sowie technologische Weiterentwicklung, um mehr Möglichkeiten der architektonischen Gestaltung zu bieten. Durch das faszinierende Funktionsprinzip kann Wärme und Biomasse gewonnen werden. Dafür werden Mikroalgen in einer Nährstofflösung kultiviert, die die Glasfassadenelemente durchströmt. Dass diese Technik funktioniert wurde bereits 2013 bewiesen, als mit dem BIQ-Haus in Hamburg ein Pilotprojekt anlässlich der IBA umgesetzt werden konnte. Während damals die Glaselemente noch geklemmt waren, sind sie jetzt geklebt und die Reaktoren in die thermische Hülle eingebunden. Dr.-Ing. Jan Wurm, Leiter Research & Innovation bei Arup erklärt: „Uns ging es nicht nur darum, die Bioenergiefassade technologisch zu optimieren, sondern auch den Gestaltungsspielraum für Architekten und Planer zu erweitern. Wir wollen die Bioenergiefassade als skalierbares Element zur Fassadengestaltung etablieren, um geschlossene Stoffkreisläufe auf Gebäude- und Stadtteilebene umzusetzen.“

„Vereinfacht ausgedrückt, sind die Glaselemente der Bioenergiefassade Teile einer solarthermischen Anlage, mit der zusätzlich Mikroalgen zur Erzeugung von Biomasse und zur Absorption von CO2 gezüchtet werden“, erläutert Timo Sengewald, Energieexperte bei Arup. „Mit einer thermischen Effizienz von 38 Prozent und einer Konversionseffizienz der Biomasse von 8 Prozent ist die Bioenergiefassade mit herkömmlichen solaren Systemen vergleichbar.“

Dieses Forschungsprojekt soll im April 2019 mit der Erstellung eines Prototypen im Maßstab 1:1 abgeschlossen werden.

 

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